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"Herz von Österreich": Heimatgefühle und Cordoba

(c) Puls 4/Harald Lachner
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Am Freitagabend strahlte Puls 4 die erste Ausgabe der neuen Musikshow aus. Die sogenannten "Magic Moments", ob auf Hochdeutsch oder im Dialekt, blieben aus.

Das "Hoamatgfühl" wird derzeit nicht nur in der Werbung herbeigesehnt. Auch Schlagersänger der Sorte Andreas Gabalier scheinen mit ihrer zeitgenössischen Volkstümlichkeit den Nerv des heimischen Mainstreams getroffen zu haben. So ist es nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen der neuen Puls4-Castingsendung "Herz von Österreich" den sogenanten Volks-Rocknroller in die erste Ausgabe einbauten. Auf den Jury-Sesseln nahmen andere Platz: Austropop-Urgestein Stefanie Werger, Lukas Plöchl (eine Hälfte der in Baku gescheiterten Trackshittaz) und Aprés-Ski-Hit-Garant Dj Ötzi ("Hey Baby"). Das Trio bewertete am Freitagabend mittels Herzen die erste Tranche der Kandidatenschar und deren deutschsprachige Darbietungen.

"Wennst es net spürst, spürst es net"

Auch wenn diese durchwegs als "super" attribuiert wurden, waren sich die Juroren mitunter uneinig. Etwa als Werger die gar zu deutsch-deutsche Interpretation eines Kandidaten (des jungen Sängers J-Kobe) missfiel: "Er singt ka österreichisches Hochdeitsch". Die Sängerin, die Mitte der 1980er mit Hits wie "Stoak wie a Felsen" ihre Glanzzeiten erlebte, gab zum Auftakt des Formats den Ton an. Plattitüden waren dennoch Trumpf: "Wennst es net spürst, spürst es net" (Werger) oder "Herzen hat jeder Mensch eigentlich nur ans" (Plöchl).

Dj Ötzi strapazierte die sogenannten "Magic Moments", die er nur bei Kandidatin Fräulein Laut erlebte. Die Sängerin kam genauso eine Runde weiter wie der junge J-Kobe und ein Kandidat namens Spanner, der Matthias Reims Singstar-Hit "Verdammt ich lieb' dich" im Dialekt darbot.

Ein derzeit inflationär gebrauchter Begriff fehlte im Vokabular der "Herz von Österreich"-Juroren: Momentum. Dieses konnte der Privatsender, der zuletzt mit der politischen Berichterstattung vor den Nationalratswahlen und American-Football-Übertragungen punktete, nicht nutzen, und das obwohl der Mitwerber ORF mit seiner "großen Chance" die Latte ohnehin nicht besonders hoch setzte. Die dem Puls 4-Format immanenten Austropop-Ausgrabungen erinnern an die Cordoba-Legende, die inszenierte Volkstümlichkeit ist angesichts des anhaltenden Gabalier-Erfolges zwar wirtschaftlich nachvollziehbar aber regressiv.