Österreicher entdecken Deutschland als Urlaubsziel

Tourismus. Berlin verzeichnete im vorigen Jahr um 40 Prozent mehr Reisegäste aus Österreich.

WIEN. Um 19 Euro mit Air Berlin von Wien nach Hannover. Um 25 Euro mit Germanwings nach Köln. Immer mehr Österreicher fliegen mit Billig-Airlines auf Schnäppchen-Urlaub nach Deutschland. Mittlerweile sprechen Tourismus-Experten von einem wahren Deutschland-Boom. "Wir haben im vergangenen Jahr bei Pauschalreisen nach Deutschland ein Plus von 109 Prozent erzielt", berichtet Andreas Zenker, Sprecher des Österreichischen Verkehrsbüros.

Heuer dürfte sich der Trend fortsetzen, weiß man im größten heimischen Tourismuskonzern. Im März war Deutschland hinter Griechenland, Italien, Türkei und Spanien an fünfter Stelle bei den Reisebuchungen, heißt es im Verkehrsbüro. Somit reihte sich Deutschland vor Ägypten und Kroatien mitten unter die Mittelmeerländer.

Den Grund für die plötzlich entdeckte Liebe zu Deutschland kenne die Reiseveranstalter sehr genau. "Billig-Fluglinien spielen dabei eine sehr große Rolle", sagt Nicole Fischer von der deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Billig-Airlines wie Air Berlin, German Wings, Hapag-Lloyd Express bescheren den Deutschen einen regelrechten Gäste-Ansturm. "Früher galt Deutschland als ein teures Reiseziel", sagt Knut Jörgen, von der DZT in Wien. Das stimmte, solange Austrian Airlines und Lufthansa ein de facto Monopol auf den Strecken zwischen Österreich und Deutschland hatten. Die Zeiten sind vorbei. Mittlerweile bieten auch die beiden Platzhirsche so manches Schnäppchen für den Urlauber an.

1,8 Mill. Reisen unternahmen die Österreicher im vergangen Jahr nach Deutschland. Das besagt der European Travel Monitor. 47 Prozent davon waren Urlaubsreisen, 23 Prozent entfielen auf Geschäftsreisen und 30 Prozent auf Verwandten- bzw. Bekanntenbesuche. Gegenüber 2003 stieg der Anteil der Urlaubsreisen um fünf Prozentpunkte. Das die Nächtigungen in Hotels betrifft, so verzeichnete man bei Gästen aus Österreich einen Zuwachs von 6,7 Prozent, heißt es bei der DZT. Heuer liegen die Zuwächse vorerst sogar bei zehn Prozent.

Der Reise-Hit ist derzeit Berlin. Die deutsche Hauptstadt verzeichnet einen Gäste-Zuwachs von knapp 20 Prozent. "Die Zahl der Gäste aus Österreich stieg im vorigen Jahr sogar um 40 Prozent", berichtet Knut Jörgen. Mittlerweile sind auch die ÖBB auf den Kurzurlauber-Zug aufgesprungen. "Um 29 Euro nach Berlin" lautet das Alternativangebot zu den Billig-Airlines.

Doch nicht nur Österreicher machen vermehrt Urlaub in Deutschland. "Der Tourismus in Deutschland boomt generell", berichtet Jörgen. Noch beliebter als bei den Österreichern sind deutsche Städtereisen zur Zeit bei den Schweizern.

"Bei den Schweizern kommt noch der günstige Euro gegenüber dem Franken hinzu", erzählt Jörgen. Das sei mit ein Grund warum 2004 um zwölf Prozent mehr Eidgenossen in Deutschland Urlaub machten als ein Jahr zuvor.

Die deutschen Tourismus-Strategen setzen auf das kulturelle Angebot. Die Werbebotschaft ist vor allem bei Paaren und Singles gut angekommen. Sehr zur Freude der deutschen Tourismuswirtschaft. Denn die Gäste aus dem Alpenland gelten als äußerst spendabel. Was beim Flug gespart wird, werde bei Nächtigung und Konsumation mehr ausgegeben, heißt es.

Zurück nach Österreich: Die meisten Pauschalreisen für den Sommerurlaub sind gebucht worden. Und die heimischen Reisebüros sind zufrieden. Beim Österreichischen Verkehrsbüro spricht man von einem Plus von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Das könnte nach dem 11. September 2001 erstmals wieder ein guter Sommer für die Reisebüros werden", sagt Zenker.

Die unumstrittene Nummer eins bei Pauschalreisen ins Ausland ist Griechenland. Nach den Olympischen Spielen in Athen, die im vergangenen Jahr die Preise ins astronomische steigen und die Urlaubsgäste in andere Mittelmeerländer umsteigen ließen, ist in der Ägäis heuer wieder ein anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis angesagt. Verlierer des Jahres dürfte heuer Spanien sein. Im Vorjahr profitierte das Land stark von den griechischen Preis-Eskapaden. Diesen Marktanteil dürfte sich Griechenland heuer wieder zurückholen.

Einziger Unsicherheitsfaktor für den Sommertourismus ist derzeit Ägypten. Im März verzeichnete man in den Filialen des Verkehrsbüros um 17,9 Prozent mehr Reisebuchungen nach Ägypten als im vergangenen Jahr. Doch dann kamen die Anschläge. Und nun heißt es abwarten. Noch reagieren die Österreicher gelassen. Der Sommerurlaub liegt in weiter Ferne. Doch weitere Terroranschläge am Nil könnten den österreichischen Reisebüros wieder einen Strich durch die derzeit so wunderschöne Sommerurlaubs-Rechnung machen.

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