Aydan Özoğuz ist das erste türkeistämmige Mitglied der Bundesregierung. Die Sozialdemokratin blickt auf eine steile Karriere zurück.
Wo die Sozialdemokratin Aydan Özoğuz ihr neues Büro hat, ist die CDU nicht weit. Die Integrationsbeauftragte wird im Kanzleramt sitzen, wichtige Kompetenzen in ihrem Ressort liegen auch weiterhin in den Händen des Innenministers Thomas de Maizière (CDU). Als erstes türkeistämmiges Mitglied der deutschen Bundesregierung geht die Bestellung Özoğuz' freilich weit über den Symbolcharakter hinaus. Sie gilt als fachkundig und angriffslustig, wenn es um die Durchsetzung ihrer Agenden geht. Politisch hat sich Özoğuz bisher kaum profiliert, wenngleich sie eine vergleichsweise steile Karriere innerhalb der SPD hingelegt hat.
Parteimitglied ist sie erst seit 2004 - zuvor war sie parteilos und als erste Migrantin in der Hamburgischen Bürgerschaft, dem Stadtparlament, vertreten. Nur fünf Jahre nach ihrem Eintritt in die SPD saß Özoğuz bereits im Bundestag, wo sie den Bereich Integration betreut hat. Zuerst förderte sie der spätere Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, danach Parteivorsitzender Sigmar Gabriel. Vor zwei Jahren machte er sie zu einer seiner fünf Stellvertreter im Bundesvorstand. Es war die Zeit, als die Genossen mit dem Buch und den Äußerungen des ehemaligen Berliner SPD-Finanzsenators Thilo Sarrazins in die Bredouille geraten sind. Wohl als Antwort darauf wurde Özoğuz an sichtbarer Stelle platziert. Mit Vorwürfen, dass sie ihre politische Karriere ihrer Herkunft zu verdanken hat, wurde sie zwischenzeitlich öfter konfrontiert. Özoğuz sieht das pragmatisch.
Von Brüdern distanziert
Die Tochter türkischer Zuwanderer wurde 1967 in Hamburg geboren. Mit 22 Jahren erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft, da hat sie bereits Anglistik, Spanisch und BWL an der Uni Hamburg studiert - und ein USA-Stipendium war ihr bereits deswegen durch die Lappen gegangen. Auf ihre türkische Herkunft sei sie stolz, so Özoğuz, aber sie fühle sich als Deutsche. Eine kleine politische Diskussion hat sie vor einigen Jahren angestoßen, als sie zum Boykott der Islamkonferenz des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich aufgefordert hatte. Friedrich wollte über Muslime und Sicherheit reden, Özoğuz über Muslime und Integration. Auf ihren Aufruf reagierten auch Parteifreunde mit Verwunderung. Dass nicht mehr Friedrich Innenminister ist, dürfte ihre Arbeit durchaus erleichtern.
Von ihren beiden Brüdern hat sich Özoğuz - sie ist mit dem Hamburger Senator Michael Neumann verheiratet - bereits in der Vergangenheit distanziert: sie betreiben die Webseite muslim-markt.de mit radikalen Tendenzen und antisemitischen Artikeln; sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
(duö)