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Russland: Mindestens 18 Tote bei Anschlag in Wolgograd

Ein Mitarbeiter des Innenministeriums vor dem Tatort in Wolgograd
Innerhalb von zwei Monaten sprengten sich in Wolgograd zwei Selbstmordattentäterinnen in die Luft.REUTERS
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Eine Selbstmordattentäterin sprengte sich im Bahnhof der südrussischen Stadt Wolgograd in die Luft. Das Gebäude war wegen der Feiertage voller Reisender.

Im Bahnhof der russischen Stadt Wolgograd hat eine Selbstmordattentäterin am Sonntag mindestens 17 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Frau zündete bei den Metalldetektoren am Eingang der Station einen Sprengsatz, berichten die Behörden. Über 50 Menschen wurden verletzt.

Die Bombe wurde um 12.45 Uhr Ortszeit (9.45 Uhr MEZ) gezündet, als die größte Bahnstation der südrussischen Stadt wegen der Feiertage voller Reisender war. "Die Explosion war gewaltig", sagte die Augenzeugin Valentina Petritschenko dem Sender Westi 24. Viele Menschen seien in Panik losgerannt, andere seien durch die Wucht der Detonation zurückgeschleudert worden. Das Staatsfernsehen zeigte zersplitterte Fensterscheiben am Bahnhofsgebäude, und vor dem Eingang standen zwischen Schuttbergen und Schneemassen zahlreiche Rettungswagen.

Das Nationale Anti-Terror-Komitee erklärte, erste Indizien wiesen auf eine Selbstmordattentäterin hin. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte einen örtlichen Regierungssprecher, der die Zahl der Toten mit 18 und die Zahl der Verletzten mit mehr als 40 angab. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums sprach im Fernsehen von mehr als 50 Verletzten. Der russische Präsident Wladimir Putin wies laut einem Sprecher die Sicherheitsbehörden an, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

Extremisten wollen Winterspiele verhindern

Wolgograd, das frühere Zarizyn bzw. Stalingrad, war im Oktober bereits Ziel eines Attentats: Dabei waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus sechs Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt worden. Als Attentäterin machten die Behörden eine sogenannte "Schwarze Witwe" aus, die Frau eines radikalislamischen Extremisten aus der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus.

Die Stadt Wolgograd liegt in der Nähe der unruhigen Nordkaukasusregion. Knapp 700 Kilometer südwestlich von Wolgograd liegt der Badeort Sotschi, wo am 7. Februar die Olympischen Winterspiele beginnen. Bereits nach dem Attentat im Oktober waren Zweifel an der ausreichenden Sicherheit rund um das Großereignis laut geworden. Der tschetschenische Islamistenführer Doku Umarow hatte Anfang Juli zu neuen Anschlägen aufgerufen. Ziel sei es, die Winterspiele zu verhindern, hatte er erklärt.

''Schwarze Witwen''

Selbstmord-Attentäterinnen aus Tschetschenien oder Dagestan werden "Schwarze Witwen" genannt. Viele von ihnen handelten aus Rache, weil ihre Ehemänner, Väter oder Brüder von Russen verschleppt und getötet wurden.

Die Moskauer Journalistin Julia Jusik widmet sich in ihrem Buch "Die Bräute Allahs" dem Thema. Sie schreibt, dass manche dieser Frauen sich gar nicht in die Luft sprengen wollen. Sie werden zumeist von verwandten Männern für diese Tat angeworben. Viele Bomben am Körper der Frauen werden ferngezündet. Das kaukasische Sittengesetz (Adat) sieht eine Rolle der Frau als Rächerin nicht vor.

(APA/AFP/dpa/Reuters)