Die Aufregung um die hohen Gehälter in der Nationalbank ist unfair. Über die kleinen Portionen in der Betriebskantine redet keiner.
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as US-Magazin "Central Banking" hat festgestellt, dass die Oesterrei chische Nationalbank pro Mitarbeiter mehr als 180.000 Euro pro Jahr ausgibt. Das ist dreimal soviel, wie die Kollegen der US-Notenbank verdienen. "Stimmt nicht", sagen die österreichischen Notenbanker. Das Durchschnittsgehalt liege nur bei knapp 102.000 Euro. Also nicht einmal doppelt so hoch wie bei den Amerikanern. Was können die Notenbanker dafür, dass die US-Kollegen genauso wenig verdienen wie österreichische Durchschnittsbanker?
Schließlich sollte man schon bei der Wahrheit bleiben, und der Neid-Reflex ist ja bekanntlich ein Hund. So schnell kann man gar nicht schauen, wird aus der Oesterreichischen Nationalbank ein Reich der goldenen Nasen, ein Hort der Privilegienritter gar. Dabei sind die fetten Jahre auch in der Nationalbank vorbei. Die Portionen in der Betriebskantine sind bei weitem nicht mehr so groß wie noch vor Jahren, und die Sportanlage in Strebersdorf mit Tennisplätzen, Swimmingpool und so weiter ist längst nicht so feudal wie das ÖBB-Sportzentrum hinter der Wiener UNO-City. Heutzutage haben also schon die Eisenbahner schönere Tennisplätze. Und trotzdem gehen dort angeblich 1000 Leute spazieren, anstatt wenigstens Sport zu betreiben.
Und so lustig sind konkurrenzlose Gehälter auch wieder nicht. Wer kann es sich da schon leisten zur Konkurrenz, sprich zu einer herkömmlichen Bank, zu wechseln? (Bericht: Seite 17)