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Klug: „Kein übertriebener Aktionismus“

Sportminister Gerald Klug (SPÖ)
Sportminister Gerald Klug (SPÖ)(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Philipp Brem)
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Sportminister Gerald Klug (SPÖ) hält nichts von einem Boykott der Olympischen Spiele. Die Sportler stehen für ihn im Mittelpunkt. Vor Ort will er aber „österreichische Grundhaltungen“ thematisieren.

Die Presse: Fahren Sie in Ihrer Funktion als Sportminister nach Sotschi?

Gerald Klug: Jawohl, ich fahre hin. Von einem Boykott halte ich nichts. Selbstverständlich nehme ich teil, um die Sportler zu unterstützen.

 

Die internationale Kritik beeindruckt Sie nicht?

Ich sehe es auch als Aufgabe des Sportministers, als Prellbock zu fungieren und unseren Sportlern die Mauer zu machen. Mir ist wichtig, dass politische Debatten und Gespräche auf der politischen Ebene geführt werden und unsere Sportler sich auf die Wettbewerbe konzentrieren können.

Aber große Sportveranstaltungen wie Olympische Spiele haben auch eine politische Ebene. Sehen Sie die nicht?

Die Olympischen Spiele haben für mich zwei Ebenen: eine sportliche und eine politische. Ich habe vorhin versucht, die sportliche Ebene deutlicher herauszuarbeiten. Aber es ist für mich kein Entweder-oder. Sondern ein Sowohl-als-auch. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Österreich immer eine klare Position hatte, was Chancengleichheit, Minderheitenrechte und Meinungsfreiheit betrifft.

Was bedeutet das aber für Sotschi?

Wir haben an die zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou ein staatenübergreifendes Schreiben geschickt. Ich werde sie in Wien treffen. Man soll darauf achten, dass die Grundwerte garantiert sind. Außerdem werde ich mich bemühen, mit der Frau Botschafterin (Margot Klestil-Löffler, Anm.) vor Ort zu reden.

 

Was kann man für die Zukunft daraus lernen?

Man soll im Vorfeld stärker überlegen, wo Olympische Spiele ausgetragen werden sollen, und uns auf europäischer Ebene stärker zusammenschließen. Damit dann Europa mit einer Stimme spricht.

Verstehen Sie den Standpunkt des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der nicht nach Sotschi fährt?

Das muss jeder Politiker für sich selbst entscheiden. Ich habe meine Entscheidung getroffen. Aber ich werde mich bemühen, auf eine geeignete Art und Weise jene Grundhaltungen, die Österreich immer schon eingenommen hat, auch vor Ort zu thematisieren. Auch mit dem einen oder anderen Sportminister. Ich sage deutlich: Ein übertriebener Aktionismus, der dazu führt, dass sich die Sportler nicht mehr voll und ganz auf die Bewerbe konzentrieren können, kommt nicht infrage für mich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2014)