Chevrolet Matiz: Neo-Amerikaner und Frauenversteher

Eine Geschichte von US-Kreuzern, Bergen und 15 Ziegen.

Ein Chevrolet ist ein großer, spritfressender Ami-Schlitten. Das lernt man schon als Kind. Was jetzt bei der Präsentation als neuester Chevy anrollt, sieht überhaupt nicht nach US-Straßenkreuzer aus – außer, er wäre bei einer 100-Grad-Wäsche ordentlich eingegangen. Genauer gesagt: auf 3,50 Meter geschrumpft. Dazu kommt ein kurzes Heck mit Rücklichtern, die an Raumschifftriebwerke erinnern, eine schwarze Plastikwüste im Innenraum und das Ende der Kulleraugen: Der Matiz, der bis vor kurzem unter Daewoo-Flagge fuhr, heftet sich jetzt das goldene Chevy-Logo auf die Motorhaube – US-Image-Upgrade für Korea sozusagen. Gleichzeitig geht es optisch erwachsener, fünfzehn Kilo leichter, mit zwei sparsameren Motoren (5,2 beziehungsweise 5,6 Liter/100 km) und umfangreicherer Basisausstattung in die zweite Generation.

Tacho & Co. befinden sich jetzt in der Mitte des Armaturenbretts. Damit erspart sich die GM-Tochter die Umbaukosten für Länder mit Linksverkehr – während der Beifahrer durch den exzellenten Einblick ständig Geschwindig­keit und Drehzahl kontrollieren und dabei wunderbar nörgeln kann. „Beifahrer“ deshalb, weil der koreanische Ami ein echter Frauenversteher ist: 66 Prozent der Matiz-Käufer sind weiblich und machen ihn zur Nummer zwei im Verkaufsranking des A-Segments, der kleinsten Fahrzeugklasse.

Die erste Testfahrt. Der Matiz wird gnadenlos den Berg hinauf gejagt. Dabei können nach hartem Kampf zwei Mofas, fünfzehn Ziegen und ein Fiat Uno mit Getriebeschaden überholt werden; mit der 1.0-Liter-Maschine (66 PS) unter der Motor­haube. Mit dem kleineren 800-ccm-Aggregat (52 PS) ist es eine Ziege weniger. Der Leistungsunter­schied zwischen beiden Motoren wirkt sich in der Praxis marginal aus.

Langweilig wurde es bei zügiger Fahrweise (Spitze: 145 beziehungsweise 156 km/h) trotzdem nicht. Einerseits, weil man sich im Matiz-Innenraum trotz Plastikwüste überraschend wohl fühlt – andererseits, weil der Matiz in Kurven früh zum Untersteuern neigt.

Stopp: Man darf nicht unfair sein. Der Matiz ist ein Winzling für den Asphaltdschungel, ein Stadtauto mit exzellentem Wendekreis (9,2 Meter) und noch besserem Preis: Unter 9000 Euro inklusive aller Steuern soll der Einstiegspreis des neuen Matiz liegen, der Mitte Mai in Österreich auf den Markt kommt. Ein weiteres Plus: Den Chevy-Koreaner gibt es auch als Fünftürer – eine Seltenheit im Segment der Kleinstwagen.

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