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WU-Ball: Einmal einen Ball erleben

WU-Ball
WU-BallClemens Fabry
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Der WU-Ball fand zum 20. Mal statt. Das freut ausländische Gäste, die das Fest dazu nutzen, erstmals einen Ball nach Wiener Tradition zu besuchen.

Wer einmal schon auf dem WU-Ball war, der wird schnell merken: Es gibt hier zwei Arten von Gästen. Die, die gefühlt schon immer da waren. Dazu zählen beispielsweise der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, seine Wiener Kollegin, Kammerchefin Brigitte Jank, oder aber Unternehmer wie Mondi-Europa-Chef Peter J. Oswald oder Henkel-CEE-Chef Günter Thumser. Letzterer hat fast noch nie einen Ball seit der eigenen Studentenzeit versäumt.

Als diese Besucher am Samstag zum 20. WU-Ball in der Wiener Hofburg den Ehrengästeraum betraten, gab es wie immer ein großes Hallo. Man kennt sich seit Jahren, ist zum Teil befreundet und freute sich über das Wiedersehen.

Und dann gibt es jene Besucher, die sich neugierig umsehen, hier (noch) nicht zum Inventar gehören. Es sind die Gäste aus dem Ausland und Botschafter, die in Österreich tätig sind. Sie nutzen den WU-Ball, um ihren ersten Ball nach Wiener Tradition, also in der Hofburg, zu besuchen. Waren im Vorjahr noch die britische Botschafterin Susan Jane le Jeune d'Allegeershecque und der indische Botschafter Ramachandran Swaminatha als Neulinge aufgefallen, kam diese Rolle dieses Jahr anderen zu. Zum Beispiel Ramzy Ezzeldin Ramzy, Botschafter der Arabischen Liga, und Ali Khalfan Al-Mansouri, Botschafter von Katar. „Es ist wie in einem Traum“, sagte Letzterer. Nur Walzer tanzen wollten er und Frau Kholoud noch nicht. „Im ersten Jahr schauen wir nur“, sagte er.

Dem WU-Ball kommt dabei vor allem zugute, dass er eher zu Beginn der Ballsaison stattfindet, daher nicht viel Konkurrenz hat. Es ist medial weniger los als auf dem Opernball, und er ist legerer als die doch eher förmlichen Bälle der Juristen oder Ärzte. Was nur logisch ist, wird er doch vorwiegend von Studenten der Universität besucht.

Und bei ihnen findet im Großen statt, was im Kleinen bei den Ehrengästen passiert. Unzählige Austauschstudenten rauschten am Samstag durch die Gänge. Die Frauen posierten in ihren bodenlangen Kleidern. Ein Blitzlichtgewitter entstand durch Smartphones und Kompaktkameras. Fotos, die auf Englisch, Französisch oder Polnisch und mit spitzen Entzückungschreien kommentiert wurden. Aus dem Erdgeschoß wummerte nach Mitternacht der Bass der Disco und der Sound der Volkspopband Wilde Kaiser. Die Säle waren gut gefüllt, die Organisatoren sprachen von einer Rekordkulisse von etwa 4800 Besuchern. Es wurde – ganz in studentischer Manier – ausgelassen getanzt, getrunken, gesungen, geflirtet und geknutscht.

Zu dieser späten Stunde waren freilich nicht mehr allzu viele der eingangs genannten Ehrengäste zu sehen, aber das junge Publikum zog sie definitiv an. „Es war unser erster Ball, er ist jung und wir hatten hier am meisten Spaß“, erklärte die britische Botschafterin Susan Jane le Jeune d'Allegeershecque, weshalb sie mit ihrem Mann Stéphane wiedergekommen war.

Ebenfalls gesehen: Mahmouud Hassan Elamin, Botschafter der Republik Sudan, und Günther A. Granser, Botschafter des Souveränen Malteser-Ritterordens bei den Vereinten Nationen.

Auch Fred Martin, ehemaliger Kampagnenmanager von Ex-US-Vizepräsident Al Gore, hat es wieder mit Frau Daniela zum Ball geschafft. Und in diesem Jahr gleich seine zwei Söhne mitgenommen. Freilich, nicht ohne vorher in einer Wiener Tanzschule seine Walzerkünste aufgefrischt zu haben. Wenn schon einen Wiener Ball erleben, dann eben richtig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2014)