Streit um Lehrer-Hochschulen "Eins zu eins das SP-Konzept" - PRO - PRO/CONTRA - CONTRA

Länderexperten stehen hinter Gehrer, Opposition läuft Sturm.

WIEN (ewi/pö). Im Konflikt um die Pädagogischen Hochschulen (PH) geht Ministerin Elisabeth Gehrer jetzt in die Offensive. Sie wisse nicht, warum die SPÖ ihre Gesetzesvorlage kritisiere, sagt sie und verweist auf eine Aussage des ehemaligen SP-Schulsprechers Dieter Antoni, der die in der großen Koalition geplante Umwandlung der Pädagogischen Akademien (Pädaks) in Hochschulen 1999 als rein sozialdemokratisches Konzept bezeichnet habe. Und eben dieses habe man nun "eins zu eins" umgesetzt.

Gehrer legt Wert auf die Feststellung, dass die Pädagogischen Hochschulen ab 2007 Hochschulstatus haben und wie Fachhochschulen und Universitäten Institutionen im tertiären Bildungsbereich sein werden. Dass der Bund und die Landesschulräte die Vertreter in den PH-Rat entsenden, sei richtig. "Ich darf erinnern, dass der Bund allein die Pädagogischen Hochschulen bezahlt." Doch auch am Freitag gab es kontroversielle Stellungnahmen zum PH-Gesetzesentwurf:

PRO[*] Die Landesschulratspräsidenten von Niederösterreich, Oberösterreich und Vorarlberg begrüßten das Gesetz, mit dem "ein EU-konformer Studienbereich" (Adolf Stricker/
Niederösterreich) geschaffen werde.
[*] Die Direktoren der Pädaks von Wien-Ettenreichgasse, Linz, Dornbirn und die Pädak-Bundesleitungskonferenz stellen sich ebenfalls hinter das Gesetz. "Eine pragmatische Lösung", sagt der Wiener Pädak-Direktor Manfred Teiner (ein SP-Mann), der langfristig einer Weiterentwicklung in Richtung Universität befürwortet.
[*] Die Schulreferentin der Erzdiözese Wien, Christine Mann, steht voll hinter dem Gesetz: "Es ist richtig gewichtet".

PRO/CONTRA[*] Christliche Lehrerschaft Österreichs (CLÖ): "Die Herausforderungen im Pflichtschulbereich lassen sich nur mit praxisnah ausgebildeten Lehrerpersönlichkeiten meistern", sagt Fran Michal, Obmann der 22.000 Mitglieder starken CLÖ. Pädagogisch-didaktische Fähigkeiten sollten an den PH wie bisher an den Pädaks intensiv geschult werden.

CONTRA[*] Erwin Niederwieser, SP-Bildungssprecher: Er vergleicht den Status der PH mit dem von berufsbildenden höheren Schulen. Sollte Gehrer den Entwurf nicht überarbeiten, würden SPÖ und Grüne im Bundesrat Einspruch erheben und den Verfassungsgerichtshof anrufen. "Notwendig ist ein Konzept, das autonome Hochschulen mit einem wissenschaftlichen Personal, das in Kooperation mit den Universitäten arbeitet, schafft, und das eine komplette Überleitung zu den Unis ermöglicht."
[*] Kurt Grünewald, Grünen-Wissenschaftssprecher: Lehrerbildung auf höchstem Niveau sei durch einen "Gesetzestext auf niedrigem Niveau" nicht garantiert: Die Grünen würden alles versuchen, um die Umwandlung der Pädaks in Hochschulen zu verhindern. Dass der PH-Rat vom Bildungsministerium (drei Mitglieder), der Landesregierung und dem Landesschulrat (je ein Mitglied) bestellt werden soll, hält Grünewald für "kaltschnäuzig und frech". Grünen-Bildungssprecher Dieter Brosz kritisiert, dass die Ausbildung der Pflichtschullehrer nur drei Jahre dauert - damit stellt Österreich neben Belgien das Schlusslicht in der EU dar.

Auch mit dem Niveau der Lehrer-Ausbildung bildet Österreich in Europa eine Ausnahme: Die getrennte Ausbildung von Pflichtschullehrern (Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnische Schulen) an den Pädaks und Lehrern an höheren Schulen (AHS, BMHS) an den Universitäten hat sich aus der Trennung in Hauptschule und AHS-Unterstufe ergeben, die international unüblich ist. Für die Volksschule bilden außer Österreich Belgien, Dänemark und Luxemburg ihre Lehrer nicht an Unis aus, in Litauen, Portugal und Polen gibt es dafür nicht-universitäre und universitäre Ausbildungen. In der Schweiz wurde die Ausbildung zuletzt auf Hochschul-Niveau gehoben. Für den Unterricht an den höheren Schulen erfolgt die Ausbildung nur in Belgien und Dänemark nicht an den Universitäten.


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