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Vilimsky: Straches Mann fürs Grobe geht nach Brüssel

Harald Vilimsky(c) Bruckberger
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Harald Vilimsky, FPÖ-Generalsekretär mit einem Faible fürs Extreme, wird die Freiheitlichen gemeinsam mit Andreas Mölzer als Doppelspitze in die EU-Wahl führen.

Mit einer Doppelspitze geht die FPÖ in die EU-Wahl 2014. Andreas Mölzer, dem bisherigen Fraktionsführer in Brüssel, ist dabei die Rolle des „Elder Statesman" zugedacht. Und Harald Vilimsky jene Rolle, die er bisher schon als Generalsekretär ausgefüllt hat: die des „Kettenhunds". Offiziell soll Mölzer Platz eins auf der Liste einnehmen und Vilimsky den zweiten. Das soll vom FPÖ-Parteivorstand am Donnerstag beschlossen werden.

Harald Vilimsky, 47, Vater einer Tochter, ist Heinz-Christian Straches Mann fürs Grobe. Vor großen Strache-Auftritten, ob am Victor-Adler-Markt oder anderswo, ist es meist der FPÖ-Generalsekretär, der den Einpeitscher gibt und dabei das Niveau seines Nachredners noch locker unterbietet.

Im persönlichen Umgang ist der grobschlächtig wirkende Vilimsky allerdings ein durchaus kultivierter Gesprächspartner. Auch die „Dumpfbacke", als die er in diversen Medien - auch im Vergleich zu Herbert Kickl, seinem Kollegen im Generalsekretariat - gerne dargestellt wird, ist er nicht. Ideologisch ist Vilimsky versiert. Allerdings hat er diesbezüglich auch eine eher unrühmliche Vergangenheit hinter sich: Er trieb sich in extrem rechten Kreisen herum. Vor Jahren tauchte ein Artikel aus dem einschlägigen „Völkerfreund" auf, in dem Vilimsky über die Deutsch-Chilenen geschrieben hatte: „Erheben wir die Häupter, um die Sonne des Deutschtums in altem hellem Licht wieder erstrahlen zu lassen." Romantische Verklärung nannte er das später.

Von ganz links bis ganz rechts

Er sei in jungen Jahren eben ein Suchender gewesen, habe sich von den „ganz Linken" bis zu den „ganz Rechten" alles angesehen, sagte Vilimsky einmal. Bei der FPÖ sei er als „Haider-Fan" dann eben hängen geblieben.

Harald Vilimsky ist im Arbeiterbezirk Wien-Favoriten aufgewachsen. Ohne Vater - ihn kennt er bis heute nicht -, bei seiner Mutter, einer Krankenschwester und seinem Stiefvater, einem Versicherungsvertreter. Als er 16 Jahre alt war, starb die Mutter. Er machte die HAK-Matura, studierte Wirtschaft, brach dieses Studium wieder ab, absolvierte einen Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit und begann beim Kuratorium für Verkehrssicherheit zu arbeiten.

Über eine Arbeitskollegin kam er dann in Kontakt mit der FPÖ. Ab 1996 war er Pressesprecher des Rathausklubs der Wiener FPÖ, ab 2004 dann Landesparteisekretär. Es folgen Mandate im Bundesrat und Nationalrat. Seit 2006 ist der leidenschaftliche Motorradfahrer, der mehrfach die Sahara durchquerte, Generalsekretär der Strache-FPÖ.
In der EU-Kampagne der FPÖ wird Vilimsky dann wohl den angriffslustigen Kritiker geben. Ihm selbst schwebt eine Art Europa der Vaterländer vor. Die Nationalstaaten mit all ihren Eigenarten sollten erhalten bleiben, so wünscht es sich der Vielreisende.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2014)