Schnellauswahl

Was Österreichs Krieg erst zum Weltkrieg machte

(c) Archiv
  • Drucken

Der Erste Weltkrieg beschränkte sich nicht auf Nordostfrankreich, Galizien und die Dolomiten. Außereuropäische Schlachtfelder und die Teilnahme außereuropäischer Mächte machten ihn erst zum globalen Massensterben.

Ypern, Verdun, Tannenberg, Galizien, Dolomiten, Isonzo, Serbien, Skagerrak: Der Erste Weltkrieg wird meist mit Orten und Gebieten in Europa assoziiert – aber nur von kurzsichtigen Europäern. Die anfangs österreichisch-serbische Krise wird erst durch Kriegsgebiete abseits Europas und Teilnahme außereuropäischer Länder zum Weltkrieg.

Für diese Schauplätze und Länder (s. Karte) hat der Krieg oft enorme sozioökonomische und politische Folgen: Neue Mächte werden geformt, Unabhängigkeitsbewegungen gefördert, Keime künftiger Kriege gelegt. Manch junger Staat findet im Blutbad zu seiner Identität. Hier ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

1 Vereinigte Staaten: Der Krieg als zweiter Schritt zur Weltmacht

Die USA hatten sich durch das Vordringen im Pazifik im 19. Jahrhundert, die Annexion Hawaiis, Eroberung der Philippinen und Kubas von Spanien 1898 und die Dominanz über Mittelamerika zur Regionalmacht gemausert. 1914 besitzen sie nach Großbritannien und Deutschland die drittgrößte Flotte.

Präsident Woodrow Wilson (1913–21) will sein Land 1914 neutral halten, doch steigt die antideutsche Stimmung, als im Mai 1915 ein deutsches U-Boot den britischen Dampfer Lusitania versenkt, wobei auch 128 teils sehr reiche US-Bürger sterben. Als Berlin Anfang 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärt und Mexikos Präsidenten Venustiano Carranza für einen Angriff auf die USA gewinnen will, ziehen diese in den Krieg. Ab Sommer 1917 strömen Truppen nach Europa, bis Herbst 1918 mehr als zwei Millionen Mann, wovon über 600.000 ins Gefecht ziehen und die Lage für die Alliierten retten. Mit Warenlieferungen werden die USA auch zum größten Gläubiger der europäischen Sieger.

53.000 Amerikaner fallen, 63.000 sterben abseits der Kämpfe. Auf Wilsons Initiative entsteht der Völkerbund, aber bald fallen die USA, jedenfalls hinsichtlich Europas, in Isolationismus zurück, vernachlässigen Heer und Luftwaffe. Die US-Marine allerdings wird bis 1939 zur zweitgrößten der Welt.

 

2 Südamerika: Von Seeschlachten und neuer Aufmerksamkeit Europas

Südamerika bleibt vom Krieg verschont, von Attacken deutscher U-Boote auf alliierte Schiffe vor der Küste abgesehen. 1914 finden hier indes die größten Seegefechte fernab Europas statt: Fünf Kreuzer des deutschen Ostasien-Geschwaders von Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee, das nach Europa will, treffen am 1. November 1914 vor Coronel (Südchile) auf eine kleine Flottille des britischen Admirals Christopher Cradock. Zwei Briten-Kreuzer sinken, Cradock fällt; an der ersten Niederlage der Royal Navy seit 1812 ist Marineminister Winston Churchill mit schuld, der zu schwache Schiffe vorgeschickt hatte. Im Dezember läuft das Geschwader vor den Falklandinseln stärkeren Navy-Schiffen vor die Rohre und wird bis auf die „Dresden“ versenkt, die flieht nach Chile und versenkt sich. Die Crew wird interniert; darunter ist Wilhelm Canaris, ab 1935 Chef des deutschen Militärgeheimdienstes, 1945 von den Nazis gehenkt.

