Die Regierungspartei ist weit von der 50-Prozent-Marke entfernt. Eine Mehrheit der Befragten hält die Korruptionsermittlungen für gerechtfertigt.
Lange Zeit haben die türkischen Wähler ihrem islamisch-konservativen Premier Recep Tayyip Erdogan die Stange gehalten. Doch die jüngste Korruptionsaffäre und die offensichtlichen Versuche der Regierung, die Ermittlungen zu hintertreiben, haben zu einem regelrächten Absturz
Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP hat in einer Untersuchung des Instituts Sonar rund acht Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2011 verloren und kam nur noch auf 42,3 Prozent. Bis zum Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe im Dezember hatte sich die AKP in den Umfragen bei durchschnittlich 50 Prozent halten können.
In der Umfrage äußerte eine Mehrheit der rund 3000 befragten Wähler zudem Unterstützung für die Korruptionsermittlungen gegen die Regierung, die vor Weihnachten Publik geworden waren.
Laut Sonar sind zwei von drei Türken überzeugt, dass es in der Umgebung der Regierung Korruptionsfälle gibt. Rund 60 Prozent der befragten Wähler sagten, die Korruptionsermittlungen seien gerechtfertigt. Knapp 58 Prozent äußerten Kritik an der Versetzung von Polizisten und Staatsanwälten in den vergangenen Tagen.
Unliebsame Polizisten werden entfernt
Istanbuler Staatsanwälte hatten dutzende Verdächtige festnehmen lassen, darunter auch die Söhne von zwei Ministern (der Sohn eines dritten Ministers wurde bald wieder freigelassen). Bei dem Skandal geht es unter anderem um die Bestechung von Politikern, um illegale Goldgeschäfte der staatlichen Halkbank mit dem Iran zu verheimlichen, sowie um illegale Bauvorhaben.
Erdogan betrachtet die Ermittlungen als politisch motivierte Aktion regierungsfeindlicher Kräfte im Staatsapparat mit dem Ziel, der AKP vor den Kommunalwahlen am 30. März zu schaden. Er vermutet das einflussreiche Netzwerk des in den USA lebenden Predigers Fetullah Gülen hinter der Aufdeckung des Skandals. Deshalb hat die Regierung damit begonnen, Polizisten, die sie ihren Gegnern zurechnet, des Dienstes zu entheben oder zu versetzen. Davon betroffen waren auch der stellvertretende Polizeichef der Türkei und die Polizei-Präsidenten mehrerer Provinzen.
(APA/AFP)