Michael Ostrowski: Der Reporter des Glücks

Herr Ostrowski sucht das Gl�ck
Herr Ostrowski sucht das Gl�ck(c) ORF (Milenko Badzic)
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Der ORF schickt den Schauspieler ab 28. Jänner in der Dienstagnacht auf die Suche nach dem Glück. Mit »Eigenschäm-Elementen« in Folge eins über Sex.

Mut hat das Team rund um Michael Ostrowski jedenfalls. Es zeigt ausgerechnet die Folge über „Sex“ zum Auftakt ihrer neuen Reihe in der Dienstagnacht, der öffentlich-rechtlichen Spielwiese für Kabarett und Comedy made in Austria. Klarerweise touchiert man bei so einem Thema schnell einmal die Peinlichkeitsgrenze. Gleich in der Eröffnungsszene sitzt Ostrowski auf einem Bettrand, während hinter ihm ein Pärchen sich dem gepflegten Vorspiel widmet. Später lässt er sich vom „Erotik-Entertainer“ Marcello Bravo den G-Punkt und schwungvolle Pole-Dance-Positionen erklären und übt mit der geduldigen Tantra-Lehrerin das „gemeinsame Atmen“ im Schneidersitz.

„Eigenschäm-Momente“ nennt Ostrowski diese Sequenzen, nachdem er die Sendung selbst zum ersten Mal gesehen hat. („Es gibt Schöneres, als mich beim Tantra-Atmen zu sehen.“) Er bringt damit aber gut auf den Punkt, was seine neue Sendung „Herr Ostrowski sucht das Glück“ von ähnlichen Comedy-Reportage-Formaten (etwa „Frau Pepi und die Buben“ mit Grissemann und Stermann) abhebt: Hier wird niemand vorgeführt oder ausgelacht. Der Erzähler wirft sich stets mit in das Abenteuer und macht sich dabei, wenn nötig, selbst zum Affen.

Jugendschutz. Als „Reporter des Glücks“ geht der 41-jährige steirische Schauspieler Ostrowski auf die Suche nach verschiedenen Glücksstrategien. Dabei begegnet er in jeder der 30-minütigen Folgen drei Protagonisten, die das Generalthema – nach dem „Sex“ kommt das „Spiel“, die „Einsamkeit“, der „Rausch“ und die „Kunst“ – von einer ganz speziellen Seite betrachten. Zu Pornodarsteller und Tantra-Meisterin gesellt sich in Folge eins etwa auch die Domina Madame Queen, die Ostrowski in einem Ganzkörperanzug aus Latex, angekettet an ein Foltergerät, einen Schauspieltext abprüft. Das ist zum Teil wonach es klingt: peinlich– aber nur, bis Ostrowski die Szene mit einem Schmäh oder einer Frage auflockert und gewissermaßen rettet. In der TVthek darf die Folge nach der Ausstrahlung dank expliziter Szenen und Dialoge dennoch aus Jugendschutzgründen nicht gezeigt werden.

Regisseur Chris Weisz erzählt, wie die Idee zu dieser Sendung zustande kam: Eigentlich wollte er eine ernsthafte Dokumentation über das Glück, diesen heute so inflationär gebrauchten Begriff, machen, machen, stellte aber fest, „dass das ziemlich langweilig werden würde“. Durch Zufall lernte er Michael Ostrowski kennen, und die beiden begannen mit Drehbuchautor Thomas Fürhapter an ihrem Comedy-Reportage-Konzept zu feilen. Der Titel, angelehnt an die Sechzigerjahre-Zeichentrickserie „Herr Rossi sucht das Glück“, stand schnell fest.

Dass sich der ORF schnell für die Produktion mit Ostrowski begeisterte, liegt auf der Hand: Kaum ein anderer Schauspieler ist derzeit so erfolgreich und präsent wie er. Im Herbst war er mit Lebensgefährtin Hilde Dalik in der Komödie „Die Werkstürmer“ zu sehen, auch im aktuellen Film „Bad Fucking“ spielt er mit.


Reflexion im kargen Zimmer. Die Glücksproduktion lebt von Spontanität und Improvisation. „Ich gehe immer völlig frei in eine Situation. Es gibt nie einen Text oder eine Vorgabe. Mein Gegenüber und ich wissen nicht, wie es ausgeht“, sagt Ostrowski. Zwischen den einzelnen Szenen sieht man ihn immer wieder in einem kargen Raum vor einer beigen Tapete, eine einsame Glühbirne blinkt im Hintergrund. Dort stellt er Fragen („Welche Art von Sex macht am glücklichsten?“), fasst zusammen und versucht sich, einmal mehr, einmal weniger unterhaltsam, in Philosophieblödelei. Diese Einstellung gibt Raum für Reflexion und ist das einzige wiederkehrende Element in allen Folgen. „Es ist ein kleiner poetischer Freiraum, in dem zwischen Tiefenpsychologie und Schabernack sehr viel Platz hat“, so Ostrowski.


Einsamkeit im Sarg. Für ihn selbst sei diese Produktion sehr nahe an seine Vorstellung von Glück herangekommen. Weil er gern Menschen treffe, sich mit ihnen unterhalte und weil die überschaubare Größe dieser Produktion ihm Freiheit gebe. Drei bis vier Tage wird an einer Folge gedreht, drei bis vier Redakteure suchen nach passenden Protagonisten und Drehorten. Der Produzent chauffiert Ostrowski persönlich von Drehort zu Drehort „und kauft selbst die Wurstsemmeln für das Team“. In den kommenden Folgen wird sich Ostrowski u.a. bei lebendigem Leib begraben lassen, eine Zeit lang als Eremit im Linzer Mariendom leben („Einsamkeit“), eine Nacht lang einem Hochzeitsunterhalter assistieren („Showbusiness“) und Hellseher und Kartenleger treffen („Esoterik“).

Schon in Folge eins wird die Schwäche der Sendung, die aber auch Stärke sein kann, sichtbar: Wir wissen am Ende, dass wir nichts wissen. Wir bekommen kleine Einblicke in fremde oder kuriose Lebenswelten, sehen interessante Glücksstrategien, doch was Glück wirklich ist, bleibt unbeantwortet. Für Ostrowski ist es sogar „irgendwie beruhigend“, dem Glück nicht auf die Spur zu kommen; das sei schließlich ein Ding der Unmöglichkeit. „Aber wir nähern uns dem Glück im besten Fall auf eine interessante Art und Weise an.“ Ideen für weitere Folgen bekam das Team schon während der Dreharbeiten für die ersten neun Folgen. Etwa von jenem Mann, der bei den Rollenspielen in Deutsch-Wagram so gern in das Soldatenkostüm schlüpft. Das Spielen mache ihn so glücklich. „Das kommt gleich nach Schokolade.“

Steckbrief und Sendung

Michael Ostrowski
(bürgerlich: Stockinger) ist gebürtiger Steirer, Jahrgang 1973. Während seines Englisch- und Französischstudiums findet er eher zufällig zur Schauspielerei. Spielt seit 1993 Theater, seit 2002 auch in Filmen, u.a. „Nacktschnecken“, „Die seltsame Entführung der Elfriede Ott“, zuletzt „Die Werkstürmer“ und aktuell „Bad Fucking“. Er war Teil der ORF-Serie „Schlawiner“; „Demokratie, die Show“ lief im Grazer Theater im Bahnhof und auf Puls4.

„Herr Ostrowski sucht das Glück“: neun Folgen ab Dienstag, den 28.1., 23.05 Uhr, ORF eins (Buch: Ostrowski, Thomas Fürhapter, Regie: Chris Weisz).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2014)

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