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Neue Kreativität bei Banker-Boni

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Die EU-Beschränkung der Bonuszahlungen für Banker sind wirkungslos.

London. Banker-Boni sind seit der Finanzkrise ein heißes Eisen. Die Boni-Praxis der Banken muss sich ändern – zumindest das steht schon fest. Die leistungsabhängigen Sonderzahlungen dürfen in der EU ab heuer maximal noch doppelt so hoch sein wie das Grundgehalt. In den vergangenen Jahren bekamen hochrangige Investmentbanker und andere wichtige Banker zum Teil mehr als das Fünffache ihres Fixgehalts, wie aus Daten der Banken und Reuters-Berechnungen hervorgeht.

Die von der EU erzwungenen Änderungen beschäftigen vor allem die Finanzwelt in London– dort sitzt der Löwenanteil der Banker mit Millionen-Gehältern. Und sie werden nun erfinderisch: „Da entwickelt sich offenbar eine Menge Kreativität“, sagt Peter Hahn von der Londoner Wirtschaftsuniversität Cass.

 

Größeres Risiko

Die EU will mit den Beschränkungen verhindern, dass die Banker wie vor der Finanzkrise durch falsche finanzielle Anreize Risken eingehen, die zwar kurzfristig ihren Verdienst in die Höhe schrauben, sich langfristig für ihren Arbeitgeber aber in Verluste verwandeln. Doch die wenigsten Experten erwarten, dass die Gehälter der Banker insgesamt sinken werden, wenn die Boni beschränkt werden.

Kostensenkungen seien eigentlich für die Finanzbranche noch immer ein Thema, so Hahn. „Sie bezahlt ihre Leute immer noch, als würde sie hohe Renditen erwirtschaften, aber das tut sie nicht.“ Denn die Angst, gute und erfolgreiche Banker zu verlieren, ist größer. Die Institute argumentieren überdies, dass sie bei höheren Fixgehältern ein größeres Risiko eingehen und auf den Kosten sitzen bleiben, wenn die Geschäfte einmal schlecht laufen.

In der Vergangenheit schwankten die Boni stark: So zahlte die US-Investmentbank Goldman Sachs 2012 ihren 115 wichtigsten Bankern in London im Schnitt 4,67 Mio. Dollar (aktuell 3,4 Mio. Euro), drei Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Die Boni summierten sich auf 350 Mio. Dollar und waren damit 5,2 Mal so hoch wie die Fixgehälter. 2011, als die Bank deutlich weniger verdiente, waren sie nur 2,2 Mal so hoch. (apa/Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2014)