Peugeot führt erstmals ein Doppelnullmodell ein und feiert die Geburt eines Schiebetürwinzlings.
Andere Länder, andere Sitten. In England wird die Doppelnull im Auftrag Ihrer Majestät verliehen, Aston Martin inklusive. In Frankreich übernimmt das Peugeot und verleiht die Doppelnull an jeden, der 14.950 Euro auf den Tisch legen kann. Dafür gibtÂ’s zwar keinen Aston Martin mit kugelsicheren Scheiben, aber einen 1007 mit der Lizenz zum Schieben – inklusive dreifacher Premiere: Erstmals gibtÂ’s einen Kleinwagen mit Schiebetüren, erstmals eine vierstellige Bezeichnung bei Peugeot, erstmals sind die Franzosen im Microvanbereich vertreten.
Trotzdem: Schiebetüren für einen Kleinwagen? Transporterfeeling für junge Individualisten, Alleinerzieher und Pensionisten – wie Peugeot die Zielgruppe des 1007 beschreibt? Die Klientel wird sich finden. Innen überzeugt eine saubere Verarbeitung, und eine weit nach vorn gesetzte Windschutzscheibe sorgt für Raumgefühl (Kofferraum: 178 bis 235 Liter) – auch wenn die Sitze etwas bequemer sein könnten.
Die fast einen Meter breiten Schiebetüren haben mehrere Vorteile: Sie schwingen auf Knopfdruck (per Fernbedienung) zur Seite – wenn die Hände durch Einkaufsackerl blockiert sind. Sie erleichtern den Einstieg enorm. Und: In engen Parklücken geht bei Kleinwagen nichts mehr – weil die Tür zum Aussteigen nicht mehr geöffnet werden kann. Besitzer eines 1007 können diese Parklücken nutzen, weil die Tür platzsparend nach hinten schwingt, der Fahrer aussteigen kann.
Fünf Sterne im Crashtest
Gleichzeitig räumen die Franzosen mit dem Vorurteil auf, dass Microvans die Ausstattung eines ukrainischen Linienbus haben müssen: elektrische, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, serienmäßiges ESP, serienmäßig sieben Airbags inklusive Knie-Airbag, große Fenster und dazu fünf Sterne im EuroNCAP-Crashtest. Der 1007 ist damit der sicherste seiner Klasse und verfügt über ein Fahrwerk, das auch eine sportlichere Gangart zulässt.
Zur Motorisierung. Das Lieblingskind der österreichischen Doppelnullkäufer ist (und dazu braucht man kein Prophet zu sein) der 68-PS-Diesel. In Kombination mit dem 1007 gilt aber: zu viel Speck, zu wenig Antrieb. Immerhin ist der 1007 mit 1168 Kilo Eigengewicht rund 150 Kilo schwerer als der 206er (allein die Türen wiegen 82 Kilo).
Das Schweigen des Löwen
Obwohl: Bei den ersten Testfahrten auf spanischen Bergstraßen konnte durch hohe Drehzahlen und Bleifuß eine brauchbare Reisegeschwindigkeit erzielt werden. Dann stieg der Verbrauch aber von angegebenen 4,4 Litern auf über acht (!) Liter. Das geht ebenso ins Geld wie der fehlende Partikelfilter (Stichwort: Strafsteuer).
Gut motorisiert ist der 1007 dagegen mit dem 1.6-Liter-Benziner (109 PS/18.100 Euro). Den gibtÂ’s wie den kleinen Bruder (1.4 Liter/73 PS/14.950 Euro) mit einer Art Tiptronic.
Auf Autobahnstrecken überzeugt der 1007 in allen Motorvarianten durch besondere Verschwiegenheit. Die aufwendige Dämmung arbeitet exzellent, Windgeräusche sind auf allen Plätzen des Viersitzers auch beim Diesel kaum zu hören.
Ein nettes Peugeot-Feature ist der „Cameleo“ – ein 18-teiliges Set, bestehend aus Sitzbezügen, Lüftungsdüsen und Armaturenbrettpolster (erhältlich in zwölf Farben). Mit den Austauschteilen kann das Styling des Innenraums in 15 Minuten geändert werden. Apropos Styling: Nett ist die Rückansicht des 1007 bei geöffneten Schiebetüren. Erinnert an Dumbo, den fliegenden Elefanten. Originell, irgendwie.