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uch wenn er bei einer Patenschaft für ein Nilpferd-Baby eine Ähn lichkeit wegen der "dicken Haut" festgestellt hat. Am Ende wurde ihm doch alles zu viel: Den Posten des Vizekanzlers musste er schon im Herbst 2003 Hubert Gorbach überlassen, im Vorjahr trat er die Parteiobmannschaft ab, jetzt muss Herbert Haupt auch seinen geliebten Sessel als Sozialminister räumen. Ständig war er dabei massivem innerparteilichen Druck ausgesetzt, ehe er sich nach und nach verabschiedete. Bei seinem Arbeitsstil hat der Tierarzt aus Kärnten auf seine eigene Gesundheit nie Rücksicht genommen, bis er jetzt mit Tränen in den Augen einräumen musste, dass es so nicht mehr weitergeht.
Es ist die persönliche Tragik des Herbert Haupt, dass sein unglaublicher Einsatz und die persönlichen Opfer, die er in seine Arbeit als FP-Aushilfsobmann und Minister eingebracht hat, nie Früchte getragen haben. Im Gegenteil: Der im persönlichen Umgang sympathische Kärntner hat durch eigenes Zutun viel beitragen, dass im Sozialbereich statt Reformen oft nur der Murks des Ministers wahr genommen worden ist.
Das gilt auch für das letzte Reformwerk, die Pensionsharmonisierung. Die Vereinheitlichung der Pensionssysteme ist eine Weichenstellung, an die sich über Jahre Regierungen nicht einmal herangetraut haben. Jetzt ist sie eingeleitet, ohne dass sie jedoch dem Sozialminister zugeschrieben würde. Denn in seinem eigenen Ressort ist Haupt seit Monaten, spätestens seit der Aufgabe der FP-Führung, von "seiner" Staatssekretärin Haubner völlig in den Hintergrund gedrängt worden. Es ist daher nur logisch, dass die FP-Chefin jetzt auch formal das Ministeramt übernimmt.
Eine Zeitlang hatten ja die Schachtelsätze des Tierarztes aus Spittal an der Drau beinahe Kultcharakter. Das Problem war nur, dass gerade dann, wenn er ein "Ich sage das in aller Klarheit" hinschmetterte, überhaupt nichts klar war. Nicht für die ohnehin durch ein Reformstakkato verunsicherten Österreicher. Nicht für den Koalitionspartner bis hinauf zum Bundeskanzler, dem der chaotische Sozialminister zunehmend auf die Nerven ging. Nicht für die Freiheitlichen, die schließlich nur mehr mitleidig lächelten. Und nicht einmal für Haupt selbst, der von einem Extrem ins andere schwankte. So brachte er bei der Pensionsreform 2003 das Kunststück zustande, zuerst mit VP-Minister Bartenstein einen Entwurf vorzulegen, um dann gemeinsam mit den Kärntner Freiheitlichen seine eigene Arbeit madig zu machen.
Im Bereich der Gesundheit und der Sozialversicherung waren die Blamagen so offenkundig, dass Haupt diese Agenden bei der Neuauflage von Schwarz-Blau 2003 entzogen wurden. Die Anläufe für eine Ambulanzgebühr gerieten unter seiner Federführung bis zur Abschaffung immer mehr zum Fiasko. Und der Feldzug gegen den SP-dominierten Hauptverband, für den sich Haupt von der damaligen Vizekanzlerin Riess-Passer einspannen ließ, wurde mit der Aufhebung durch den Verfassungsgerichtshof zu einem der peinlichsten Flops überhaupt.
Mit der Ablöse Haupts durch Ursula Haubner will die FPÖ nun dieses Chaos- und Verunsicherungsimage los werden. Statt unangenehmer Botschaften mit empfindlichen Einschnitten für die Bürger wird jetzt mit Haubner im Hinblick auf die Nationalratswahl das Bild der mütterlich-sorgenden FPÖ, die sich vor allem um Familie und Kinder kümmert, in den Mittelpunkt gerückt. Was die Bestellung des neues Staatssekretärs Dolinschek betrifft, so scheint in erster Linie wichtig zu sein, dass wieder ein Kärntner zum Zug kommt.
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elbst bei seinem Abschied blieb sich Haupt treu. Denn noch am Montag herrschte Verwirrung, ob er nicht doch wieder ins Parlament zurückkehrt. Zumindest seiner Rolle als politischem Stehaufmännchen würde Haupt gerecht werden, wenn er demnächst als Abgeordneter wiederkehrt.
karl.ettinger@diepresse.com