Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

„Land of the Free“ gibt das Kiffen frei

Grower Steve Jenkins checks out his marijuana plants at the Botanacare marijuana store ahead of their grand opening on New Year´s day in Northglenn, Colorado
Grower Steve Jenkins checks out his marijuana plants at the Botanacare marijuana store ahead of their grand opening on New Year´s day in Northglenn, Colorado(c) REUTERS (RICK WILKING)
  • Drucken

In den Bundesstaaten Colorado und Washington sind Anbau, Konsum und Handel mit Cannabisprodukten seit dem Jahreswechsel legal. Die historische „Grüne Revolution“ dürfte auch andere US-Staaten erfassen.

Denver. Für jenen Staat, der einst federführend mitwirkte, dass die Kulturpflanze Hanf (Cannabis) weltweit verboten, ja verteufelt wurde, ist das eine Revolution: In den Staaten Colorado und Washington dürfen Bürger über 21 Jahre seit Jahreswechsel Marihuana (Blüten und Blätter von berauschendem Cannabis) anbauen, kaufen und konsumieren – auch, wenn es nicht medizinischen Zwecken dienen soll: Dafür ist es schon jetzt in rund 20 US-Staaten legal.

Cannabis-Aktivisten feierten die Wende zum 1. Jänner etwa in Denver, Aspen und anderen Städten mit öffentlichen Rauchpartys, bei denen sie Joints oder Bongs (wasserpfeifenartige Gefäße) entzündeten, obwohl öffentliches Kiffen nicht gestattet ist. In Colorado öffneten erste Geschäfte mit Lizenz zum Marihuanaverkauf. In Washington wird das noch dauern, weil die Behörden die rund 2500 Anträge auf Lizenzen noch bearbeiten. In beiden Fällen hatten die Bürger für die Legalisierung gestimmt. „Endlich bekommt das eine Chance“, sagte Philip Hand (23) aus Denver, der Marihuanakekse vertreibt. „Das wird es einfacher machen, ein rechtmäßiges Gewerbe zu betreiben.“ Experten glauben, dass weitere US-Staaten, etwa Kalifornien, folgen. Auf Bundesebene bleibt Cannabis illegal; Colorado und Washington rechnen nun mit Marihuana-Touristen. Die Bundesregierung deutet an, dass sie nicht eingreifen werde, solange Jugendliche nicht an Marihuana kommen und der Export unterbleibt. Bürger Colorados dürfen 28Gramm pro Geschäftsbesuch kaufen, andere US-Bürger sieben Gramm.

Laut Umfragen befürworten die meisten Amerikaner die Legalisierung, die zudem Steuern generiert. Das legale Geschäft mit Anbau und Verkauf bzw. der Zubehörhandel boomen in den USA und soll 2014 um 64 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro wachsen. Kritiker fürchten, junge Leute könnten einen falschen Eindruck von Cannabis gewinnen und die gesundheitlichen Langzeitfolgen verharmlosen.

 

Opfer von Dämonisierung

Marihuana und Haschisch (Harz aus den Blüten von Hanfsorten, die viel vom berauschenden Stoff THC enthalten) waren bis ins 20.Jahrhundert weltweit legal und kein Thema. In den 1920ern begann Ägypten dagegen zu wettern; ernst wurde es, als in den 1930ern die US-Konzerne Hearst Corporation (Medien) und DuPont (Chemie) eine Lobbyingkampagne lostraten. Marihuana wurde als Droge der Verbrecher, Mexikaner und Afroamerikaner dargestellt; der DuPont-Konzern, der auch im Papier- und Baumwollgeschäft tätig war, fürchtete Hanf als Konkurrenz für Holz, Baumwolle und Kunstfasern.

Nach 1945 wurde Cannabis durch Verträge im Rahmen der UN weitgehend illegalisiert. (APA/DPA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2014)