Um gegen den Onlinehandel zu bestehen, sind neue Konzepte nötig. Die einen versuchen es mit Luxus, die anderen setzen auf temporäre Ladeneinheiten.
Vor zwei Jahren machten die Onlineanteile des österreichischen Einzelhandelumsatzes gerade einmal ein Zwanzigstel aus. Ende 2013 waren es zehn Prozent, und in rund zehn Jahren wird laut RegioData, Spezialist für regionale Markt- und Wirtschaftsdaten, bereits jeder vierte Euro Umsatz online lukriert werden. „Wir stehen vor einer massiven Veränderung des Einzelhandels. Es ist denkbar, dass zum Beispiel Shoppingcenter künftig in erster Linie Orte der Warenpräsentation und der Kommunikation sein werden, während die Kaufakte und -abschlüsse viel stärker online stattfinden“, erklärt RegioPlan-Geschäftsführer Wolfgang Richter.
Daraus generell einen Niedergang des stationären Einzelhandels zu folgern greift allerdings zu kurz. Stimmt die Qualität des Angebots, können auch neue Einzelhandelsflächen erfolgreich sein. In Wien etwa wird 2014 mit einer Erweiterung des Flächenangebots um zumindest 50.000 Quadratmeter gerechnet. Verantwortlich dafür zeichnen im Norden und Westen der Bundeshauptstadt das Großprojekt City Gate im 21. Bezirk, die Vergrößerung des Auhofcenters und die für Herbst geplante Eröffnung des Einkaufszentrums Bahnhof-City am Hauptbahnhof.
In Slippers zu Louis Vuitton
Um sich im Match gegen den Onlinehandel zu behaupten, müssen laut Experten allerdings vermehrt neue Wege gegangen werden – vor allem in umkämpften Stadtlagen. „Deutlich wird dies insbesondere im Stadtzentrum, am Beispiel des Goldenen Quartiers in den Tuchlauben. Hier entstehen insgesamt mehr als 11.500 Quadratmeter im Luxussegment, die zu Höchstpreisen an führende internationale Ketten vermietet werden“, so EHL-Immobilien-Einzelhandelsspezialist Jörg Bitzer. Luxus-Einzelhandelsimmobilien als Nische, in der dem virtuellen Angebot die Stirn geboten werden kann? Christoph Stadlhuber, CEO der Signa Prime Selection AG, ist davon überzeugt: „Mit ihrer Rekordanzahl an Kongressen ist die Stadt für den Ausbau an Luxusangeboten geradezu prädestiniert. Insbesondere die Attraktivität der Innenstädte steigt so für den Handel wieder.“ Damit die Besucher ihre Luxuseinkäufe möglichst bequem und stressfrei erledigen können, hat Signa auch ein entsprechendes Hotel mitkonzipiert: „Wir wollen, dass unsere Gäste im Pyjama und in Slippers zum Louis Vuitton einkaufen gehen“, meint Stadlhuber selbstbewusst. Neue Vertriebsformen dürften sich künftig auf dem heimischen Markt auch abseits des Luxussegments bemerkbar machen. „Sogenannte Pop-up-Stores werden langsam aber sicher den Umsatz in den traditionellen Einzelhandelsstrukturen anknabbern“, glaubt Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von EHL. Gemeint sind temporäre Ladeneinheiten, die – oft unangekündigt – an ungewöhnlichen Orten „aufpoppen“ und nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Die Anbieter machen sich dabei das Prinzip der künstlichen Verknappung zunutze und fokussieren auf eine Zielgruppe an Konsumenten, die von der Neugierde getrieben ein einzigartiges Einkaufserlebnis suchen. Im Unterschied zu dauerhaften Ladenbaukonzepten wird häufig auf eine ebenso aufwendige wie kostspielige Geschäftsausstattung verzichtet. Für den Geschäftsbesitzer ergibt sich der Vorteil, keine langfristigen Mietverträge eingehen zu müssen. „Eine ideale Spielwiese, um neue Produkte oder Konzepte auszutesten“, bemerkt dazu Richter.
Erste Pop-up-Mall in Wien
In Wien soll dies erstmals im Frühjahr in der Nähe des Wiener Rochusmarktes im dritten Bezirk vorexerziert werden. Dort soll nach London und Paris die erste Pop-up-Shoppingmall im deutschsprachigen Raum errichtet werden. Geplant ist eine Agglomeration von neun mobilen Containern – acht Einheiten für Händler und Markenartikelhersteller, eine für Gastronomie – zu je 25 Quadratmetern Verkaufsfläche. „Mit umgebauten Cargo-Containern schaffen wir ein Guerilla-Baukastensystem, das laufend neue Standorte und temporäre Räume erobern soll – egal, ob in einer innerstädtischen Baulücke oder auf öffentlicher Freifläche“, skizziert Pop-up-Mall-40Bloxx-Projektinitiator Clemens Hromatka sein Szenario der Einzelhandelszukunft.
Ungeachtet der zunehmenden Konkurrenz durch den Onlinehandel kommen in Wien auch 2014 neue Handelsflächen hinzu, etwa im Rahmen von Großprojekten wie dem City Gate im 21. Bezirk oder der Bahnhof-City am Hauptbahnhof.
Daneben versucht sich der stationäre Handel mit Nischenthemen zu differenzieren. So soll etwa bis Ende 2014 in der Innenstadt das Goldene Quartier mit 11.500 Quadratmetern Fläche für Shops im Luxussegment fertiggestellt werden, am Rochusmarkt die erste Pop-up-Mall eröffnen. Letzeren prognostiziert der Immobiliendienstleister EHL eine große Zukunft.