Lifte öffnen früher. Am Freitag gehen fast überall die Skilifte in Betrieb - zwei Wochen früher als geplant. Experten sprechen bereits jetzt von einem Rekord-Winter.
WIEN. "Die Lifte sind seit halb neun Uhr früh in Betrieb." Am Semmering-Hirschenkogel hat am Mittwoch die Wintersaison begonnen. Am Freitag starten fast alle großen Skigebiete in die Wintersaison. Zwei Wochen früher als geplant. Einen Meter Neuschnee melden nicht nur die Tourismuszentren in Tirol und Salzburg. Auch der niederösterreichische Skiort Lackenhof ist tief verschneit.
Doch es ist nicht der Schnee in den Alpen, der die Wirtschaft ankurbelt. "Es ist der Schnee in den Städten", sagt Ernst Aichinger, Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer (WKO). Es geht nicht darum, dass Ende November alle auf die Pisten strömen. "Wenn es schneit, kaufen die Leute Winterausrüstung." Wifo-Tourismusexperte Egon Smeral betont: "Wenn es schneit, buchen die Leute früher den Winterurlaub in Österreich. Wenn es nicht schneit, geht's im Winter unter Umständen auf die Kanaren."
Freude über tiefe Temperaturen
Selbst für die Seilbahnwirtschaft ist nicht der Schnee, sondern sind vielmehr die tiefen Temperaturen ausschlaggebend, sagt Erik Wolf, Sprecher der Seilbahnwirtschaft in der WKO. Mit dem nun produzierten Kunstschnee sei Schneesicherheit praktisch garantiert. Für Skigebiete in Stadtnähe rechnet sich der um zwei Wochen frühere Saisonbeginn doppelt.
Smeral prognostiziert der Tourismuswirtschaft diesen Winter "vier bis fünf Prozent mehr Umsatz". Auf die Winter-Bilanz generell habe der frühe Schnee marginalen Einfluss. "Die Schlacht wird im Jänner und März geschlagen." In den Weihnachts- und Semesterferien seien die Tourismuszentren ohnehin ausgebucht. Entscheidend sei, "ob am 10.#Jänner Schnee liegt". Schlechte Schneeverhältnisse im Jänner bewirken das berüchtigte "Jännerloch". Leere Zimmer, voller Personalstand. Horrorszenario jedes Hoteliers.
Was für die Araber das Öl, ist für die Österreicher der Schnee. 21,2 Mrd. Euro, neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts, werden im Tourismus erwirtschaftet. Umgemünzt auf die Bevölkerung bedeutet das, dass 2004 pro Kopf 1516 Euro auf Tourismus-Einnahmen entfielen. Damit liegt Österreich an der Spitze der europäischen Industrieländer. In Italien werden pro Kopf 491 Euro, in Griechenland 414 Euro im Fremdenverkehr eingenommen.
20.000 Hektar Skipisten
Österreich verdankt seinen Wohlstand zu einem Gutteil dem Tourismus. Ein Wohlstand, der verteidigt werden muss _ mit Schneekanonen. Von den 20.000 Hektar Skipisten in Österreich werden mehr als 40 Prozent künstlich beschneit. 176 Mill. Euro geben die Seilbahnen jedes Jahr für Kunstschnee aus. Kein anderes Land macht sich den Winter in so hohem Maße selber. Allein im Land Salzburg stehen 1500 Kanonen an den Pisten.
Der Gast lässt sich diesen Komfort einiges kosten. 131 Euro gibt ein Skitourist im Schnitt pro Tag aus, berechnet die Österreich Werbung. Wirtschaftsforscher Egon Smeral spricht sogar von 160 Euro.
Trotzdem ist nicht alles Schnee was glänzt, im Wintertourismus. 45 Prozent der Nächtigungen entfallen auf deutsche Gäste, 22,5 Prozent auf Österreicher. Zwei Drittel des Geschäfts wird somit aus nur zwei Märkten generiert. Ein Risiko, das durch die wirtschaftliche Misere in Deutschland schlagend wird. Zu spät habe sich Österreichs Tourismus nach neuen Gästen umgesehen, kritisieren Experten. Zwar wird viel von den Zukunftsmärkten in Osteuropa gesprochen, "doch derzeit machen Osteuropäer 3,5 Prozent der Wintergäste aus", merkt Smeral an.