Sollten die 460 Kündigungen nicht "deutlichst" reduziert werden, könne es mit einem Streik "sehr schnell" gehen, stellt Gewerkschafter Proyer dem Konzern die Rute ins Fenster.
Die Gewerkschaft fordert vom deutschen Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) ein Konzept für den Standort in Maria Enzersdorf bei Mödling. Der Abbau von 460 Mitarbeitern gefährde den Standort. Sollte die Zahl nicht "deutlichst" reduziert werden, könnte es nach einer Aufsichtsratssitzung am 24. Jänner mit einem Streik "sehr schnell" gehen, so Gewerkschafter Karl Proyer am Dienstag zur APA.
Zuvor haben Betriebsrat und die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp am Vormittag in einer Betriebsversammlung laut Proyer erneut ihre Standpunkte deponiert. Vom deutschen Konzernvorstand wird ein Konzept verlangt, das "Kündigungen in dem Ausmaß nicht mehr vorsieht". Wie im Dezember bekannt geworden war, sollen bei der Österreich-Tochter bis zu 460 der aktuell 750 Jobs wegfallen. Proyer sieht den deutschen Eigentümer gefordert, die Entscheidung über die Kündigungen dürfe nicht auf den Geschäftsführer in Mödling abgewälzt werden.
KBA-Mödling-Chef denkt an Alternativen
Auf eine Zahl, um viel der Jobabbau reduziert werden soll, wollte sich Proyer nicht festlegen. Nur soviel: "Es wird eine Auseinandersetzung um jeden Arbeitsplatz geben". Ihm zufolge sei es auch eine Weichenstellung für die Zukunft der Produktion in Österreich. Die weiteren Maßnahmen hängen jedenfalls von der Sitzung des Aufsichtsrats Ende Jänner ab, so Proyer. "Unmittelbar danach" wollen die Belegschaftsvertreter eine weitere Betriebsversammlung abhalten. Gewerkschaft und Betriebsrat haben zudem laut Proyer vor, die staatliche Wirtschaftskommission einzuschalten. Immerhin gehe es um "bedeutende Arbeitsmarktinteressen".
Koenig & Bauer hatte Mitte Dezember bekannt gegeben, österreichweit bis zu 460 Jobs zu streichen. Das ist ein Drittel des tags zuvor beschlossenen Sparkurses, bei dem konzernweit 1100 bis 1500 Stellen wegfallen sollen. Daran werde sich "leider trotz Verhandlungen" mit den Gewerkschaften nichts mehr ändern, sagte der Chef der KBA-Tochter in Mödling, Leopold Achatz, noch im Dezember. Heute legte Achatz Alternativpläne auf den Tisch. Sein "ehrgeiziges Ziel": Er wolle den im Raum stehenden Abbau von bis zu 460 Mitarbeitern auf "unter 200" zu drücken. Achatz will in Maria Enzersdorf neben dem Banknoten- und Wertpapierdruck auch weitere Geschäftsfelder halten und Mittel für neue Geschäftsfelder locker machen. Er könne die Chancen, ob der Konzernvorstand von den Sparplänen nochmals abweicht, aber nicht einschätzen. Er sei zuletzt in die Verhandlungen zu dem Sparkurs, bei dem insgesamt bis zu 1.500 Stellen gestrichen werden sollen, nicht mehr eingebunden gewesen.
Der deutsche Druckmaschinenhersteller kämpft gegen ein schwächelndes Geschäft. So hat sich der Weltmarkt für Bogendruckmaschinen in den letzten Jahren halbiert, der Markt für Rollendruckmaschinen ist um rund 70 Prozent eingebrochen. Eine Erholung ist laut KBA nicht in Sicht.
(APA)