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Warum die Börsenparty auf dünnem Eis weitergeht

(c) REUTERS (STEVE MARCUS)
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Warum die Börsenparty auf dünnem Eis weitergeht und der Börsenhype um 3-D-Druck erst ganz am Anfang steht.

Das ist wie 2007, vor dem Absturz in die Finanzkrise“: So beschrieb ein offenbar schon ein wenig aus der Fassung geratener deutscher Trader in der vergangenen Woche das, was derzeit gerade an den Börsen, speziell in Frankfurt, abgeht. Tatsächlich sieht besonders der deutsche Leitindex DAX schon enorm überhitzt aus. Der Index hantelt sich seit Wochen an der Obergrenze seines recht steilen Aufwärtstrends nach oben, derzeit wieder einmal wirklich hart an der Grenze zur völligen Überhitzung.

Das schreit zwar geradezu nach kurzfristigen Korrekturen, aber insgesamt sieht der Chart nicht so aus, als würde demnächst ein richtiger Absturz anstehen. Im Gegenteil: Rein charttechnisch steht dem DAX auf dem Weg zum Zehntausender nicht mehr viel im Wege.

Ein bisschen durchwachsener präsentiert sich die Sache schon fundamental. Da kommen zwar sehr ermutigende Konjunktursignale aus den USA. In Europa, wo sich die Kreditklemme immer tiefer in die Realwirtschaft frisst, sieht es aber leider düsterer aus. Da wird man schon froh sein müssen, wenn sich die bescheidenen Wachstumsprognosen halten lassen. Und: Die Berichtssaison für das letzte Quartal 2013 ist nicht ganz friktionsfrei angelaufen. Ein Alarmzeichen, denn in den Bewertungen, die Aktien jetzt erreicht haben, ist schon ein schönes Stück künftigen Gewinnwachstums enthalten. Wird das nicht geliefert, dann bedeutet das Überbewertung und nachfolgende saftige Korrektur.

Anleger halten es also am besten mit der alten Regel, dass man ruhig tanzen soll, solange die Musik spielt. Man sollte nur schauen, dass man das in der Nähe des Ausgangs tut. Damit man schnell aus der Gefahrenzone ist, wenn die ersten „Feuer“-Rufe für Panik im Publikum sorgen.

Für ein kleines Tänzchen bietet sich beispielsweise die an dieser Stelle schon vorige Woche empfohlene Deutsche Lufthansa(ISIN DE0008232125) an. Das sieht offenbar auch die US-Großbank Citigroup so, die am Freitag ihre Kaufempfehlung für das Papier bestätigt und das Kursziel von 18 auf 26,50 Euro angehoben hat. Die US-Analysten erwarten heuer eine deutliche Gewinnsteigerung und meinen, dass sich die Restrukturierungserfolge des Unternehmens im Kurs noch nicht so recht niedergeschlagen haben. 26,50 ist ein schönes Stück vom derzeitigen Kurs von etwas mehr als 18 entfernt, das verspricht also Potenzial. Am Freitag hat die Ankündigung, dass es im Frühjahr schon wieder zu einem Vorstandswechsel kommt, für etwas Unruhe gesorgt. Der darauf folgende kleine Kursrückgang kann ruhig als Einstiegschance gesehen werden.

Einstiegschancen nach Konsolidierungen könnten sich demnächst auch in der 3-D-Druckerbranche bieten. Die gilt an der Wall Street ja als „the next big thing“ und hat auch schon entsprechend atemberaubende Kursgewinne geliefert. Eine Aktie, nämlich 3-D-Systems(ISIN US88554D2053), hat „Presse am Sonntag“-Lesern seit der Erstempfehlung im November auch schon rund 20 Prozent Gewinn gebracht.

Nach einer Rücknahme der Gewinnprognosen durch 3-D-Systems und Stratasys haben die Aktien der Branche zuletzt deutlich konsolidiert. Eine gesunde Gegenbewegung nach den viel zu steilen Anstiegen des Vorjahres – und höchstwahrscheinlich eine günstige Einstiegsgelegenheit. Denn der Sektor steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Wie sehr die junge Branche in die Alltagswirtschaft eindringt, sieht man an einem Kontrakt, den 3-D-Systems in der Vorwoche mit dem US-Schokoladenhersteller Hershey abgeschlossen hat: Das Unternehmen wird für Hershey künftig Schokoladenprodukte drucken.

Und was möglich ist, zeigt das auf Bio-Printing spezialisierte Unternehmen Organovo(ISIN US68620A1043), das am 3-D-Druck von Organen arbeitet. Bis zum Jahresende will Organovo die erste Leber zu Forschungszwecken „gedruckt“ haben. Wenn das funktioniert, dann war der 450-prozentige Kursanstieg der Organovo-Aktie im Vorjahr erst der Auftakt. Da kann man spekulativ durchaus dabei sein, wenn man sich das Risiko bewusst macht und die Szene sehr genau beobachtet.

Wer es konservativer schätzt: In Deutschland ist der Autozulieferer Leoni(ISIN (DE0005408884) einen Blick wert. Dessen Kurs zieht seit einem Dreivierteljahr beeindruckend konstant nach oben und hat trotz einer Beinahe-Kursverdoppelung in den vergangenen neun Monaten noch Luft.

josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2014)