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annshoch können die Hürden des täglichen Lebens in Brüssel manchmal werden. Rufen Sie nie einen Installateur! Beantragen Sie keine Parkerlaubnis, und stellen Sie ja nicht zu viele Fragen, wie das so läuft mit der Müllabfuhr. Ein Loch in der Wand? Was ist das schon, wenn man sich den lauen Wind um die Nase wehen lassen und dazu besten Heilbutt speisen kann?
Konzentrieren Sie sich in dieser Stadt auf den Genuss. Sobald es um Essen und Trinken geht, um Botanische Gärten, Galerien und Antiquitäten, gibt es nichts, was in Brüssel nicht geht. Vor allem, wenn auch noch das Wetter mitspielt. Wiener Nahkämpfe um den letzten Sessel im Schanigarten sind hier unbekannt. Man teilt sich den Platz an der Sonne. Sollte es knapp werden, bringt der Kellner einfach noch einen Tisch und lässt die Trink-Zone ein bisschen auf den Zebrastreifen hinauswuchern. Hauptsache, das Bier ist gut gezapft.
Auch in den vielen Parks der Stadt ist der Genuss nie weit. Kaum ein Plätzchen in der Sonne, wo es nicht in der Nähe Bier vom Fass gibt und kleine Teller, die sich unter Salamistücken biegen. Nur mal so für zwischendurch. Noch schöner im Hedonisten-Himmel schweben lässt es sich aber am Grand Sablon, einem der hübschesten Plätzen Brüssels. Unzählige Cafés, deren ausladende Schanigärten Fußgänger gerade noch vorbeitänzeln lassen, locken vom ersten Kaffee in der Früh bis zum letzten Glas Wein in der Nacht. Hier trifft sich Reich und Schön, aber auch Schräg und Schrill. Hier wird der Windhund ausgeführt, der neue Lover und die schönsten Beutefrauen. Neben den berühmtesten Confiserien der Stadt finden sich Juweliergeschäfte ohne Preisschilder. Und hier begreift man, wie man in Brüssel überlebt: Im Riemchenschuh und mit einem kühlen Drink in der Hand. Wer über das Kopfsteinpflaster stolpert und mit den Dingen hadert, der hat Brüssel nicht begriffen. Mit schönen Schuhen fährt man Taxi. An schönen Tagen ruht der Alltag. Gelebt wird jetzt. Der Installateur kommt später.