Finanzkrise

15 Jahre Lehman: Die Finanzkrise wirkt noch nach

Die Abwicklung des Insolvenzverfahrens der US-Investmentbank Lehman Brothers dauerte genau 14 Jahre und 13 Tage.
Die Abwicklung des Insolvenzverfahrens der US-Investmentbank Lehman Brothers dauerte genau 14 Jahre und 13 Tage. APA/AFP/Ben Stansall
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Vor 15 Jahren stockte der Finanzwelt der Atem und der Crash an der Wall Street löste eine globale Krise aus. Wie sind die Banken heute aufgestellt?

Wien. Am 15. September wird ein unrühmlicher Geburtstag gefeiert: 15 Jahre ist es mittlerweile her, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers in den Konkurs geschickt und eine globale Finanzkrise ausgelöst wurde. Es war nicht nur die größte Pleite in der Geschichte der Wall Steet, sondern markierte auch den Beginn einer der größten Umbrüche in der Finanzwelt. Denn die Kontrollen und Regulierung der Banken wurden daraufhin massiv ausgebaut. Die Risikofaktoren haben sich aber mittlerweile teilweise in andere Bereiche bewegt: Risiko kommt heutzutage beispielsweise auch aus einer negativen Dynamik, die nach Gerüchten auf Social-Media-Plattformen entstehen können.

„Wir haben absolut aus Lehman gelernt“, sagt Wifo-Bankenexperte Thomas Url und verweist dabei unter anderem auf die wesentlich höheren Kapitalvorgaben für heimische Banken, aber auch auf die im zweijährlichen Rhythmus durchgeführten Stresstests für systemrelevante Geldhäuser.

In der EU seien mehrere Institutionen zur Kontrolle von Finanzinstituten geschaffen worden, darunter das sogenannte Finanzmarktstabilitätsgremium, das als Teil des europäischen Systemic Risk Board eine vorausschauende Risikoabschätzung macht. Zuletzt führte dies zur Verschärfung der Regeln für die Kreditvergabe in Österreich. 

Strenge Kapitalvorschriften

Auch der Finanzmarktexperte und frühere Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek ist überzeugt, dass Lehren aus der Lehman-Pleite gezogen wurden. Neben strengeren Kapitalvorschriften, etwa mit den „Basel III“ genannten Vorgaben für Banken, habe das Risikomanagement einen „viel, viel höheren Stellenwert“ gewonnen und man wisse nun, dass es „fatal“ sei, zu glauben, dass der Wert von Immobilien immer nur steigen kann. Die Banken hätten auch aktuell bewiesen, dass sie einen plötzlichen starken Zinsanstieg gut wegstecken können. Grundsätzlich sei die Krise von 2008 vor allem eine Vertrauenskrise gewesen, sagt Brezinschek, weil die Banken sowohl einander als auch Großkunden kein Geld mehr liehen, selbst wenn sie genug finanzielle Mittel zur Verfügung hatten. Eine zentrale Erkenntnis aus den damaligen Problemen sei es daher, das Vertrauen in den Finanzsektor zu stärken.

„Das wertvollste Kapital, das Banken haben, ist das Vertrauen der Kunden und der anderen Geschäftsbanken“, hebt der frühere Raiffeisen-Banker hervor. „Man soll nicht herumzündeln und Misstrauen gegen das Finanzsystem säen“, denn ohne Banken würde das Wirtschaftssystem nicht funktionieren. Aber, gibt Brezinschek zu bedenken, „Krisen kommen immer dort, wo man sie nicht erwartet“. Auch wenn er keine akute Bedrohung sehe, sollte man etwa die unglaublich hohe Aktienbewertung mancher Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz oder die Lage der Immobilienwirtschaft in China im Auge behalten.

Der digitale „Bank-Run“

Krisen sehen heute wohl anders aus als im Jahr 2008. Einen „Bank-Run“ wie damals, dass also Menschen vor dem Bankschalter oder Bankomat Schlange stehen, gibt es durch die Digitalisierung nicht mehr. Das wurde etwa auch der Silicon Valley Bank zum Verhängnis: In wenigen Wochen sind dort enorme Mengen an Kapital via Online-Transaktionen abgeflossen.

Auch wenn einige US-Banken zuletzt untergegangen sind, von einer Bankenkrise könne man unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht reden, sind sich Url und Brezinscheck jedenfalls einig. Es seien nur „Boutiquen-Banken“ betroffen, wie es Url nennt.

Die Silicon Valley Bank etwa war auf die Verwaltung von Einlagen von Start-ups spezialisiert und bekam teilweise von einzelnen Kunden nach einer Finanzierungsrunde Milliardenbeträge – genau diese wurden dann aber in der Krise sehr auch schnell wieder abgezogen. (APA/sub)

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