Endlich wieder eine gute Nachricht von Peugeot – in Form eines Autos: Der 308 verblüfft uns mit Klarheit in Design und Bedienung, feiner Anmutung und Courage im Detail.
An Bad News hatte der PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën zuletzt keinen Mangel. Immer noch orakeln Finanzexperten und Analysten über die Zukunft des Herstellers, Staatspräsident Hollande hat sich mehrmals zu Wort gemeldet. Der PSA-Chef? Räumt gerade seinen Platz.
Am besten fährt man wohl mit der These, dass ein Autohersteller nicht primär Geld (oder Schulden) produziert, sondern Autos, und dass von diesen seine Geschicke abhängen. Was erklären würde, warum Peugeot in Schwierigkeiten ist. Das mediokre Aufgebot der letzten Jahre (darunter echte Designsünden) erklärt plausibel die unheilvolle Rabattspirale, in die man geraten ist. Andrerseits sehen wir Licht am Ende des Montblanc-Tunnels: in den Scheinwerfern des 308, mit dem Peugeot einen fast radikalen Neuanfang setzt.
Optische Rast
Ja, richtig entzückt spazieren wir auf dieses Auto zu, voller Vorfreude und (geborgtem) Besitzerstolz. Wie verstohlen man sich noch an Bord des 3008 mit seinem Meerschweinchen-Appeal wand!
Im Auftritt des 308 sind Statements von Eleganz und Dynamik gut abgeschmeckt. Während das volle Repertoire der obligaten Sicken, Konkaven und Lichtkanten aufgefahren wird, bietet ein nüchterner Kühlergrill optische Rast.
Seiner grandios verschistelten Cockpits hat sich Peugeot endlich entledigt: Die ganze Knöpferl-Landschaft wurde von der Mittelkonsole gefegt und in einen Touch-screen gepackt. Darunter pikanterweise auch die komplette Klimasteuerung, was bislang kaum ein Hersteller riskiert. Wir vertrauen fürs Erste auf die Langlebigkeit des Systems und preisen die aufgeräumte Oberfläche, die den Eindruck eines Wohn- und Lebensbereiches statt den eines Arbeitsplatzes im Airbus-Cockpit vermittelt, auf der nur das Notwendigste für direkten Zugriff vorhanden ist (Warnblinker, Umluft, Defroster).
Das Bordsystem selbst gibt keine Rätsel auf, wenngleich der Touchscreen zielgenaues und festes Tippen erfordert, da gibt es schon bessere Lösungen. Eine regelrechte Augenweide: die Ausführung der analogen Instrumente. Dass die Nadel des Drehzahlmessers gegenläufig ausschlägt, ist ein netter Twist und ein Element von französischem Anders-Ticken, für das man früher diese Autos gekauft hat. Chrom wird nicht wie bisher zur Behübschung, sondern für feine Akzentuierung eingesetzt.
Die Rechnung mit dem kleinen Lenkrad, über das (statt hindurch) man auf die Anzeigen sieht, geht im 308 besser auf als im 208. Das unten abgeflachte Volant liegt wunderbar in der Hand und erlaubt zusammen mit einer feinfühligen Lenkung präzise Kurvenfahrten. Die sichere Hand bei der Auswahl der Materialien entgleitet allenfalls beim Schaltknauf – formschön zwar, aber als blankes Stück Metall eine Prüfung für die Handfläche im kalten Auto ebenso wie sommers im aufgeheizten. Statt der alten Funzeln, die uns Peugeot bislang als Bordbeleuchtung zugemutet hat, erstrahlt der Innenraum des 308 im hellen LED-Schein.
Selten, dass uns ein Vierzylinderdiesel mit Handschaltung im Stadtverkehr erquickt, doch diese harmonische Paarung – sechs Gänge und ein 1,6-Liter-Diesel mit 115 PS – macht tatsächlich Spaß zu fahren. Der Motor spricht freudig an und fühlt sich im relevanten Drehzahlbereich – untere bis mittlere Touren – viel kräftiger an, als die Daten vermitteln. Eine Steigerung vermuten wir in den zwei Turbobenzinern mit 125 und 155 PS.
Solcherart, mit 17-Zöllern und Vollausstattung, probten wir den 308 in bestmöglicher Verfassung – legitim angesichts des Anspruchs, den Peugeot neuerdings stellt.
ZAHLEN UND FAKTEN
Peugeot 308 1.6 e-HDI 115 FAP
Maße. L/B/H: 4253/1804/1457 mm. Radstand: 2620 mm. Leergewicht: 1320 kg. Kofferraumvolumen: 420 Liter.
Motor. R4-Turbodiesel, 1560 ccm. Leistung: 85 kW (116 PS), Drehmoment: 270 Nm. 0–100 km/h in 11,4 sec, Vmax: 196 km/h. Testverbrauch: 5,8 l/100 km.
Frontantrieb, manuelles Sechsganggetriebe.
Preis. 26.164 Euro (Ausstattung Allure).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2013)