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Eurozone: Nach zwei Jahren Minus kehrt das Wachstum zurück

(c) REUTERS (TONY GENTILE)
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Die EZB ist in einem Dilemma: Niedrige Zinsen sollen die Wirtschaft ankurbeln, bergen aber auch Gefahren.

Wien. Das Schlimmste ist ausgestanden: Nächstes Jahr sollen die meisten Länder der Eurozone (ausgenommen Zypern und Slowenien) wieder ein Wirtschaftswachstum verzeichnen, wie aus Schätzungen des EU-Statistikamts Eurostat hervorgeht. In Summe soll die Wirtschaft der 17 Staaten (im Jänner kommt Lettland als 18. Mitglied dazu) dann um 1,1Prozent wachsen. Heuer wird die Wirtschaft der Eurozone noch um 0,4 Prozent schrumpfen, im Vorjahr betrug das Minus 0,7Prozent. Zuletzt mehrten sich aber die positiven Vorzeichen: Sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch die Barometer für das Verbrauchervertrauen zeigten nach oben.

Um der schwachen Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzinssatz kürzlich auf rekordniedrige 0,25 Prozent gesenkt. Dennoch ist es der Notenbank bis dato kaum gelungen, Inflation zu generieren. Die Inflationsrate in der Eurozone betrug im November 0,9 Prozent. Der Zielwert der EZB liegt bei knapp unter zwei Prozent. Die niedrige Teuerungsrate erschwert es den Staaten, sich via Inflation langsam zu entschulden, sie macht es zudem attraktiver, sich neu zu verschulden. In der hohen Staatsverschuldung sehen Experten einen der größten Hemmschuhe für eine Wirtschaftserholung. Zuletzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der Europäischen Union von AAA auf AA+ gesenkt. Eine Begründung lautete, dass sich der Zusammenhalt zwischen den Mitgliedstaaten verringert hätte. Tatsächlich befindet sich die EZB in einem Dilemma, weil die Wirtschaft der einzelnen Mitglieder unterschiedlich stark wächst. Während die deutsche Wirtschaft heuer um 0,5 und nächstes Jahr um 1,7 Prozent wachsen soll, schrumpfte die griechische Wirtschaft heuer um vier, die italienische um 1,8 und die spanische um 1,3 Prozent. Frühstens 2014 sollen diese Länder ein kleines Wachstum schaffen. Während letztere Länder von der Niedrigzinspolitik am stärksten profitieren, zeigen sich in Deutschland vereinzelt bereits Überhitzungstendenzen, etwa auf dem Immobilienmarkt.

 

Weidmann warnt vor niedrigen Zinsen

Die Kritiker einer allzu lockeren Geldpolitik kommen nicht zuletzt deswegen häufig aus Deutschland. Einer ist Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank: Momentan sei die Inflationsgefahr zwar gering, ein geringer Preisdruck dürfe aber kein Freibrief für beliebige geldpolitische Lockerungen sein, warnte er in der „Bild“-Zeitung vom Freitag. „Wir müssen darauf achten, die Zinsen wieder rechtzeitig anzuheben, sollte sich Inflationsdruck aufbauen.“ (ag./b.l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2013)