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Billig-GmbH: Spiritisten mit beschränkter Haftung

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Der Kreditschutzverband wertete die Gründungen seit Juli des Vorjahres aus – unter anderem auch nach Branchen. Die größte Gruppe ist die der „sonstigen“ Dienstleister, die auch Kurioses enthält.

Wien. Erst im Juli 2013 wurde das Mindeststammkapital für GmbH von 35.000 auf 10.000 Euro gesenkt. Man kann seither, weil nur die Hälfte eingezahlt werden muss, mit 5000 Euro Einlage eine GmbH gründen. Nun steht bekanntlich die Reform der Reform im Raum: Das Stammkapital soll wieder hinaufgesetzt und dafür sollen Gründungserleichterungen geschaffen werden.

Wer waren nun aber bisher die Gründer von Billig-GmbH?

Der Kreditschutzverband (KSV 1870) wertete das für Juli bis Dezember 2013 aus. Als größte Gruppe – mit 449 von 4364 Gründungen – erwies sich die der „Erbringung sonstiger Dienstleistungen“. Darunter fällt bunt Gemischtes: Neben Betrieben wie Wäschereien, Friseuren oder Kosmetiksalons sind hier etwa auch Schuhputzer, Gepäckträger, Haustierbetreuer und Parkplatzzuweiser vertreten, ebenso Esoterikberater, Rutengeher, Astrologen und Spiritisten. Wie viele auf welches Segment entfallen, lässt sich laut Günther Fasching vom KSV 1870 nicht sagen. Auch jene, bei denen „die genaue Tätigkeit noch nicht klar war“, seien hier erfasst.

Mit 372 Gründungen an zweiter Stelle rangieren Beteiligungsgesellschaften. Die Rechtsform als Kapitalgesellschaft liegt hier in der Natur der Sache – aber wie können sie mit so wenig Eigenkapital auskommen? Das Geld werde dann eben auf anderem Weg bereitgestellt, sagt Fasching. Etwa als Gesellschafter- oder als „Großmutterdarlehen“ in einer Konzernkonstruktion. Das hat oft steuerliche Gründe, zum Teil liegt es auch daran, dass man Eigenkapital nur schwer wieder aus einer Gesellschaft entnehmen kann, während man geliehenes Geld leichter herausbekommt.

Recht wenige echte Gründer

Nicht wenige Hochbauunternehmen (Platz acht in der Branchenreihung) und Bauträger (Platz zwölf) wurden ebenfalls als GmbH light gegründet. Da spielen wohl ähnliche Überlegungen mit. Dass sich hier auch dubiose Firmen tummeln, die bloß für einen Bauauftrag gegründet werden und sich vor dessen Fertigstellung in die Insolvenz verabschieden, lässt sich bislang nicht belegen: In Konkurs ging noch keine der Billig-GmbH.

Eine andere These untermauern die Zahlen aber schon – dass unter den GmbH light nur wenige echte Neugründungen sind. Zwar wurden von Juli bis Dezember 5740 GmbH gegründet (über 2000 mehr als im Vergleichszeitraum 2012), davon 4364 als GmbH light. Aber nur 927 davon gingen aufs Konto echter Jungunternehmer. 79 Prozent der Billig-GmbH wurden als Tochtergesellschaften oder von Personen gegründet, die schon ein Unternehmen haben oder hatten. Dazu passt auch die Altersstruktur der Geschäftsführer: 529 waren bei der Gründung bis 30 Jahre alt, etwa doppelt so viele zwischen 51 und 60. Vier der neuen Firmenchefs standen übrigens bereits im neunten Lebensjahrzehnt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2014)