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Alles rechtens beim Goldpreis?

(c) REUTERS (ARND WIEGMANN)
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An der Ermittlung des Goldpreises sind nur wenige Banken beteiligt. Einige Institute könnten sich hier einen Vorteil verschaffen, sagt Rohstoffanalyst Dimitri Speck.

Wien. Die Manipulation von Zinssätzen stand jahrelang mehr oder weniger auf der Tagesordnung. Doch an die Öffentlichkeit ist der Skandal erst viel später gelangt. Nun steht im Raum, dass einige Geldhäuser auch Gold- und Silbermärkte zu ihren Gunsten beeinflusst hätten.

Schon vor Wochen haben einige Aufsichtsbehörden damit begonnen, den Goldmarkt unter die Lupe zu nehmen. „Die Untersuchungen laufen seit einigen Monaten“, erklärte ein Sprecher der deutschen Finanzaufsicht Bafin bereits Ende November. Sorgen bereitet den Aufsehern vor allem der Prozess der Goldpreisbildung, da er einigen Marktteilnehmern einen unfairen Vorteil verschaffen könnte.

Der Preisbildungsmechanismus für Gold, auch Fixing genannt, wird zweimal an jedem Handelstag von fünf Banken und einigen ausgewählten Kunden in einer Telefonkonferenz festgelegt. Dieses Verfahren kann nach wenigen Minuten beendet sein, manchmal aber auch über eine Stunde in Anspruch nehmen.

Der festgelegte Preis dient dann etwa Bergbaugesellschaften, Juwelieren oder auch Zentralbanken als Bezugswert für Kauf- und Verkaufspreise. Die Silberfixings funktionieren ähnlich. Hier haben allerdings nur drei Banken ihre Finger im Spiel. Während der Goldpreis von Deutscher Bank, Barclays, Bank of Nova Scotia, HSBC Bank USA und Société Générale ermittelt wird, legen den Silberpreis nur Deutsche Bank, Bank of Nova Scotia und HSBC Bank USA fest.

Diese direkte Kommunikation könnte Absprachen möglich machen. Der Rohstoffanalyst Dimitri Speck hat sich im Rahmen seines Buches „The Gold Cartel“ angesehen, wie sich der Goldpreis zur Zeit des Fixings verändert, und dafür Daten der Jahre 1993 bis 2012 ausgewertet. Speck stellte im Zuge der Untersuchung fest, dass der Kassapreis von Gold dazu neigt, um die Zeit des Londoner Abendfixings herum stark zu fallen.

Ein ähnlicher, wenn auch weniger ausgeprägter Preisrückgang erfolgt um die Zeit des Londoner Morgenfixings. Dieselben täglichen Preisrückgänge kann man bei den Silberpreisen zwischen den Jahren 1998 und 2012 beobachten. Zu anderen Tageszeiten gab es bei beiden Edelmetallen keine vergleichbaren Preisveränderungen, wie Speck schreibt.

Diese Muster würden daher auf Manipulationen an beiden Märkten schließen lassen. Speck plädiert daher für eine unabhängige Institution, die den Prozess der Preisbildung künftig beobachten soll.

 

Libor: Strafe für Banken

Erst kürzlich sind einige Banken für die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor verurteilt worden. Die EU-Kommission hat Anfang Dezember eine Strafe von 1,7 Mrd. Euro verhängt. Mitarbeiter zahlreicher Banken sollen sich im kleinen Kreis abgesprochen und Zinsen beeinflusst haben. Allein das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank, fasste eine Bußgeldzahlung von rund 725 Mio. Euro aus. (Bloomberg/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2013)