Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Telekom-Belegschaft in Kampfbereitschaft: "Lassen uns Lohndumping nicht gefallen"

PK TELEKOM AUSTRIA: AMETSREITER
APA/ROLAND SCHLAGER
  • Drucken

Bei der Telekom Austria stehen die Zeichen nach einer Betriebsversammlung auf Sturm: Der Konzern will für die 5000 Beamten eine Nulllohnrunde durchsetzen und für Angestellte einen getrennten Abschluss.

Rund 2000 mit Trillerpfeifen bewaffnete Telekom-Beschäftigte ließen am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung in Wien keinen Zweifel an ihrer Kampfbereitschaft: Bei der Telekom Austria stehen die Zeichen auf Sturm. Es geht um die Gehaltsverhandlungen für die 9100 Beschäftigten in Österreich, die vor Weihnachten abgebrochen worden sind und morgen, Donnerstag, fortgesetzt werden. Knackpunkt ist nicht nur die Höhe des Abschlusses. Vielmehr will Telekom-Chef Hannes Ametsreiter erstmals getrennte Abschlüsse für die 5000 Beamten und 4100 ASVG-Angestellten und für die Beamten quasi eine Nulllohnrunde durchboxen, wie die „Presse“ exklusiv berichtete. Das ist für Gewerkschaft und Betriebsrat, die schon einen Streikbeschluss in der Tasche haben, unakzeptabel.

„Wir lassen uns nicht auseinander dividieren und werden Lohndumping nicht zulassen“, betonte der Vorsitzende der Kommunikationsgewerkschaft (GPF), Helmut Köstinger, vor der Versammlung. Und ÖGB-Präsident Erich Foglar legte nach: „Es kann nicht sein, dass in einem Unternehmen die einen nur Peanuts und die anderen ein bisschen mehr bekommen.“ Um die Kaufkraft zu erhalten, müsse zumindest die Teuerung abgegolten werden. Foglar kritisierte außerdem die hohen Dividenden, die die Telekom jahrelang gezahlt hat. „Wer die Dividenden gleich lässt und sich das, was fehlt, bei den Löhnen holt, ist am falschen Schiff.“

Zankapfel Zulagen

Auch bisher wurde für die ASVG-Angestellten, die einem eigenen Konzern-Kollektivvertrag (KV) unterliegen, gesondert verhandelt. Allerdings wurde das Ergebnis 1:1 auf die Beamten umgelegt. 2013 gab es für alle eine Gehaltserhöhung von 2,6 Prozent.
Heuer bietet der Konzern den ASVG-Bediensteten ein Plus auf Höhe der Inflationsrate, als rund 2,3 Prozent. Die Beamten sollen indes nur 0,7 Prozent mehr bekommen, im Gegenzug sollen Zulagen fallen, was laut Köstinger auf eine Nulllohnrunde und damit einen Reallohnverlust hinausläuft. Er und Zentralbetriebsratschef Walter Hotz wollen genau das Gegenteil: Zulagen, die 13 Jahre lang nicht erhöht worden seien, sollen in die Gehälter übertragen werden und so abgesichert werden. Dann wäre Hotz zu einem getrennten Lohnabschluss bereit.
Die Konzernspitze argumentiert indes mit steigenden Kosten – unter anderem muss die Telekom eine Mrd. Euro für die Funkfrequenzen zahlen. „Wir fahren einen strikten Sparkurs und können uns keinen hohen Abschluss leisten“, sagte Telekom-Sprecher Peter Schiefer zur „Presse“. Außerdem wies er erneut darauf hin, dass die Beamten aufgrund ihrer Biennalsprünge ohnedies alle zwei Jahre eine Gehaltserhöhung um rund fünf Prozent bekämen, die auf die KV-Runde durchschlage. Bei den ASVG-Bediensteten in der Telekom sei das nicht mehr der Fall (bei der Post erhalten auch ASVG-Angestellte Biennalsprünge). Während ein Beamter inklusive Lohnnebenkosten die Telekom 65.000 Euro pro Jahr koste, schlage ein ASVG-Angestellter im Schnitt mit 61.000 Euro zu Buche.

Auf Prognosen, ob es morgen zu einem Abschluss komme, wollten sich beide Seiten nicht einlassen. Köstinger machte aber kein Hehl daraus, was bei einem Scheitern der Gespräche passiert. „Wir werden um einen Gang zulegen.“ Details wollte er nicht nennen, nur, dass man mit Kampfmaßnahmen jederzeit beginnen könne. Nächste Woche sind auch in den Bundesländern Betriebsversammlungen geplant.

Übernimmt Slim die Mehrheit?

Hotz ist überzeugt, dass es heuer bei der Telekom zu einem Eigentümerwechsel kommt. Der mexikanische Großaktionär Carlos Slim dürfte den niedrigen Aktienkurs nützen, um seinen 25-prozentigen Anteil auszubauen. Die ÖIAG, die 28,4 Prozent hält, müsse einen „beherrschenden Einfluss“ behalten, meinte Hotz in diesem Zusammenhang.