Daihatsu Sirion: Mit einem schüchternen Lächeln

Kleiner Frauenheld und preisgünstiger Stadtflitzer.

Es kommt nicht auf die Größe an. Behaupten zumindest die Japaner, und die müssen es wissen: Neben Korea und Italien ist das Land der aufgehenden Sonne für nette, preisgünstige Kleinwagen bekannt.

Jetzt ist es Zeit, diese Tradition fortzusetzen. Daihatsu bringt die nächste Generation des Sirion, der kaum Ähnlichkeiten mit dem pummeligen Vorgänger zeigt. Design­experimente blieben trotzdem aus: Die Front wurde sauber und gerade heruntergebügelt – ein unspektakuläres, aber zeitloses Design, umrahmt von klaren Linien.

Als typischer Kleinwagen will der Sirion vor allem Frauenherzen zum Schmelzen bringen. Der Japaner macht deshalb nicht auf Macho, sondern auf „einfach lieb“. Die leicht hochgezogenen, relativ großen Scheinwerfer mit dem breiten Schlitz unter der Motorhaube lassen die Front wie ein lächelndes Gesicht erscheinen – kein penetranter Dauergrinser, sondern ein aufmunterndes, vielleicht etwas schüchternes Lächeln.

Für Schüchternheit gibt es keinen Grund. Über die groß ausgeschnittenen Türen geht es bequem hinters Lenkrad oder auf den Rücksitz, wo zwei Erwachsene durchaus Platz finden. Im Innenraum dominiert nicht (wie bei vielen Kleinwagen) eine trostlose Plastikwüste. Interessante Details wie der Drehzahlmesser – er ragt wie ein Geweih aus dem Armaturenbrett – verbreiten einen Hauch von originellem Design, ansatzweise abgeschaut bei smart.

Auf den ersten Blick wirkt der großzügig dimensionierte, fast microvanartige Innenraum durchaus hochwertig. Auf den zweiten Blick zeigt sich, wo gespart worden ist: Die Passgenauigkeit der Fugen am Armaturenbrett ist eine eigene Geschichte und über die Verarbeitung des Handschuhfachs breiten wir besser ganz schnell den Mantel des Schweigens. Der Ganghebel macht auch nicht gerade den stabilsten Eindruck.

Dafür überrascht der Sirion auf der Straße. Mit seinem Vierzylinder-Motor (87 PS aus 1298 ccm) wieselt er recht agil und spaßig durch die Gassen, zwängt sich mit 3,6 Meter Länge in (fast) jede Parklücke und lässt sich gut um die Kurven wuchten. Das leichte Untersteuern sorgt dabei für den gewissen Kick, nachdem Daihatsu kein ESP anbietet.

Auf der Autobahn sinken die Mundwinkel leicht nach unten. Zwar liegt der Japaner bei höheren Geschwindigkeiten recht gut (Spitze: 170 km/h), die Lenkung könnte aber etwas ausgewogener/präziser sein. Gleichzeitig reagiert der Sirion bei Notbremsungen einen Hauch nervöser als mancher Konkurrent.

12.290 Euro stehen am Preiszettel, dafür gibt es eine absolut schmerzfreie Optik, richtig Fahrspaß und nur kleine Verarbeitungsschwächen.

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