Brasilien war als Rohstofflieferant für die Alliierten wichtig. Präsident Venceslau Brás erklärt im Oktober 1917 den Mittelmächten den Krieg, da U-Boote brasilianische Schiffe torpediert hatten. Die Stimmung ist gegen Deutschland, deutsche Immigranten werden attackiert, der deutschstämmige Außenminister Lauro Müller muss abtreten. Als einziges Land Lateinamerikas zieht es in den Krieg: Schiffe versenken mindestens ein U-Boot, Sommer 1918 fährt eine Flotte nach Europa. Piloten fliegen englische Flugzeuge, Heeresoffiziere werden in französische Einheiten integriert. Einer davon, Leutnant José Pessoa Cavalcanti de Albuquerque (1885-1959) wird als Panzerkommandant ausgezeichnet; er steigt zum Marschall auf, reformiert Brasiliens Heer und mischt bei der Gründung des Ölkonzerns „Petrobras“ und der Hauptstadt Brasilia mit.

Südamerikas junge Staaten rücken im Zug des Kriegs ins Blickfeld Europas und werden verstärkt für Auswanderer attraktiv, etwa für Deutsche, Bürger der Ex-k.u.k.-Monarchie und Italiener.

3 Afrika: Schwarze Krieger für die Kolonialkriege der Weißen

In Afrika hat Deutschland seit den 1880ern vier Kolonien. Sie werden 1914 nur von bescheidenen Kräften gesichert. Togo (1500 Mann Polizei, davon 200 Deutsche) wird bis 27. August von Kolonialtruppen der Briten und Franzosen ohne große Kämpfe besetzt. Anderswo stehen größere „Schutztruppen“, Land und Klima machen auch starken Angreifern zu schaffen: In Kamerun (8000 Mann, meist Askaris, das sind zähe schwarze Söldner) hält die Schutztruppe gegen 30.000 Soldaten der Franzosen, Briten und Belgier bis Jänner 1916 aus und flieht ins neutrale Spanisch-Guinea. In Deutsch-Südwestafrika (Namibia) stemmen sich rund 2000 deutsche Soldaten zuzüglich 3000 lokaler Reservisten bis Juli 1915 gegen 50.000 bis 100.000 Südafrikaner, die oft ungern gegen Deutsche kämpfen, und ziehen zu Strafexpeditionen nach Portugiesisch-Westafrika (Angola).

Ganz zäh ist Deutsch-Ostafrika (Tansania): Die Schutztruppe (15.000 Mann, davon 12.000 Askaris) von Oberstleutnant Paul von Lettow-Vorbeck zwingt einer Viertelmillion Alliierter (britische Kolonialtruppen, Inder, Südafrikaner, Belgier, Portugiesen) einen wüsten Guerillakrieg auf und gibt erst nach Kriegsende in Europa auf.

Mehr als 150.000 schwarze Soldaten und eine Million Träger waren in Afrika für die Kolonialmächte im Einsatz, deren nichtafrikanische Soldaten oft Krankheiten einschleppen, woran zehntausende Einheimische sterben. Die Afrikaner, von denen zehntausende in Europa fechten, sehen, wie sich ihre weißen Herren zerreißen, merken, dass diese nicht unbesiegbar sind. Das fördert Unabhängigkeitsbewegungen.

4 Gallipoli: Als man des Sultans Tür eintreten wollte und Nationen schuf

Nachdem das Osmanische Reich Oktober 1914 zu den Mittelmächten trat kommen Franzosen und Briten (vor allem Marineminister Churchill) auf die Idee eines „Enthauptungsschlags“: Eine Flotte soll vom Mittelmeer durch die Dardanellen nach Konstantinopel fahren, Truppen landen und die Hauptstadt einnehmen. Das türkische Heer gilt als relativ schwach, darin haben freilich deutsche Generäle hohe Posten.

Ab Februar 1915 beschießen Schiffe Forts an den Dardanellen. Am 18. März fahren 18 Schlachtschiffe in die Meerenge, doch die Hälfte läuft auf Minen und sinkt oder wird beschädigt. Churchill muss gehen. Nun sollen Truppen die schmale, hügelige Halbinsel Gallipoli, den europäischen Rand der Dardanellen, besetzen und die Passage sichern. Am 25. April landen 17.000 Briten, 16.000 Franzosen und 30.000 Mann des „Australian and New Zealand Army Corps“ (ANZAC) an mehreren Orten. Meist sind da schwer erklimmbare Steilküsten und die anfangs 84.000 Mann der 5. türkischen Armee (Chef: der deutsche General Otto Liman von Sanders) nageln die Angreifer fest. Ein Stellungskrieg beginnt, die Türken werden von k.u.k.-Artillerie unterstützt, können aber die Landeköpfe im Feuer der Schiffskanonen nicht eindrücken. Die sanitäre Lage ist schlimm, Türken und ANZACs sterben wie die Fliegen. Jänner 1916 ziehen die Alliierten ab.

