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Hypo Alpe Adria: Führungsvakuum beendet

Dr. Alexander Picker
Dr. Alexander PickerHypo Alpe-Adria-Bank Internation
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Der neue Vorstandschef hat umfangreiche Erfahrung mit Pleitebanken. Die Grünen wollen Aufklärung über Budgetfolgen.

Wien. Das Führungsvakuum in der notverstaatlichten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank (HAA) ist nach vier Monaten zu Ende: Das Institut, von dem böse Zungen behaupteten, es sei in den vergangenen Monaten in der Praxis nicht vom Restvorstand, sondern vom früheren Bawag-Staatsanwalt und aktuellem „Hypo-Koordinator“ Georg Krakow extern geführt worden, hat seit gestern, Freitag, einen neuen Vorstandschef. Alexander Picker (51), zuletzt Vorstand der HAA-Bosnien-Tochter, übernimmt nun das Konzernruder.

Der Aufsichtsrat der HAA teilte am Freitag mit, der „Banken- und Osteuropafachmann“ sei nach Abschluss eines öffentlichen Auswahlverfahrens für drei Jahre bestellt worden. Der Vorstand der HAA ist damit wieder vierköpfig. Pickers Vorgänger Gottwald Kranebitter, der im vergangenen August das Handtuch warf, hat übrigens auch einen neuen Job: Er wurde vorgestern zum Aufsichtsratschef der Wiener Privatbank bestellt.

Picker, der sein Amt am 1. Jänner 2014 antritt, hat Erfahrung mit Pleitebanken: Er war von 2007 bis 2010 Chef der damaligen UniCredit-Tochter ATF-Bank in Kasachstan. Das Kasachstan-Abenteuer bescherte der Bank Austria, die im UniCredit-Konzern dafür verantwortlich war, einen Verlust von zwei Milliarden Euro.

Der neue HAA-Chef bringt auch sehr viel Erfahrung in Süd- und Südosteuropa mit – dem Haupttätigkeitsfeld der notverstaatlichten Kärntner Bank. Er war 17 Jahre lang in Bankvorständen tätig, die meiste Zeit davon in Osteuropa. Beispielsweise in Polen, Russland und Serbien, wo er von 2004 und 2007 die dortige UniCredit-Tochter als Vorstandschef leitete. Für die Hypo Alpe Adria war er seit 2011 als Chef der jeweiligen Hypo-Tochter in Slowenien und Bosnien tätig. Picker spricht Russisch, Polnisch und Serbokroatisch.

Die Aufgabe, die ihn in Klagenfurt erwartet, hat Herkules-Dimensionen. Wie berichtet, haben die vielen Köche, die auf Eigentümerseite den Kochlöffel schwingen (Aufsichtsrat, Taskforce, Koordinator, Finanzministerium), noch immer kein klares Konzept für die Abwicklung der Bank vorgelegt. Favorisiert wird derzeit eine Bad-Bank-Lösung, die schon sehr lange im Gespräch ist, für die aber noch immer keine Beschlüsse vorliegen. Bisher gibt es noch nicht einmal ein öffentlich präsentiertes Konzept. Fest steht nur, dass die Hypo-Abwicklung am Ende fast elf Milliarden Euro gekostet haben wird (so viel hat das Finanzministerium jedenfalls als Rahmen nach Brüssel gemeldet).

In der Zwischenzeit sorgte auch noch eine vom Finanzministerium initiierte Studie des Consultingunternehmens Oliver Wyman für Aufregung, in der ein Konkurs der Bank als billigste Lösung dargestellt wird.

 

Fragen an Spindelegger

Die anhaltenden Wirren werden demnächst wohl auch den neuen Finanzminister Michael Spindelegger näher beschäftigen. Der grüne Abgeordnete Werner Kogler hat am Freitag jedenfalls einen umfangreichen Fragenkatalog an den Finanzminister formuliert. Darin will er von Spindelegger unter anderem wissen, wann der „Verstoß gegen die Bundesverfassung und das Bundeshaushaltsgesetz mit dem offenkundig falschen Ausweis der staatlichen Verpflichtungen für die Hypo beendet“ wird, wann es endlich eine verbindliche Entscheidung über die weitere Vorgangsweise gibt und warum das Wyman-Gutachten, in dem eine mögliche Insolvenz erörtert wird, unter Verschluss steht.

Außerdem verlangen die Grünen verbindliche Auskunft über die Auswirkungen, die eine Insolvenz auf Budgetdefizit und Staatsschuldenquote hätte. (ju/höll)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2013)