Chefstrategen geraten stärker unter Druck

Planung. Die Strategieabteilungen bekommen in den Unternehmen immer größere Bedeutung. Sie sollen die Voraussetzungen für profitables Wachstum und Pläne liefern, die zumindest zwei, drei Jahre halten.

Die Chefstrategen, die Chief Strategy Officers (CSOs), sind aus den Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Doch obwohl ihre Rolle immer wichtiger wird und die Aufgaben zunehmend komplexer werden, wachsen die Kapazitäten in den Strategieabteilungen nicht entsprechend mit.
Das ergab der „CSO Survey 2013“, den das Beraterunternehmen Roland Berger und das Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen zum dritten Mal durchführten. Die Befragung unter mehr als 150 Chefstrategen der größten europäischen Unternehmen zeigte, dass die Bedeutung der Strategen weiter zunimmt und sie immer öfter Entscheidungen treffen müssen, die besonderes Augenmaß erfordern.


„Um die steigende Komplexität durch immer neue Kompetenzfelder und volatile, unsichere Märkte bewältigen zu können, müssen CSOs den Strategieprozess effizienter gestalten“, sagt Roland Falb von Roland Berger Strategy Consultants Österreich.
Ganz oben auf der Agenda der Strategen steht die Weiterentwicklung der Unternehmen. Hier sehen die Studienautoren einen neuen Trend: Strategische Entscheidungen müssen profitables Wachstum ermöglichen. Die Sicherung von Marktanteilen zulasten der Profitabilität ist demnach passé. Dies spiegelt sich auch in den wichtigsten strategischen Entscheidungen der befragten Firmen im vergangenen Jahr wider, die vor allem Portfolio-Management (41 Prozent), Unternehmenswachstum (22 Prozent), Kostensenkungen (19 Prozent) und Strategieumsetzung (16 Prozent) betrafen.

Fehler vermeiden, langfristig planen

Obwohl der Zeitdruck steigt und die konjunkturelle Unsicherheit zunimmt, haben erfolgreiche Unternehmen eines gemeinsam: Ihre Strategie ist langfristig ausgelegt, sie agieren vorsichtiger und folgen nicht jedem Trend, sondern sie planen ihr Geschäftsmodell für die nächsten zwei bis drei Jahre. Für wichtige strategische Entscheidungen nehmen sich 75 Prozent der Unternehmen mindestens drei Monate Zeit. Und wenn es um die Umsetzung geht, benötigen die Firmen im Schnitt mehr als zehn Monate.
„Auch wenn Schnelligkeit sehr wichtig ist, müssen strategische Entscheidungen gut durchdacht und offen diskutiert werden. Fehlentscheidung zu korrigieren kann viel Geld kosten und dem Image der Firma langfristig schaden“, sagt Falb. Die Weiterentwicklung eines Unternehmens biete auch viel Konfliktpotenzial. Hier sind ebenfalls die CSOs, die zu 27 Prozent länger als zehn Jahre im jeweiligen Unternehmen arbeiten, gefordert. Sie müssen mit Meinungsverschiedenheiten sensibel umgehen und Diskussionen moderieren, um die Produktivität im Team nicht zu gefährden und künftige Entscheidungen zu blockieren.
Was die Zukunft angeht, sind sich die Chefstrategen einig: Künftig wird es noch wichtiger, Prozesse und Strukturen im Unternehmen aufzubauen, mit denen die Organisation flexibel auf neue Marktbedingungen reagieren kann. Weniger relevant sind für CSOs dagegen (noch) Themen wie Big Data und Corporate Social Responsibility.
„Es geht darum, eine Strategie zu formulieren, die zwar die Flexibilität erhöht, aber unnötige Risken vermeidet“, fasst Studienleiter Markus Menz vom Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen zusammen. Die Herausforderung für CSOs liegt darin, die richtige Balance zu finden. (red.)


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