Steiermark: Kaspressknödel, Käferbohnensalat, Kachelöfen

Skiloser Zeitvertreib für die Kleinkinder auf der Reiteralm.
Skiloser Zeitvertreib für die Kleinkinder auf der Reiteralm.Brigitte Bonder
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Von der Piste direkt in die Hütte. Am Kamin, im Whirlpool aufwärmen, in der Sauna ausschwitzen oder in einer „Genusshütte“ feinen Blauburgunder glasweise schlürfen – das steirische Skigebiet im Ennstal hat aufgerüstet.

Direkt vor der großen Frontscheibe scheint der weiße Hang im Nichts zu verschwinden. Ein dichter Vorhang aus Schneeflocken tanzt vor der Fensterscheibe, der lange Scheibenwischer arbeitet unermüdlich. Die Ketten fressen sich in den frischen Schnee und ziehen die tonnenschwere Raupe scheinbar mühelos den Berg hinauf. Kräftige 530 Pferdestärken zaubert der Diesel hervor, und die sind auch nötig, um die steile Weltcupabfahrt der Reiteralm zu bezwingen.

Jeden Abend nach Liftschluss in einem Skigebiet, das als eines der ersten in die Saison startet, klettern zehn Pistenraupen die Hänge hinauf und hinunter, um alle Abfahrten für den nächsten Tag zu präparieren. Siggi Schrempf tritt ein letztes Mal auf den Knopf für den Scheibenwischer im Fußraum und parkt seinen Truck vor der Schnepf'n-Alm. Zeit für einen Kaffee, bevor es mit der Seilwinde auf die Finale Grande, die rasanteste Abfahrt des Berges, geht.

Im rustikalen Gastraum der Almhütte hockt er sich an die Bar, bestellt einen Verlängerten und streckt die Beine aus. Jeden Tag planiert er die gleichen Pisten, fährt die gleiche Route. „Bis alles fertig ist, kann es schon einmal Mitternacht werden.“ Der Hobbymusiker ist dennoch zufrieden mit seinem Job, plaudert mit dem Wirt und schaut neugierig in die Runde. In der Schnepf'n-Alm werden Spezialitäten aus der Steiermark serviert, Kaspressknödelsuppe und Käferbohnensalat kommen aus der Küche. Die Gäste stammen vorwiegend aus den Hütten nebenan. Rund um die historische Alm hat die Familie Keinprecht 22 neue Luxushütten mit Zirbenholzzimmern, Kachelöfen und einem eigenem Wellnessbereich direkt an die Piste gebaut. „Die Gäste schnallen morgens die Ski direkt vor der Hütte an“, sagt Tochter Viktoria Keinprecht. Abends schwingt man in der Almwelt Austria vor der Haustür ab, kocht sich einen Glühwein, heizt die Sauna auf oder entspannt im Whirlpool mit Blick auf den Dachstein, wenn sich der nicht gerade hinter ein paar Wolken versteckt.

Vier-Berge-Skischaukel

Schon im Oktober hat die Weltcupabfahrt geöffnet. „Die Topstars haben heuer parallel zum Publikumslauf trainiert – so nah kommt man den Rennläufern nur bei uns“, sagt Brigitte Trinker, Marketingleiterin der Reiteralm. Seit 1971 kümmern sich 95 örtliche Gesellschafter um das Skigebiet, 1989 erfolgte der Zusammenschluss zur Vier-Berge-Skischaukel mit dem Nachbarort Schladming, seit 2000 gehört das Gebiet zu Österreichs größtem Skiverbund Ski amadé. „Die Reiteralm wird künftig noch stärker auf Familien ausgerichtet“, sagt Brigitte Trinker. Direkt hinter der Almwelt Austria ist eine neue Kinderwelt mit Zauberteppich und Tierfiguren entstanden, der ortsansässige Skilehrer Markus Kargl bietet hier einen Skikindergarten ab zwei Jahren an.

Wer noch zu klein für die Skikurse des 30-Jährigen ist, versucht sich im betreuten Schneerutschen und Rodeln oder lässt sich auf dem schwarzen Luftband, dem Zauberteppich, bergauf ziehen. Seit fünf Jahren ist der Bauingenieur im Winter als Skilehrer unterwegs und leitet seit 2010 die Skischule Kargl in zweiter Generation, seine Schwester betreibt den Skiverleih an der Bergstation. Auf der Reiteralm gehören alle zu einer großen Familie.

„Die meisten Gäste verbringen nur noch vier Stunden am Tag auf den Brettern, weil es weder Wartezeiten noch lange Liftfahrten zur Erholung gibt.“ Christoph Eisinger von Ski amadé hat die Statistiken ausgewertet. Der Skiverbund verkauft neuerdings nicht nur Liftkarten, sondern auch Anschluss an die digitale Welt und Erlebnisse. An 300 Stationen gibt es freies WLAN auf der Piste, eine neue App ermöglicht die Navigation auf dem Berg. „In unseren ,Genusshütten‘ gibt es Topweine auch glasweise“, bewirbt Christoph Eisinger die neue Ski- und Weingenuss-Initiative. 20 Hütten seien schon zertifiziert, auch auf der Schnepf'n-Alm prosten sich an diesem kalten Winterabend die Hüttenbewohner mit Blauburgunder aus dem Burgenland zu. Für Sigi Schrempf ist es allerdings noch zu früh für den Rebensaft, er muss wieder hinaus, schlüpft in seine grell türkisfarbene Jacke und tritt ins Freie. Die Standheizung hat seine Pistenraupe warm gehalten, das Thermometer zeigt drin 24 Grad, draußen frostige minus zehn. Konzentriert lenkt Siggi Schrempf sein Monster über den Kamm an der Alm und planiert die Abfahrt hinab zur Finale Grande. (Brigitte Bonder)

AUFGUSS NACH DEM CARVEN

Infos: schladmingdachstein.at.

Almwelt Austria. 22 Hütten für zwei bis zwölf Personen mit Küche, Kaminofen, Sauna und Whirlpool auf 1200 m mit Blick auf den Dachstein. Hütte ab 222 €/Nacht. almwelt-austria.at

Skipass von Ski amadé. Tageskarte der Region Dachstein-Schladming inkl. Reiteralm ab 46 € für Erwachsene, 23 € für Kinder. Sechstageskarten ab 221,50 € (Kinder). Die Tour wurde von Almwelt Austria und Ski amade unterstützt. skiamade.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2013)

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