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Börse: Anleger trennen sich von Gold-Produkten

THEMENBILD: 'GOLD'
APA/ROBERT JAEGER
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Die Bestände börsengehandelter Gold-Produkte (ETP) schrumpften seit Anfang Januar um 31 Prozent. Es ist die erste jährliche Abnahme, seit der Handel in den Fonds 2003 begann.

Investoren trennen sich derzeit so schnell von börsengehandelten Goldprodukten (ETP), wie seit Einführung der Papiere vor einem Jahrzehnt nicht. Die Entwicklung spiegelt den größten Einbruch des Goldpreises seit 32 Jahren wider. Die Bestände der 14 größten mit Gold unterlegten ETPs schrumpften seit Anfang Januar um 31 Prozent auf 1813,3 Tonnen - es ist die erste jährliche Abnahme, seit der Handel in den Fonds 2003 begann. Das belegen Daten von Bloomberg. Der Abfluss vernichtete 69,7 Milliarden Dollar an Wert bei den ETP, während der Goldpreis so stark fiel wie seit 1981 nicht mehr. Weitere 311 Tonnen Gold werden wohl im kommenden Jahr aus den ETP abfließen, wie aus einer Median-Prognose von elf Analysten hervorgeht.

ETP-Goldinvestments hatten noch im vergangenen Jahr mit 148 Milliarden Dollar einen Rekord erreicht. Sie trugen seinerzeit zur Aufrechterhaltung der Goldhausse bei, während der sich das Edelmetall seit 2001 um das Sechsfache verteuerte. Die Produkte bieten Investoren die Möglichkeit, in das Edelmetall zu investieren, ohne es einlagern zu müssen.

Der Einbruch bei den ETP legt den Schluss nahe, dass Investoren das Vertrauen in Gold als Mittel zur Vermögenssicherung verlieren. Zum einen ist es zuletzt nicht zu einem Anstieg der Inflation gekommen. Und zum anderen signalisierte die US-Notenbank Federal Reserve, dass sie ihre umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen zur Konjunkturförderung womöglich zurückfahren wird.

Paulson legt privat nicht mehr in Gold an

Vergangenen Monat erklärte auch die Hedgefonds-Legende John Paulson den Kunden gegenüber, dass er selbst kein privates Geld mehr in Gold stecken wolle. Es sei derzeit völlig unklar, wann die Inflation anziehen werde. Gold gilt traditionell als Schutz bei Preisauftrieb.
"All die Aufwärts-Faktoren, die den Goldpreis in den vergangenen zwölf Jahren immer weiter nach oben getrieben haben, verkehren sich nun ins Gegenteil", sagt Analyst Robin Bhar von Société Générale SA in London. In der Rangliste der treffsichersten Edelmetall-Experten von Bloomberg News ist er über die vergangenen acht Quartale hinweg auf Platz eins zu finden. "Es wird 2014 mehr Verkäufe bei ETFs geben, während der Preis sich weiter nach unten bewegen wird."

Gold zur sofortigen Auslieferung war im April in einen Bärenmarkt zurückgefallen - definiert als ein Preiseinbruch von 20 Prozent oder mehr. Am Dienstag kostete das Edelmetall 1245,77 Dollar je Unze. Das entspricht einem Minus von über 30 Prozent im Vergleich zum Rekordpreis von 1921,15 Dollar, der im September 2011 erreicht worden war.

Goldman Sachs Group Inc. bezeichnete Gold im Oktober als "Slam-Dunk‘‘-Verkauf. Mit Blick auf das Edelmetall sei die Bank so negativ eingestellt für nächstes Jahr wie bei kaum einem anderen Rohstoff. Im Median gehen 14 Analysten davon aus, dass der Goldpreis im kommenden Jahr im Durchschnitt bei 1216 Dollar je Unze liegen wird, der niedrigste Wert seit 2009.

Gold-ETP werden wie Aktien gehandelt

Geschaffen wurden Gold-ETPs einst von Graham Tuckwell, einem australischen Unternehmer. Sie werden ähnlich wie Aktien gehandelt. Die Notwendigkeit für Lagerung und andere Dinge im Zusammenhang mit dem klassischen Goldhandel entfallen. In einem Interview mit Bloomberg News vergangenes Jahr bezeichnete Tuckwell die ETPs als billiger und transparenter - verglichen mit klassischen Investmentfonds.

Tuckwell ETF Securities Ltd. kümmert sich um den zweitgrößten Gold-ETP. Das geht aus Daten von Bloomberg hervor. Dahinter folgen Zürcher Kantonalbank aus der Schweiz und der Vermögensverwalter BlackRock Inc. Nummer eins ist der SPDR Gold Trust. Paulson & Co. hatte seine Investments in den SPDR Gold Trust im zweiten Quartal halbiert.

"‘Gold-ETPs werden von vielen Leuten bevorzugt. Denn unterm Strich sind der Handel und die Portfolioverwaltung einfacher'', sagt Francisco Blanch, Leiter der Rohstoffanalyse bei Bank of America Corp. in New York "Und es ist wahrscheinlich billiger.'' Wie dem auch sei, Kollege Mike McGlone - ein Direktor der Analyse bei ETF Securities in New York - kommt zu dem Schluss, dass börsennotierte Goldfonds 2013 ‘"die Gunst der Investoren verloren haben.''

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