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Mann vor Explosion erschossen

APA/EPA/HERBERT NEUBAUER
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Nach einer Handgranatenexplosion in Wien-Ottakring, bei der ein Lokalpolitiker und ein Deutscher getötet wurden, ist nun klar: Es war kein Unfall, sondern ein Gewaltverbrechen.

Wien. Spektakuläre Wende nach der Explosion einer Handgranate in einem Pkw in Wien-Ottakring, bei der am Sonntag ein oberösterreichischer SPÖ-Lokalpolitiker und ein deutscher Staatsbürger getötet wurden – beide saßen in dem Geländewagen, als die Handgranate im Inneren detonierte. Wurde anfangs über einen Unfall spekuliert, steht seit Dienstag fest: Es handelt sich um ein Gewaltverbrechen. Bei der gerichtsmedizinischen Obduktion wurde festgestellt, dass der österreichische Staatsbürger Zlatko N. mehrere Schussverletzungen aufwies – er war bereits tot, als die Handgranate explodierte. „Das Unfallszenario ist vom Tisch“, formulierte es Polizeisprecher Thomas Keiblinger gegenüber der „Presse“.

 

Mehrere Szenarien

Ob es sich um Mord und Suizid handelt, oder ob die beiden Männer einem Anschlag zum Opfer fielen, ist aber noch offen – es gibt mehrere Szenarien. Zlatko N. könnte am Fahrersitz von dem Deutschen erschossen worden sein, der daraufhin die Handgranate gezündet hat und es nicht schaffte, das Fahrzeug rechtzeitig zu verlassen. Er könnte auch den SPÖ-Lokalpolitiker getötet und danach mit der Handgranate Suizid begangen haben. Dafür spricht, dass die Polizei derzeit keine Hinweise auf weitere Täter hat. Beide Opfer sind bisher polizeilich nicht aufgefallen, und nach dem aktuellen Ermittlungsstand gibt es keine Verbindungen der Opfer zu Mafiakreisen. Auch war der Lokalpolitiker in der Gemeinde Mondsee nicht in umstrittene Großprojekte verwickelt, sondern nur in einem Ausschuss für Kanal, Wasser, Jagd, Umweltfragen vertreten.

Was gegen einen Mord mit anschließendem Suizid spricht: Die Ermittler müssten jene Waffe im Inneren des Fahrzeugs finden, mit der Zlatko N. getötet wurde. Bisher ist diese Waffe allerdings nicht aufgetaucht, was für einen Täter von außen spricht. Spekulationen gibt es auch rund um das Umfeld von Zlatko N. (er besaß Firmen in der Slowakei und in Österreich, unterhielt Geschäftsbeziehungen nach Bosnien) – ein Geschäftspartner wurde vor einiger Zeit wegen Drogenhandels verurteilt. Er war bereits einschlägig vorbestraft.

Unklar ist, ob der Politiker direkt im Auto oder bereits zuvor getötet wurde. Auch die Frage, was den Deutschen (er wohnte in Salzburg) und den Österreicher (er wohnte in Oberösterreich) verbunden hat, und warum beide in Wien waren, muss noch geklärt werden.

Allerdings relativiert die Polizei alle Spekulationen. Durch die Explosion könnte die Waffe in viele Teile zersplittert sein, die sich im Motorraum verteilt haben, so ein Ermittler. Dieser Bereich müsste erst untersucht werden – es gebe derzeit keine Hinweise, in welche Richtung es gehe. Denn die Untersuchung des Wracks sei mühsam, da die Handgranate massive Zerstörungen angerichtet hat.

In seiner Heimatgemeinde galt der Lokalpolitiker, der eine Eigentumswohnung im Zentrum besaß, als beliebt – von Feinden oder dubiosen Geschäften, so SP-Vizebürgermeister Franz Vockner, habe man in den rund zehn Jahren, in denen er dort wohnte, niemals etwas gehört.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2014)