Meinung: Mord unter Geschäftsleuten

Die Betrüger am Bau sind keine feinsinnigen Nadelstreif-Ganoven, die man mit Augenzwinkern dulden kann. Manchmal morden sie.

D
er Strabag-Geschäftsführer in Deutschland soll tief betroffen ge wesen sein, berichtet ein deutscher Staatsanwalt, der bei der Hausdurchsuchung in Köln persönlich dabei war. Am 6. Dezember kam nämlich zum österreichischen Bau-Konzern nicht der Nikolo, sondern Scharen von Polizisten und Staatsanwälten. Sie ermitteln in Deutschland in einem riesigen Betrugsfall. Einer der Hauptverdächtigen - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - ist ein Strabag-Mitarbeiter.

Die Strabag selber wusste von den mutmaßlichen kriminellen Handlungen nichts, betonen die deutschen Ermittler. Doch der Fall, bei dem im Vorfeld sogar zwei Menschen ermordet wurden, zeigt erstmals auf, was bisher auch in Österreich nur vage im Raum gestanden ist. Bei den kriminellen Organisationen, die auch hierzulande die Branche infiltrieren, handelt es sich nicht um gewiefte Geschäftsleute, die es mit den Gesetzen nicht so genau nehmen. Es geht auch nicht um Nadelstreif-Ganoven. Es sind Schwerkriminelle, die auch vor Mord nicht zurückschrecken.

Und spätestens jetzt müssten all jenen, die vor den illegalen Geschäften bisher die Augen verschlossen haben, dieselbigen aufgehen. Wer durch Wegschauen bei der Gründung einer dubiosen Firma mithilft oder ihr Aufträge zukommen lässt, der ist nicht nur indirekt an Steuerbetrug und Abgabenhinterziehung beteiligt, er ist auch Teil eines Systems, das nicht davor zurückschreckt, Geschäftsverhandlungen mit Baseballschlägern zu führen. (Bericht: Seite 29)

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