Gesamt kämpfen in Gallipoli gut 320.000 Türken, einige tausend Deutsche und Österreicher, 80.000 Franzosen, 470.000 Commonwealth-Soldaten. Für Australier und Neuseeländer wird es zum Geburtsort der Identität ihrer jungen Staaten (Australien war seit 1901 keine Kolonie mehr, Neuseeland seit 1907). Die Schlacht, in der 8700 Australier und 2700 „Kiwis“ fallen oder sonst sterben (von 115.000 bis 140.000 Toten beidseits) gilt auch als Quell des „ANZAC spirit“, einem Mix aus Mut, Zähigkeit, Humor, Raubeinigkeit, Lakonie und „Mateship“ (Kumpelhaftigkeit).

Der 25. April ist als „ANZAC Day“ Nationalfeiertag in Australien und Neuseeland. Der türkische Sieg ist gutteils dem Führer der 19. Division zuzurechnen: Mustafa Kemal, der spätere „Atatürk“. Einer der höchsten ANZAC-Offiziere in Gallipoli, John Monash, befehligt 1918 die alliierte Schlußoffensive im Westen; er war Sohn deutscher Juden. Der australische Songwriter Eric Bogle (*1944) schuf mit „And the Band Played Waltzing Matilda“ eines der traurig-schönsten Lieder: Es handelt von einem jungen australischen Herumtreiber, der in Gallipoli die Beine verliert und nie mehr umherziehen kann.

 

5 Palästina: Der Beginn eines endlosen Problems

Jänner 1915 stoßen 20.000 Türken unter dem bayerischen Oberst Friedrich Kress von Kressenstein aus Palästina zum Suezkanal; Ägypten ist britisches Protektorat. Commonwealth-Truppen, darunter Australier und Inder, wehren den Angriff ab. Ein neuer Stoß im Sommer 1916, mit Hilfe des deutschen „Asien-Korps“ und k.u.k.-Truppen vor allem durch Flieger, MG und Kanonen, misslingt auch. Nun dringen Empiretruppen langsam in Palästina ein, nehmen Ende 1917 Jerusalem.

Die Türken bewegen die Senussi, eine Sekte in Italiens Kolonie Libyen, sowie Scheichs im Sudan zu Attacken auf Ägypten (1915 bis 1917), diese scheitern. Deutsche U-Boote lieferten den Senussi Waffen. Nach der Katastrophe der Türken bei Megiddo (September 1918) zerfällt ihr Heer in Palästina. Letzteres und Transjordanien werden britische Mandatsgebiete. Weil England den Juden eine Heimat in Palästina versprochen hat setzt ein Zuzug jüdischer Siedler ein. Mit allen bekannten Folgen.

Hellmuth Felmy, Chef der deutschen Flieger in Palästina, bemerkt, dass man archäologische Stätten von oben gut erkennen kann, und begründet die Luftbild-Archäologie mit. 1948 wird der General als Kriegsverbrecher verurteilt. Alois Musil (1868-1944), Orientalist aus Mähren, versucht im Auftrag Kaiser Franz Josefs nordarabische Stämme vom Aufstand gegen die Türken abzuhalten. Er wird Antagonist des Engländers Thomas Lawrence (Lawrence von Arabien) und stört dessen Job beträchtlich. Berühmt wird Musil, der später an der Prager Uni lehrt, nie.

 

6 Kaukasus und Mesopotamien: Gemenge von Stämmen und Öl

Im Kaukasus und in Ostanatolien ringen ab November 1914 Osmanen und Russen. Eine türkische Offensive scheitert im Winter 1914/15 erbärmlich, den Russen gelingt auch kein entscheidender Sieg; nach der Februarrevolution 1917 löst sich deren Kaukasus-Armee auf, die Türken sehen sich nun Armeniern, Georgiern und Briten gegenüber, die die Ölfelder am Kaspischen Meer und im Nordirak wollen – zuvor hatten die Türken 1915/16 zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Armenier ermordet. Nach 1918 ist die Lage wirr, es gibt kurzlebige Staaten, bis sich in den 1920ern die Grenze Türkei – UdSSR stabilisiert.

