Wenn Terror zur Normalität wird

Der Westen hat weitaus größere moralische Abwehrkräfte, als es die fanatische Kampfideologie der al-Qaida wahrhaben will.

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st es Zufall, oder steckt Methode da hinter? Immer höher wird die Schlag zahl der Terroristen. In erschreckend kurzen Abständen folgt ein Anschlag auf den anderen. Erst London, dann fast wieder London, jetzt Sharm el-Sheikh. Es scheint fast so, als wollten die radikalen Dschihadisten dem Westen in einer konzertierten Aktion Stärke demonstrieren. Die Botschaft, die sich aus dieser Partitur herauslesen ließe: "Ihr könnt euch schützen, wie ihr wollt, es wird immer Orte geben, an denen wir euch erwischen."

Bedrückender und vermutlich auch zutreffender ist jedoch die Analyse, dass es gar keinen Dirigenten hinter dem Stakkato des Terrors gibt. Dass sich jugendliche Fanatiker, infiziert vom grassierenden radikal-islamistischen Todeskult, aus freien Stücken zusammenfinden und Bomben zünden. Erschütternd ist in diesem Zusammenhang, dass jeder vierte Moslem in Großbritannien Verständnis für die Selbstmordattentate vom 7. Juli aufbringt. Denn dieses grundsätzliche Verständnis ist der Nährboden, auf dem Terror gedeihen kann.

Die Kampfideologie der al-Qaida baut auf dem Gedanken auf, dass der Westen moralisch ausgehöhlt sei und deshalb zurückweichen wird. Das ist ein Irrglaube, wie ein Blick auf die Reaktionen der letzten Tage zeigt. Denn Europa ist in der Lage, Anschläge erstaunlich schnell zu verarbeiten. Möglich, dass sich Reisegewohnheiten kurzfristig ändern, langfristig jedoch nicht. Auf Djerba tummeln sich ebenso wieder Touristen wie auf Bali. Das ist die Botschaft Europas: Das Leben geht weiter, auch wenn der Terror zur Normalität wird. (Bericht: S. 1 bis 3)

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