Erdbeben

Wirtschaftsminister Kocher sagt Reise nach Marokko ab

Der Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) wollte auf der Reise ein Abkommen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen österreichischer Unternehmen in Marokko finalisieren.
Der Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) wollte auf der Reise ein Abkommen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen österreichischer Unternehmen in Marokko finalisieren. Die Presse/Clemens Fabry
  • Drucken

Die Delegation wollte die Handelsbeziehungen mit dem nordafrikanischen Land vertiefen. Zugleich sollte im Rahmen der Reise die Bekanntheit der Rot-Weiß-Rot-Karte zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte gestärkt werden.

Wien. Eigentlich sollte Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) heute zu einer dreitätigen Reise nach Marokko aufbrechen. Er wollte – gemeinsam mit einer Delegation der Wirtschaftskammer und Vertretern von mehr als 20 Unternehmen – die Wirtschaftsbeziehungen in das nordafrikanische Land vertiefen. Die Reise wurde verschoben, ein neuer Termin ist noch nicht festgesetzt.

Es wäre aber nicht das erste Mal, dass die Regierungsspitzen nach Nordafrika reisen, um wirtschaftliche Themen voranzutreiben. Drehen sollte sich der Besuch nämlich vor allem um etwaige Kooperationen in den Bereichen Energie, Wasserstoff und grüne Technologie. Unter anderem standen Treffen mit Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Fettah Alaoui, Industrie- und Handelsminister Ryad Mezzour, Investitionsminister Mohcine Jazouli sowie Energieministerin Leila Benali auf dem Plan. Denn Nordafrika – insbesondere Marokko, Tunesien und Ägypten – dürfte der mit Abstand größte Lieferant von grünem Wasserstoff für Europa werden.

Österreichische Firmen in Marokko

In Marokko sind laut Ministerium derzeit 85 österreichische Unternehmen aktiv, darunter mehr als ein Dutzend mit eigenen Niederlassungen oder Produktionsstätten. Die wirtschaftliche Präsenz wurde zuletzt ausgebaut: 2022 erreichten die Direktinvestitionen mit 164,6 Millionen Euro einen Höchststand. Wie aus dem Marokko-Bericht der WKO-Außenwirtschaft vom April hervorgeht, sind auch die Warenausfuhren nach Marokko sowie die Importe nach Österreich in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Generell entwickelte sich das Land jüngst zu einem wichtigen Standort für die europäische Industrie.

„Die geografische Nähe, die gut ausgebaute Infrastruktur, die politische Stabilität und auch das Vorhandensein von qualifizierten und motivierten jungen Arbeitskräften haben zur Ansiedelung vor allem der europäischen Automotive-, aber auch Textilindustrie geführt“, heißt es im WKO-Bericht. Demnach befindet sich auch der Tourismus im Aufwind. Der Wirtschaftsminister will deshalb ein Abkommen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für österreichische Firmen in Marokko finalisieren.  

Rot-Weiß-Rot-Karte

Gleichzeitig sollte während der Reise von Martin Kocher und seiner Wirtschaftsdelegation auch die Bekanntheit der Rot-Weiß-Rot-Karte erhöht werden. Um den heimischen Mangel an Fachkräften zu bekämpfen, wird auf die gezielte Anwerbung im Ausland gesetzt. Der Zugang zur Rot-Weiß-Rot-Karte orientiert sich an einem Punktesystem, in dem Qualifikation, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und Alter bewertet werden.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Reformen, um den Zugang zu erleichtern. So gibt es etwa nun auch Extrapunkte für bestimmte Sprachen. Denn hierzulande klagen zahlreiche Betriebe in verschiedenen Branchen seit längerer Zeit über akute Personalknappheit. Ende Juli 2023 waren laut dem Wirtschafts- und Arbeitsministerium 423 Rot-Weiß-Rot-Karten für marokkanische Arbeitskräfte in Österreich aktiv.  

In Zahlen

85 Unternehmen aus Österreich sind in Marokko aktiv. 2022 erreichten die Direktinvestitionen mit 164,6 Millionen Euro einen Höchststand.

423 Rot-Weiß-Rot-Karten waren per Ende Juli 2023 für marokkanische Arbeitskräfte in Österreich ausgegeben.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.