Let's make money: Rückblick

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Warum die Top-Performer der vergangenen fünf Jahre für weitere Gewinne gut sind und Öko-Aktiendie »Charts« dominieren.

Überraschend gut ist das zu Ende gehende Jahr an den Börsen gelaufen. Die zum Jahresende üblichen Rückblicke fallen heuer also eher euphorisch aus. Gestandene Börsianer haben dafür freilich nur einen gelangweilten Blick übrig. Sie wissen: Aktiengeschäfte sind eine Wette auf die Zukunft, aus der Vergangenheit lassen sich nur sehr begrenzt Schlüsse für die weitere Entwicklung ziehen.

Allerdings: Aktien, die über längere Zeit überdurchschnittlich performen, haben sehr oft durchaus das Zeug in sich, den Schwung noch eine Zeit lang durchzuhalten. Und Schnäppchen lassen sich auch immer wieder finden. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sagt für sich allein zwar noch nicht viel. Wenn sich zum niedrigen KGV aber eine beeindruckende Performance in den letzten Wochen und Monaten gesellt, dann kann man es durchaus mit einer „Perle“ zu tun haben: Dann hat es wohl einen beeindruckenden Turnaround gegeben, der von der Masse noch nicht richtig bemerkt wurde. Jedenfalls wächst aber der Gewinn schneller als der Kurs. So etwas ist immer einen näheren Blick wert.

Statt der üblichen Einzelbesprechungen haben wir diesmal also das Aktienuniversum über einen „Screener“ laufen lassen. Im gegenständlichen Fall über den der österreichischen Softwarefirma Teletrader, mit dem sich jeder auf der Website www.teletrader.com „spielen“ kann. Die Ergebnisse waren (siehe Grafik) durchaus beeindruckend. Sie zeigen, dass man mit der richtigen Aktienwahl richtig fett verdienen kann. Und dass sich unter den globalen Top-Performern durchaus auch das eine oder andere österreichische Unternehmen finden lässt. Dass sich unter den weltbesten Aktien zahlreiche Papiere finden, die an dieser Stelle im abgelaufenen Jahr empfohlen wurden, sei am Rande ebenfalls erwähnt.

Man sieht an den Ergebnissen unter anderem auch, wie profitabel es sein kann, sich auf dem Höhepunkt einer Krise, wenn alles aus Aktien flüchtet, in den Markt einzukaufen: Wer zum Höhepunkt der Krise eingestiegen wäre, hätte in den vergangenen fünf Jahren mit einer ganzen Reihe von Papieren eine Vermögensvermehrung von mehr als tausend Prozent zustande gebracht. Unter anderem mit einer (allerdings in Frankfurt notierenden) österreichischen Aktie: C.A.T. Oil(ISIN AT0000A00Y78) hat fünfstellig zugelegt– und gehörte auch im abgelaufenen Jahr mit mehr als 200 Prozent Kursgewinn zu den absoluten Top-Performern. C.A.T. Oil gehört zu den „Presse am Sonntag“-Empfehlungen dieses Jahres ebenso wie Cancom(ISIN DE0005419105), Netflix(ISIN US64110L1061) und 3D Systems(ISIN US88554D2053). All diese Papiere haben in den vergangenen fünf Jahren prozentuell vierstellig zugelegt – und im abgelaufenen Jahr dreistellig.

Bei einigen von ihnen ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: 3D Systems etwa, im Zukunftssegment 3-D-Druck tätig, erlebt im Augenblick gerade wieder einen prächtigen Kursschub und hat nach Ansicht von Analysten noch viel Potenzial.

Auch die anderen genannten Fünfjahres-Top-Performer zeigen noch keine Ermüdungstendenzen. Ein bisschen weit gelaufen scheint allerdings der Online-Videoanbieter Netflix zu sein: Bei einem KGV jenseits der 1200 sieht die Angelegenheit schon ziemlich nach Blase aus. Theoretisch bedeutet das ja, dass (auf aktuellem Niveau) der Gewinn der nächsten 1200 Jahre im Kurs bereits enthalten ist. Der Gewinn müsste also ganz gewaltig steigen, um nur den aktuellen Kurs zu rechtfertigen. Das sieht ein bisschen heiß aus.

Es gibt aber auch eine Reihe von Papieren, die zu Jahresbeginn schwer unterbewertet waren und so trotz enormer Kurssteigerungen bezogen auf das KGV noch sehr günstig bewertet sind (siehe Grafik „Schnäppchen“). Hier hat es eine offenbar ein bisschen im Schatten stehende österreichische Turnaround-Aktie ganz knapp nicht unter die Top Ten geschafft: Die in Wien notierende Warimpex(ISIN AT0000827209) bringt es trotz des Plus von fast 90 Prozent in diesem Jahr auf ein ziemlich moderates KGV. In dieser Liste findet sich noch eine „Presse am Sonntag“-Empfehlung (Aurelius,ISIN DE000A0JK2A) und eine offenbar unterbewertete Internet-Aktie: Yahoo(ISIN US9843321061) hat im Schatten der glamouröseren Techs heuer mehr als 100 Prozent Kursgewinn „gemacht“, ist mit einem deutlich unter dem Nasdaq-Schnitt liegenden KGV aber offenbar trotzdem noch günstig zu haben.

Interessant ist auch die Liste der Bestperformer dieses Jahres: Da dominieren Amerikaner und in den USA notierende Chinesen. Mit der dänischen Vestas Wind(ISIN DK0010268606) und der spanischen Gamesa Corporacion Technologica(ISIN ES0143416115) haben sich nur zwei Europäer in die Top Ten verirrt.

Und: Die Topaktien dieses Jahres (siehe Grafik) sind in sehr hohem Maß Wetten auf die Zukunft neuer Technologien: Unter den besten sechs finden sich vier Solarzellenhersteller, der Windkraftanlagenhersteller Vestas und der Elektroautoproduzent Tesla (ISIN US88160R1014). Noch etwas haben die ersten sechs gemeinsam: Mangels „G“, nämlich Gewinn, verfügen sie über kein KGV. Die hohen Kurssteigerungen (bis fast 800 Prozent in einem Jahr) basieren also auf der Annahme, dass sich die zugrunde liegenden Technologien durchsetzen und den Unternehmen irgendwann entsprechende Gewinnschübe verschaffen werden. Das kann auch danebengehen. Die meisten dieser Aktien bewegen sich auch ausgesprochen volatil nach oben. Sie sind also eher etwas für routinierte und nervenstarke Anleger. Jedenfalls nichts für Anleger alter Schule, die nur ein Mal im Jahr ins Depot schauen.

Die Plätze eins und drei, Canadian Solar(ISIN CA1366351098) und Jinko Solar(ISIN US47759T1007), sind im Lauf dieses Jahres an dieser Stelle übrigens mehrfach empfohlen worden. Sie sind auch nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Monate noch attraktiv.

Beide Papiere notieren in den USA, die Produktionsstätten liegen aber in China. Und beide Unternehmen dürften zu den Überlebenden des globalen Gemetzels in der Solarbranche, das die deutschen Hersteller so schwer getroffen hat, gehören. Jinko Solar ist der derzeit einzige Solarzellenhersteller, der seine Kostenstruktur so weit im Griff hat, dass er die Gewinnschwelle überschreitet. Hier gehen die Analysten von Kurszielen zwischen 39 und 70Dollar aus – bei einem aktuellen Kurs von knapp unter 30.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2013)

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