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Telekom-Prozess: Angriffe auf Schillerplatz-Gutachter

SUNDT / COLOMBO
SUNDT / COLOMBO(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Beging Ex-Telekom-General Sundt Untreue? Beteiligte sich Ex-ÖBB-Boss Huber daran? Entschieden wird im März. Vorerst gab es Zwist um den Gutachter.

Wien. Alle gegen einen. So ungefähr könnte man die Lage am Freitag im Gerichtssaal bezeichnen. Am fünften Tag des Untreue-Prozesses gegen den früheren Generaldirektor der Telekom Austria (TA), Heinz Sundt (66), Ex-TA-Finanzvorstand Stefano Colombo (52), Ex-ÖBB-Chef Martin Huber und dessen Frau Barbara (beide 53) erörterte der Immobilien-Sachverständige Roland Popp sein Gutachten. Demnach wurden Teile der Wiener Luxusimmobilie „Schillerplatz 4“ von der TA weit unter Wert an das Ehepaar Huber verkauft. Kaum gesagt, geriet Popp, wie schon zu Beginn der Verhandlung – Stichwort: (erfolgloser) Ablehnungsantrag wegen Befangenheit – unter Dauerfeuer der Verteidigung.

Für die Verteidigung gehört es bei größeren Prozessen mittlerweile quasi zum guten Ton den Gutachter abzulehnen. Dies ist aber nicht nur auf typische Anwalts-Reflexe zurückzuführen. Das Grundproblem besteht darin, dass es der Staatsanwalt ist, der den Gutachter im Ermittlungsverfahren bestellt. Derselbe Gutachter mutiert bei der Verhandlung in aller Regel zum Gerichtsgutachter. Hingegen haben die Sachverständigen der Verteidigung keine Parteienstellung. Dies gilt in Juristenkreisen als ungerecht. Eine legistische Lösung dieses Problems wurde vom Justizressort in Aussicht gestellt.

Gutachter Popp also: Seiner Ansicht nach war das Objekt „Schillerplatz 4“ zum Zeitpunkt des Verkaufsanbots, Mai 2006, etwa 9,8 Millionen Euro wert. Sundt und Colombo (beide bekennen sich nicht schuldig) hätten daher – mit 5,4 Millionen Euro – zu billig verkauft. Laut Anklage haben sie so Untreue zu Lasten der TA-Aktionäre begangen. Huber (in seinem Fall wurde die Anklage sogar auf schweren Betrug zu Lasten der ÖBB ausgeweitet) und seine Frau bzw. die Schillerplatz-Entwicklungsgesellschaft der beiden verkauften die Immobilie gut ein Jahr später um stolze 10,9 Mio. Euro an die Seeste Bau AG. Diese wiederum errichtete in dem Gebäude Luxuswohnungen. Ein Zeuge bezifferte die Baukosten der Seeste Bau für den Ausbau mit 25,3 Mio. Euro.

 

Ergänzung des Gutachtens

Der Gutachter habe die vorhandenen Kaufrisken zu wenig berücksichtigt, ärgerten sich nun die Anwälte. Die von ihnen zum Prozess mitgebrachten Privatgutachter stützen – wenig überraschend – diese Ansicht. Popp hielt nach Kräften dagegen und blieb bei seiner Expertise.

Richterin Claudia Moravec-Loidolt will nun, dass Popp seine Expertise ergänzt. Dazu wurde der Prozess auf 4. März vertagt. Dann oder am Tag darauf sollen die Urteile verkündet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2014)