"Aktiengeschäft nur für wenige Banken profitabel"

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Werden die Kapitalkosten berücksichtigt, verlieren die meisten Banken im Handel mit europäischen Aktien Geld, meint ein Derivate-Experte von BNP.

"Viele Banken haben ein unprofitables Aktiengeschäft - das ist nicht tragfähig", sagt Yann Gerardin, Leiter globale Aktien und Rohstoff-Derivative bei BNP Paribas, im Interview mit Bloomberg News in Paris.
Barclays Plc, UniCredit SpA und Nomura Holdings Inc. zählen zu den Banken, die ihr Aktiengeschäft in Europa zusammengestrichen haben, weil die Handelsvolumina und die Rentabilität gesunken sind.

Die Eigenkapitalrendite der größten Investmentbanken in Europa ist in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt auf zehn bis zwölf Prozent abgeschmolzen - das liegt nach Berechnungen der Analysten von Barcalys Capital nahe an ihren Kapitalkosten.

Elektronische Handel zieht Kunden ab

Ausserdem nutzen die Kunden vermehrt den elektronischen und computergestützten algorithmischen Handel, der nicht die teuren Dienste von Brokern erfordert. Das bedeute, dass es die Aktienhäuser in Europa schwerer haben werden, genug Geschäft zu halten, um profitabel zu arbeiten, sagt Rebecca Healey, Analystin für Finanzdienstleistungen bei der Tabb Group LLC in London. Besser werde es Firmen ergehen, die in den letzten zwei Jahren in Technologie investiert haben.
"Da die Kunden nicht den Service bekommen, den sie wollen, wenden sie sich dem automatisierten Handel zu", erläutert sie.

Es gebe damit weniger Gründe, Broker zu bezahlen. Und das setze sich fort: Da die Einnahmen der Broker sinken, müssen sie Dienstleitungen, die sie anbieten, verringern.
Die Handelsprovisionen in Europa hatten laut der Beratungsgesellschaft Greenwich Associates 2009 einen Höchstwert erreicht und die Broker erwarten keine Erholung. Die Analysten Jeremy Sigee und Kiri Vijayarajah von Barclays in London erwarten indes in diesem Jahr eine "leichte Verbesserung" bei der Profitabilität der europäischen Investmentbanken.

Enormer Jobabbau

Bei der BNP lagen die Erträge im Bereich Aktien und Beratung, darunter Aktien-Derivate, in den ersten neun Monaten 2013 bei 1,33 Mrd. Euro - das entsprach einem Plus von 2,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie die Bank im Oktober mitteilte. Im Bereich Aktien und Rohstoff-Derivate beschäftigt BNP Paribas weltweit im Kundenbereich mehr als 1300 Mitarbeiter. "Wir setzen weniger Kapital und eine geringere Finanzierung ein als 2007 und es ist uns gelungen, unsere Erträge zu bewahren", sagt Gerardin - was den Aktienhandel für die BNP Paribas profitabel mache.

Jedoch sei die durchschnittliche Eigenkapitalrendite anderer Aktienhandelsabteilungen 2012 negativ gewesen, fügt er unter Verweis auf die Benchmarks von Beratern für die Branche hinzu. Analyst Matt Spick von der Deutschen Bank AG schrieb im Dezember in einem Bericht, die Investmentbanken in Europa müssten 2014 20.000 Stellen in den Bereichen Verkauf, Handel und Backoffice streichen, um die Kosten im Rahmen zu halten. Niedrigere Erträge, höhere Ausgaben für Technologie und Belastungen durch die neue Regulierung hätten vorherige Bemühungen zur Kostensenkung zunichte gemacht.

Wieder Expansion bei Aktienderivaten

BNP Paribas beispielsweise hat sich das Ziel gesetzt, bis2015 die jährlichen Kosten um zwei Mrd. Euro zu reduzieren. Ein Drittel der Einsparungen solle aus dem Bereich Corporate and Investmentbanking kommen. Das Institut zählte zu jenen europäischen Banken, die zwischen Mitte 2011 und 2012 in diesem Bereich Stellen strichen und die risikogewichteten Aktiva reduzierten, als auf dem Höhepunkt der europäischen Staatsschuldenkrise die kurzfristige Dollarfinanzierung für die Banken der Region wegbrach. "Zu dieser Zeit haben alle Europäer im Bereich Aktienderivate Marktanteile verloren", sagt Gerardin.

Mittlerweile expandiert BNP Paribas im Bereich Aktienderivate. Im Oktober traf sie eine Vereinbarung mit der Crédit Agricole SA und übernahm ein Aktienderivate-Buch im Volumen von 12,5 Mrd. Euro. Zudem ist sie in Verhandlungen mit der Royal Bank of Scotland Group Plc über den Erwerb der Sparte für Aktienderivate und strukturierte Produkte für Kleinanleger.
BNP Paribas agiere als ein "Konsolidator in dem Markt", sagt Gerardin. Dabei baue die Bank nicht nur ihren Marktanteil aus, sondern biete auch einigen ihrer Wettbewerbern, die andere Optionen erwägen, Lösungen an: "Wir sind bereit, weitere Derivate-Portfolios an Bord zu nehmen, so lange dies einfache Produkte sind."

(Bloomberg)

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