November 1914 landen britisch-indische Truppen am Persischen Golf bei Fao und Basra im osmanischen Mesopotamien, um Ölquellen dort und in Persien zu schützen. 1915 wird die Versuchung groß, nach Norden zu ziehen, also rücken eine indische Division von General Charles Townshend und weitere Einheiten im Kriechtempo vor, durch ein Land ohne Wege. Vor Bagdad wird Townshend Ende 1915 von Türken unter dem deutschen General Colmar Freiherr von der Goltz geschlagen, weicht zurück und verbunkert sich in Kut. April 1916 kapituliert er mit 13.000 Mann, viele sterben in Gefangenschaft; ein Mega-Debakel britischer Geschichte. Danach sammelt das Empire Kräfte, rückt wieder vor: März 1917 fällt Bagdad, 1918 wird der Nordirak besetzt. Mesopotamien wird britisches Mandat und 1932 zum Irak, wo die Briten noch lange viel mitzureden haben.

 

7 Persien: Ein neutraler Staat als Kriegsschauplatz

Persien erklärt sich 1914 unter dem 17jährigen Ahmad Schah Kadschar neutral. Es war von Russen und Briten in Einflusszonen geteilt, hat keine Armee sondern nur einige tausend Gendarmen und Stammeskrieger. Im Norden stehen Russen; als diese Richtung Türkei abrücken besetzen Türken den Westiran im Raum Täbris und Briten Zonen am Golf. Die Stimmung ist pro Mittelmächte, weshalb sich Deutschland einmischt: Diplomaten infiltrieren das Land, Konsul Wilhelm Wassmuss hetzt Stämme gegen die Briten auf. Die Gendarmerie kämpft ab Ende 1915 gegen die Russen, worauf die vorrücken; Teile des Parlaments fliehen an die türkische Grenze und gründen eine Exilregierung, für die der deutsche Diplomat Rudolf Nadolny Hilfe organisiert.

Die Briten erringen 1917 die Oberhand, Gendarmerie und Exilregierung lösen sich auf, nach Abzug der Russen Anfang 1918 füllen Briten das Vakuum. Persien wird 1919 praktisch Protektorat, man lässt es zu den Verhandlungen in Paris nicht einmal zu. Noch heute sind Briten im Iran nicht gern gesehen.

 

8 Indien: Die Perle des Empires gewinnt Stolz als Truppensteller

Das britische Heer hat zu Kriegsbeginn nur 250.000 Mann, die Hälfte davon im Empire verteilt. Also braucht es im Westen rasch Reserven – die liefert auch Indien. Schon im Oktober kommen 60.000 Inder an und geraten in Ypern in wilde Kämpfe. Der unerwartet brutale Krieg, Klima und Kulturprobleme setzen ihnen zu, worauf viele Ende 1915 nach Ägypten versetzt werden.

Bis Ende 1918 fechten 1,1 Millionen Inder in Übersee, je etwa 140.000 davon in Frankreich und Palästina, die meisten in Mesopotamien und Afrika. Mindestens 60.000 sterben. Das Gros der Inder, auch die Unabhängigkeitsbewegung „Indischer Nationalkongress“, bleibt im Krieg pro-britisch und Versuche, Revolten anzustacheln, fruchten wenig. Die Inder sammeln als Krieger und Sieger vielmehr Stolz an, was auch für Leute wie den Widerstandsaktivisten Mahatma Gandhi gilt und den Ruf nach Freiheit befeuert.

 

9 China: Enttäuschte Arbeitsbienen für die Westmächte

Die Lage in China ist nach Ausrufung der Republik 1912 enorm volatil. Das Ausland erkennt die „Beiyang“-Regierung in Peking an, wo General Yuan Shikai das Sagen hat, bis er sich 1915 zum Kaiser krönt. Eine Revolte folgt, er tritt Monate später ab. Nun wechseln einander Warlords als Premiers und Präsidenten ab. August 1917 erklärt der aktuell mächtige Premier Duan Qirui den Mittelmächten den Krieg, da er Vorteile für China erhofft, etwa das Ende der ungünstigen Konsular- und Handelsverträge mit dem Ausland und Hilfe gegen Japans Gebietsansprüche.

