Meinung: Ariel Scharons Hasardspiel

Die Chancen, in Israel mit einer Zentrumspartei zu reüssieren, waren noch nie so gut wie jetzt. Deshalb gründet Israels Premier auch eine.

E
r war der erklärte Feind aller Frie denstauben in Nahost, das Hass objekt der Palästinenser, der rechte Hardliner schlechthin - Ariel Scharon. Niemand hätte sich vor ein paar Jahren träumen lassen, dass sich der Ex-General dereinst in der politischen Mitte breit machen würde. Jetzt ist es passiert.

Mit 77 Jahren pflügt der Mann, den man den "Bulldozer" nennt, Israels Parteienlandschaft völlig um. Er kehrt dem Likud, den er selbst aus der Taufe gehoben hat, den Rücken und gründet eine neue Zentrumspartei. Die Chancen des Premiers, bei der vorgezogenen Parlamentswahl zu reüssieren, stehen gar nicht schlecht. Mit seinem Husarenstück drängt er den Likud, der Israels Abzug aus dem Gazastreifen mental nicht verkraftet hat, weiter nach rechts. Die Arbeitspartei ist unter ihrem neuen Vorsitzenden, Amir Peretz, ohnehin hoffnungslos nach links abgedriftet. Da ist durchaus Platz für eine Partei der Mitte.

Schon streuen seine Berater, dass der Premier, sollte er wiedergewählt werden, eine neue Friedensinitiative starten werde. So lassen sich Anhänger der Arbeitspartei in Scharons Lager ziehen. Es ist ein Hasardspiel, das Scharon am Ende seiner Karriere wagt. Aber er könnte damit in die Geschichtsbücher eingehen: Als Erneuerer des israelischen Parteiensystems - und möglicherweise als Friedensbringer. Eines aber wird nach Scharons Schachzug sicher nicht einfacher in Israel: die Regierungsbildung. (S. 1, 2)

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