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illi Bründlmayer hat eine eigene Gabe, über seine Weine zu sprechen. Wenn man da nicht weiß, dass man es mit einem Winzer zu tun hat, man könnte glauben, da redet ein Psychologe - oder ein Experte auf dem Gebiet des Sozialdramas. Wenn der Langenloiser etwa von seinem großartigen Jahrgangssekt "Bründlmayer Brut 2002" erzählt, dann fallen Sätze wie: "Man braucht ein bisschen Wärme als Kontrast zur kühlen, metallischen Kohlensäure."
Jetzt heißt das natürlich nicht, dass er den Sekt aufwärmt. Wärme ist da natürlich rein metaphorisch gemeint. Denn die Wärme kommt vom Pinot Noir, sagt Bründlmayer. Ein Drittel seines Sekt besteht daraus. Der Rest ist Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder. Die Sekt-Produktion gewinnt im Hause Bründlmayer immer mehr an Bedeutung. "Mittlerweile macht es mengenmäßig knapp zehn Prozent aus", erzählt der Winzer. Und es werde kontinuierlich mehr.
Das ist gut so. Zählt "Bründlmayer Brut" doch längst zum Besten, was es hierzulande an Sekt zu trinken gibt. Und nicht nur hierzulande. Er braucht den Vergleich zu seinen französischen Kollegen keineswegs zu scheuen. Schon gar nicht, wenn es ums Preis-Leistungs-Verhältnis geht.
Die Sekt-Herstellung ist für den Winzer nicht nur um einiges aufwendiger als die Weinproduktion, sie bindet auch Kapital. "Immerhin dauert es von der Ernte bis zum Verkauf drei Jahre", erzählt Bründlmayer. Der Wein bleibt 18 Monate in Kontakt mit der Hefe. Dann wird er natürlich händisch gerüttelt. Beim "warm" Degorgieren wird übrigens ein 83er Weißburgunder Spätlese als Basis für den Liqueur d'Expédition verwendet. Das soll dem Sekt "einen zusätzlichen Reifepunkt" verleihen, meint Bründlmayer.
Ab dem Degorgieren, also dem Entfernen der Hefe aus der Sektflasche, beginnt der Sekt zu reifen. In der Regel werde der Sekt "drei Jahre lang besser", meint Bründlmayer. Sein "Brut 2002" sei also eigentlich erst nächstes Jahr optimal zu trinken. Nach 2007 wird es dann ein bisschen ein Lotteriespiel. "Aber für Leute, die den Wein dahinter suchen, macht es schon Sinn, auch den Sekt länger zu lagern", meint Bründlmayer. Und schon wird's wieder psychologisch. Weil während der durchschnittliche Weinfreund den Sekt frisch und prickelnd liebt, suchen Psychologen und Sozialdramatiker erst Jahre später den "Wein dahinter".
"Bründlmayer Brut" ist unter anderem bei Wein & Co und bei Unger und Klein in Wien erhältlich.