Der scheidende US-Notenbankchef zog eine positive Bilanz seiner Amstzeit. Mit seinen Kritikern rechnet er ab.
Der scheidende US-Notenbankchef Ben Bernanke hat seine Krisenpolitik gegen Kritik verteidigt. Die Staatsanleihenkäufe zum Ankurbeln der Wirtschaft seinen erfolgreich gewesen, sagte Bernanke am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Denkfabrik Brookings Institution in Washington.
Er hat in seiner Ende des Monats auslaufenden Amtszeit die Fed-Bilanz mit enormen Geldspritzen auf fast vier Billionen Dollar (drei Billionen Euro) aufgebläht. Bernanke rechnete nun mit seinen Kritikern ab, die ihm vorwerfen, mit der Geldflut die Saat für künftige Marktblasen zu legen und Inflation Vorschub zu leisten.
Auch in den 1930er Jahren sei die Fed während der Großen Depression angefeindet worden. "Daher war es nicht überraschend, dass es wieder zu populistischen Reaktionen gekommen ist", sagte Bernanke. Die Unabhängigkeit der Notenbank sei eines ihrer entscheidenden Merkmale, betonte er. Er hoffe, dass sich die Aufregung über das Vorgehen der Notenbank legen werde.
Prognosen sind, das ist bekannt, vor allem ein Problem, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber zu wirtschaften bedeutet eben auch, seine Handlungen auf die Zukunft auszurichten. Und auch die prominentesten Wirtschaftsgrößen geben immer wieder unglaubliche Fehlprognosen ab. von Nikolaus Jilch EPA
Der scheidende Fed-Chef Ben Bernanke ist inzwischen geradezu berüchtigt für seine Vorhersagen. 2005 beantwortete er die Frage, ob US-Immobilienpreise je fallen könnten so: "Das ist sehr unwahrscheinlich". Zwei Jahre später platzte die Subprime-Blase, die US-Immopreise fielen wie ein Stein ... Reuters
... Aber Bernanke ließ sich seinen Optimismus nicht nehmen. So sagte er noch im Jänner 2008: "Die Federal Reserve sieht derzeit keine Rezession kommen." Ein paar Monate später waren die USA in einer der schlimmsten Rezessionen seit Jahrzehnten. REUTERS
Die Fehltritte des Fed-Chefs sind relativ unbedeutend im Vergleich zu seinen Kollegen im Weißen Haus. So sagte US-Präsident Herbert Hoover im Jahr 1928: "Die Vereinigten Staaten sind näher dran am endgültigen Triumph über die Armut als je zuvor." Weniger als ein Jahr später begann die Weltwirtschaftskrise. US-Aktien verloren 80 Prozent ihres Wertes während Hoovers Präsidentschaft.
James Glassmann und Kevin Hassett schrieben 1999 in ihrem Buch "DOW 36.000": "Aktien sind jetzt mitten in einem einmaligen Anstieg und werden nur noch weiter steigen - bis auf 36.000 Punkte im Dow Jones". Ein Jahr später platzte die Dotcom-Bubble, der Dow fiel von 10.000 auf 7200 Punkte. EPA
Dass man sich mit allzu konkreten Kursprognosen zurückhalten sollte, musste auch der bekannte Ökonom Nouriel Roubini feststellen: Er sagte im November, dass Gold "vielleicht auf 1100 Dollar steigen kann - aber 1500 oder gar 2000 Dollar, das ist totaler Blödsinn." Gold stieg in den Folgejahren auf bis zu über 1900 Dollar - und ist seitdem gefallen. Also zumindest der zweite Teil von Roubinis Prognose ist noch nicht entkräftet. REUTERS
George W. Bush hat so viele lustige Zitate hinterlassen, dass diese Prognose des damaligen US-Präsidenten fast vergessen wäre: "Wir können uns auf die langfristige Basis unserer Wirtschaft verlassen. Das System ist stabil. Das glaube ich wirklich", sagte er noch Mitte Juli 2008 ... EPA
... Noch näher am Abgrund erstellte Irving Fisher, einer der wichtigsten US-Ökonomen der letzten zwei Jahrhunderte, eine falsche Prognose. Mitte Oktober 1929 sagte er: "Die Aktienpreise haben etwas erreicht, das so aussieht wie ein permanent hohes Plateau." Nur eine Woche später begann der Crash von 1929. Aktien fielen um 85 Prozent.
Ihn hat erst seine falsche Vorhersage bekannt gemacht. Joseph Cassano, Chef für Finanzprodukte beim Versicherungsriesen AIG, sagte im Jahr 2007: "Es fällt uns schwer, ein Szenario überhaupt zu sehen, in dem wir auch nur einen Dollar mit Credit Default Swaps verlieren könnten." Kurz später stand AIG (auch wegen der CDS) kurz vor einer Megapleite und musste gerettet werden.
Die schlechtesten Wirtschaftsprognosen
"Quantitative Lockerung geht nur in Praxis"
Zugleich zog er eine positive Bilanz seiner Amtszeit. Es gebe nicht viele Notenbanker im Führungsgremium der Fed, die ernsthaft an der Wirkung der von ihm eingeleiteten Politik der sogenannten Quantitativen Lockerung zweifelten: "Das Problem mit der Quantitativen Lockerung ist nur, dass sie in der Praxis funktioniert, nicht aber in der Theorie."
Seit Anfang des Jahres hat die Fed die monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren um zehn auf 75 Mrd. Dollar verringert und damit auf die zunehmende Erholung der US-Wirtschaft reagiert. Die nächste Gelegenheit zum Drosseln der Konjunkturhilfen ergibt sich auf der Zinssitzung Ende des Monats. Das Programm soll bis Ende des Jahres schrittweise auslaufen, dann allerdings unter Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen.
Janet Yellen übernimmt heute von Ben Bernanke. Trotz Turbulenzen in den Schwellenländern erwarten Analysten vorerst keinen Kurswechsel. Denn Yellen hat mit ihrem Vorgänger schon lange gut zusammengearbeitet.
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