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Schillerplatz-Deal: Sundt unter Druck

09 01 2014 Landesgericht fuer Strafsachen Wien AUT Prozess rund um ehemalige Telekom Vorstaende
(c) imago/Eibner
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Angeklagte Chefin des ÖBB-Personenverkehrs, Birgit Wagner, weist alle Vorwürfe zurück; eine Zeugin belastet Ex-Telekom-Generaldirektor Heinz Sundt.

Wien. Ihr Wechsel von der Immobilienabteilung der Telekom Austria (TA) ins Immobilienmanagement der ÖBB sei ihr 2008 gewissermaßen passiert. Sie habe sich nur beworben, um einmal eine solche Bewerbungssituation zu erleben und um später, nach Abschluss eines Studiums, bei ihrer weiteren Jobsuche gewappnet zu sein. Doch es kam eben anders, wie die derzeitige Chefin des ÖBB-Personenverkehrs, Birgit Wagner, am Dienstag ihrer Richterin erzählt.

Zu ihrer „großen Überraschung“ habe sich der Headhunter damals für sie entschieden. Mit dem Verkauf der Wiener Luxusimmobilie Schillerplatz 4 durch die Telekom an eine Gesellschaft des seinerzeitigen ÖBB-Chefs Martin Huber und dessen Frau Barbara habe ihr Jobwechsel aber gar nichts zu tun gehabt.

Dienstag, dritter Verhandlungstag im Untreueprozess um den Schillerplatz-Deal: Wagner wird als Angeklagte einvernommen. So wie die Ex-Telekom-Spitzen Heinz Sundt (zur Tatzeit 2006 Generaldirektor), Stefano Colombo (damals TA-Finanzvorstand), das Ehepaar Huber, der Architekt K. und ein weiterer Ex-TA-Manager weist Wagner alle Vorwürfe zurück. „Niemals“ habe sie bei K. ein rückdatiertes Gutachten zum Verkehrswert der Immobilie bestellt. Somit habe sie auch „niemals“ ein Beweismittel fälschen lassen.

Kern der Anklage ist der Umstand, dass die oberen Etagen der Wiener Luxusimmobilie Schillerplatz 4 Ende 2006 von der TA um 5,4 Millionen Euro – und damit laut Staatsanwalt um 4,4 Millionen Euro unter Wert – verkauft wurden. So hätten Sundt und Colombo Untreue zum Nachteil der TA-Aktionäre begangen. Huber und seine Frau, die Käufer, sollen sich an der Untreue beteiligt haben. Gut ein Jahr später verkaufte das Paar die Immobilie um das Doppelte.

Dienstagnachmittag bringt eine ehemalige TA-Juristin als Zeugin Sundt und den Architekten K. unter Druck. Sundt habe den Verkaufspreis der Immobilie fix vorgegeben. Der Architekt wiederum habe mehrfach minderwertige Verkehrswertgutachten erstellt.

 

Den „Blödsinn“ unterzeichnen

Dass Sundt den Preis diktiert habe, sei ihre Erkenntnis aus einem Gespräch mit Wagner. Diese habe nämlich durchaus emotional gemeint, dass Sundt den – offenbar zu niedrigen – Preis vorgegeben habe. Auf Nachfrage von Richterin Claudia Moravec-Loidolt wiederholt die Juristin nun, dass der Name Sundt in diesem Gespräch mit Wagner mehrmals gefallen sei.

Weiters bestätigt die Zeugin, dass sich der verantwortliche TA-Prokurist Wolfgang Frauenholz (er ist mittlerweile schwer erkrankt und kann nicht befragt werden) geweigert habe, den Kaufvertrag zu unterschreiben. Der Prokurist habe gemeint, diesen „Blödsinn“ solle Sundt selbst unterschreiben. Am Donnerstag wird weiterverhandelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2014)