Vogelgrippe: "Nur keine Panik"

VIREN-GEFAHR: Die EU glaubt, alles Nötige zur Eindämmung der Seuche getan zu haben.

WIEN/LUXEMBURG. "Nur keine Panik" - das meinte am Dienstag Außenministerin Ursula Plassnik am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Luxemburg, bei der es auch ums Thema Vogelgrippe ging. EU-Gesundheits-Kommissar Markos Kyprianou ergänzte, man habe die nötigen Schritte gesetzt, um eine Epidemie in Europa zu verhindern; es sei aber möglich, dass das Virus weitere EU-Länder erreiche. sDer britische Außenminister und EU-Ratspräsident Jack Straw sagte, es gebe derzeit keine Bestätigung für ein Übergreifen der Vogelgrippe auf Menschen _ und warnte ebenfalls vor Panik.

Schelte gab es von der Kommission für die Mitgliedstaaten: Die meisten hätten nicht genug getan, um _ wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen _ ein Viertel der Bevölkerung mit der Anti-Viren-Droge Tamiflu zu versorgen.
Montag hatte es erstmals Vogelgrippe-Verdacht in der EU gegeben: auf drei griechischen Inseln. Ob es die für Menschen gefährliche Variante H5N1 ist, soll nächste Woche klar sein. Neue Verdachtsfälle gibt es in Rumänien, wo H5N1 schon vorige Woche auftrat. Alarm auch in Russland: In Tula, 150 km südlich Moskaus, starben in den vergangenen Tagen hunderte Hühner, Enten und Gänse.

Wanderrouten über Österreich?

Wie könnte sich die Seuche von Südosteuropa ausbreiten? Die Einfuhrsperre der EU für Vögel und Geflügelprodukte aus Rumänien und der Türkei sollte die Verbreitung über kommerzielle Routen blockieren. Die Viren dürften aber über Zugvögel aus Sibirien eingeschleppt worden sein.

Österreich sei nicht im Einzugsbereich dieser Routen, so Gabor Wichmann, Ornithologe der Vogelschutz-Organisation "Birdlife", zur "Presse". Auch von infizierten Vögeln, die in Rumänien überwintern, drohe kaum Gefahr: "Die sind standorttreu. Die Krähen in Wien fliegen ja auch aus dem Umland ein, nicht aus Bregenz." Das Virus werde wohl kaum über den Balkan nach Österreich kommen.

Problemfall Steppenmöwe

Allerdings gebe es "Problemfälle": Die "Steppenmöwe", die an der Donau überwintert, fliege derzeit von Griechenland über Österreich nach Norden. Zudem fliege der Graustorch im Frühjahr von Nordafrika über den Bosporus nach Österreich. Sollten diese Vögel unterwegs an H5N1 erkranken, könnten sie aber Österreich nicht erreichen, da sie zuvor wohl sterben würden.

Der Pathologe Gerhard Loupal (Veterinärmedizinische Uni Wien) warnt, dass Vogelgrippe nicht auf Hühner, Truthähne und anderes Geflügel beschränkt sein müsse: Alle Wildvögel seien gefährdet _ Tauben inklusive.
Roche, der Hersteller von Tamiflu, überlegt derweil, der indischen Firma Cipla eine Lizenz zur Fertigung des Medikaments zu erteilen. Roche ist durch massenhafte Bestellungen in einen Produktionsengpass geraten. Die schwedisch-holländische Chemie- und Pharmagruppe Akzo Nobel hat indes angekündigt, eine Impfung gegen den Vogelgrippetyp H5N1 zu entwickeln, die dauerhaft immunisiert. Tests soll es erst 2006 geben.

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