Die richtige Antwort des Manmohan Singh

Extremisten wollten mit Attentaten die neue Friedenschance auf dem Subkontinent zerstören. Doch Indiens Premier ließ sich nicht provozieren.

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esonnenheit ist das Markenzei chen des indischen Premierminis ters Manmohan Singh. Der 73-jährige Sikh tat nach den Attentaten in Neu Delhi das einzig Richtige. Er bewahrte Ruhe, vermied vorschnelle Schuldzuweisungen. Anstatt, wie es die Populisten unter seinen Vorgängern vermutlich gemacht hätten, unverzüglich Pakistan unter Generalverdacht zu stellen, setzte Singh einen anderen Akzent: Er ließ sich nicht beirren und stimmte der Öffnung von fünf indisch-pakistanischen Grenzübergängen in Kaschmir zu. Ein historischer Schritt: 58 Jahre lang war die Demarkationslinie undurchlässig.

Das verheerende Erdbeben vom 8. Oktober hat die Erzfeinde, die zwei Kriege um Kaschmir geführt hatten, näher zueinander geführt. Das Leid auf beiden Seiten der Grenze hat eine Friedenschance eröffnet. Diese Chance wollten Extremisten nun offenbar zunichte machen. Ihre Bomben sollten neuen Hass stiften, nicht nur zwischen den benachbarten Atommächten, sondern vor allem in Indien selbst. Auch diesbezüglich war der Zeitpunkt der Anschläge nicht zufällig gewählt. Unmittelbar vor ihrem Diwali-Fest sollte die hinduistische Bevölkerungsmehrheit zu Vergeltungsexzessen gegen Moslems provoziert werden. Und das kann schnell gehen, wie Ausschreitungen der jüngeren Vergangenheit gezeigt haben. Umso begrüßenswerter die besonnene Reaktion des indischen Premiers. Seine Haltung könnte sich jedoch schlagartig ändern. Wenn sich nämlich herausstellen sollte, dass die Täter Unterstützung aus Pakistan erhielten. Man kann nur hoffen, dass dies nicht der Fall war. (Bericht: S.1)

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