Die Alliierten wollen keine Soldaten, sondern Arbeiter: Schon 1916 hatte Frankreich 50.000 Chinesen angeworben, es folgen 100.000 im British Chinese Labour Corps. Sie dienen in Europa als Träger, Maurer, Mechaniker, graben Stellungen, putzen Kasernen, räumen Minen, etc. Nach 1918 wird China enttäuscht, weil es im Vertrag von Versailles nichts erhält außer der Rückgabe von Deutschen geraubter astronomischer Geräte (!) und sogar eine deutsche Kolonie Japan übertragen muss: Kiautschou um die Stadt Tsingtao, deren Pacht Berlin 1898 erzwungen hat. Bei Kriegsbeginn sind dort 1400 deutsche Marinesoldaten und zufällig der k.u.k.-Kreuzer „Kaiserin Elisabeth“. Japan, das Ende August zu den Alliierten stößt, belagert Tsingtau zusammen mit Briten, bis die Stadt am 7. November kapituliert.

Die Chinesen schauen sich viel von der neuen Kriegstechnik und der Ideologie des Sozialismus ab, so auch Mao Zedong (*1893), der 1917 an der Universität Peking informell studiert und in der Bibliothek arbeitet. Er dürfte dabei auch von der Guerrillataktik der Deutschen in Afrika gelesen haben.

 

10 Pazifik: Die „deutsche Südsee“ wird Japans Kriegssprungbrett

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten deutsche Kaufleute Niederlassungen im Südpazifik gegründet. Nach deren Konkurs übernahm der Staat in den 1880ern die Handelsposten, und bald die Gebiete. 1899/1900 wurden weitere Inseln erworben, vor allem von Spanien. 1914 hat Berlin im Pazifik also die „Schutzgebiete“ Deutsch-Samoa und Deutsch-Neuguinea; letzteres umfasst den Norden Neuguineas, den Bismarck-Archipel, Teile der Salomonen, Palau, Nauru sowie die äquatornahe, weit verstreute Inselwelt von Mikronesien (u. a. Marianen, Karolinen, Marshall-Inseln), die heute im Großen und Ganzen die Föderierten Staaten von Mikronesien, die Republik der Marshallinseln und Kiribati bildet bzw. teilweise den USA gehört (Guam, nördliche Marianen).

Das Südseegebiet hat vielleicht 480.000 Bewohner, es gibt nur einige Polizisten. Samoa wird Ende August 1914 kampflos von Neuseeland besetzt, Nauru im Oktober von Australien, Mikronesien bis Oktober von Japan. Gefechte gibt es im September auf Neuguinea und dem Bismarck-Archipel, wo Polizisten eine Funkstation gegen tausende Australier verteidigen. Viele Deutsche dürfen ausreisen. Hauptmann Hermann Detzner (1882-1970) aber flieht in den Urwald Neuguineas, hält sich versteckt und taucht nach Kriegsende in Uniform bei den Australiern auf, um zu kapitulieren. Er schreibt das Buch „Vier Jahre unter Kannibalen“ über diese völkerkundlichen Studien.

Australien, Neuseeland und Japan erhalten die besetzten Gebiete als Völkerbundmandate. Das hat Folgen: Mikronesien ist 1941 Japans zentrales Sprungbrett für den Krieg im Pazifik.

Die Opfer

Im Ersten Weltkrieg starben nach heutigem Stand des Wissens etwa zehn Millionen Soldaten und sieben Millionen Zivilisten (alle Todesursachen eingeschlossen). Die meisten Opfer hatte insgesamt Russland (3,3 bis 3,8 Millionen), gefolgt vom Osmanischen Reich (2,9 Mio.) und Deutschland (2,5 Mio.)

In Relation zur Bevölkerungszahl litt allerdings Serbien am stärksten: 725.000 Tote bedeuteten dort rund 16,1 Prozent des Volkes. Die Türkei wies eine Sterberate von 13,7 Prozent auf, Rumänien (700.000 Tote) eine von 9,3 Prozent. Die Verluste der k.u.k.-Monarchie betrugen 1,6 Millionen Menschen bzw. drei Prozent des Volkes. Am „billigsten“ von allen Kriegführenden kam Japan davon (etwa 500 Tote).

Der Zweite Weltkriegforderte zwar über 65 Millionen Todesopfer. Da aber die Kampfgebiete viel größer waren, wegen des intensiven Luft- und Seekriegs und der Massentötungen etwa an Juden und russischen und chinesischen Zivilisten gilt der 1. Weltkrieg im Vergleich dazu als deutlich blutiger und „opferintensiver“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2014)