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EU-Geld für griechische Skandalbank

GREECE BANK CORRUPTION
GREECE BANK CORRUPTIONAPA/EPA/ALKIS KONSTANTINIDIS
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Ein neuer Finanzskandal erschüttert Griechenland. Am Wochenende wurde der Ex-Chef der Postbank verhaftet. Das von der EU gerettete Institut soll Millionen veruntreut haben.

Wien/Athen. Die Postbank gehört zu den ältesten und bekanntesten Finanzinstituten in Griechenland. Denn sie ist auch auf entlegenen Inseln mit Filialen vertreten. Der griechische Bankenrettungsfonds rettete das Institut mit fünf Milliarden Euro vor der Pleite. Das Geld stammt unter anderem von der Europäischen Union und vom Internationalen Währungsfonds.

Nun steht die Postbank im Mittelpunkt eines Finanzskandals. Am Wochenende wurde der Ex-Chef in Istanbul verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, bei den Betrügereien eine Schlüsselrolle gespielt zu haben. In Summe hat die Staatsanwaltschaft in Athen gegen 25 Personen Anklage erhoben. Darunter befinden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Medien. Diese bestreiten die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft gibt in ihrem Bericht detailliert an, wie die Postbank unter anderem zwischen 2007 und 2012 diverse Kredite ohne ausreichende Garantien vergeben hat. Das Ganze soll unter anderem dazu gedient haben, dass sich gewisse Personen bereichern konnten. Manager der Bank sollen bei der Kreditvergabe wichtige Vorschriften missachtet haben. Der Schaden soll sich vorerst auf 400 bis 500 Millionen Euro belaufen. Griechischen Medienberichten zufolge handelt es sich hier aber nur um die Spitze des Eisbergs. Denn die Ermittlungen gehen weiter.

 

Angeklagte wehren sich

Brisant ist, dass auch die Geschäftsführerin des griechischen Bankenrettungsfonds angeklagt ist. Aufgabe des Fonds ist es, mit den EU-Krediten die griechischen Finanzkonzerne zu sanieren.

Die Geschäftsführerin des Fonds war für kurze Zeit im Top-Management der Postbank. Sie betont, sich immer an die Gesetze gehalten zu haben. Die Opposition verlangt ihren Rücktritt. Doch die Athener Regierung will davon nichts wissen.

Angeklagt ist auch Dimitris Kontominas, einer der prominentesten Unternehmer des Landes. Ihm gehört unter anderem Alpha TV, einer der führenden privaten Fernsehsender Griechenlands. Bei ihm geht es nicht um faule Kredite– die Postbank soll Kontominas eine Beteiligung zu einem überhöhten Preis abgekauft haben.

Kontominas gehörten Anteile an einer Kreditkartenfirma. Die Bank soll dafür das Sechsfache des Marktpreises bezahlt haben. Der Unternehmer betont aber, alles sei korrekt abgelaufen.

 

Staat haftet für faule Kredite

In Griechenland sind Politiker, Unternehmer und Medienleute eng vernetzt. Der Skandal soll nur möglich gewesen sein, weil der Staat an der Postbank beteiligt war. Der Chef des Instituts wurde einst von der jeweiligen Regierung ernannt.

Alle Versuche, die Postbank zu verkaufen, scheiterten. Daher musste der griechische Bankenrettungsfonds einspringen. Dieser lagerte die faulen Kredite in eine Bad Bank aus. Die gesunden Teile der Postbank wurden im Vorjahr von der Athener Eurobank übernommen. Für die Bad Bank muss weiterhin der griechische Staat aufkommen.

Mit der Postbank handelt es sich bereits um den dritten Finanzskandal, der im Zuge der Griechenland-Krise bekannt wurde. Die Ermittler nahmen auch die Geschäfte der Proton-Bank und der First Business Bank unter die Lupe. Die Vetternwirtschaft ist allerdings nicht auf den Finanzsektor beschränkt.

Zu Jahresbeginn flog ein Schmiergeldskandal bei Rüstungsgeschäften auf. Agenten ausländischer Waffenfirmen sollen Schmiergeld bezahlt haben. Die Millionen sollen über Konten von Schweizer Banken geflossen sein.

AUF EINEN BLICK

Finanzskandal. Die Staatsanwaltschaft in Athen hat im Zusammenhang mit dubiosen Geschäften bei der griechischen Postbank gegen 25 Personen Anklage erhoben. Darunter befinden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Medien. Die Betroffenen bestreiten alle Vorwürfe. Die Postbank soll Kredite ohne ausreichende Garantien vergeben haben. Damit sollen sich gewisse Personen bereichert haben. Die Chefs der Postbank wurden einst von der Regierung ernannt. Der Staat war an dem Institut beteiligt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2014)