Schnellauswahl

"Schande"-Rufe: Klitschko enttäuscht Demonstranten

ITAR TASS KIEV UKRAINE JANUARY 23 2014 Udar party leader Vitali Klitschko L is among oppositi
imago/ITAR-TASS
  • Drucken

Ein Krisentreffen zu den Massenunruhen in der Ukraine endet ohne Durchbruch. Für Oppositionsführer Klitschko gibt es ein gellendes Pfeifkonzert. Die USA drohen indes dem Präsidenten mit Sanktionen.

Schon vor Tagen warnte Vitali Klitschko, er habe die Kontrolle über Teile der proeuropäischen Oppositionsbewegung verloren. Am Donnerstagabend wurde der Ex-Boxweltmeister dann gnadenlos ausgebuht. "Schande"-Rufe donnerten ihm entgegen. Es gab ein gellendes Pfeifkonzert.

Klitschko hatte in fünfstündigen Gesprächen mit dem prorussischen Präsidenten zwei Kernforderungen - Rücktritt des Präsidenten und Neuwahlen - nicht durchgebracht. Für diesen Fall hatte der Anführer der Protestbewegung zwar eine Offensive angekündigt, einen Marsch zum Präsidentenpalast. Doch im Anschluss an das Treffen bat der 42-Jährige die zehntausenden Demonstranten im Zentrum von Kiew um Geduld und einen "Waffenstillstand".  Er hoffe inständig, dass es kein neues Blutvergießen gebe, sagte Klitschko. "Ich werde überleben, aber ich fürchte, dass es Tote geben wird. Davor habe ich Angst."

"Ich hoffe, sie hält ihr Versprechen"

Die prorussische Führung habe immerhin zugesagt, die etwa 100 festgenommenen Protestierer binnen drei Tagen freizulassen, sagte der Ex-Boxweltmeister nach den fast fünfstündigen Gesprächen. "Ich hoffe, sie hält ihr Versprechen." Weder Janukowitsch noch seine Regierung würden aber einen Rücktritt erwägen. Zuvor war berichtet worden, dass das Parlament Anfang nächster Woche auf Geheiß des Präsidenten über einen Rücktritt der Regierung abstimmen könnte.

Der Oppositionsführer forderte die Bürger aber auf, ihre Demonstrationen schrittweise auszudehnen: "Heute nur ein paar Städte - morgen werden es mehr. Heute ein paar Barrikaden - morgen noch mehr."

Nach dem Krisentreffen wird eine neue Eskalation der Gewalt befürchtet. In Kiew verstärkten Aktivisten am Freitag die Barrikaden im Zentrum. Sie errichteten auch neue Posten etwa an Metrostation Kreschtschatik. Zudem besetzten sie laut Medien das Ministerium für Agrarpolitik und Ernährungswirtschaft.

Die USA haben den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch mit Konsequenzen gedroht, sollte die Gewalt gegen Demonstranten eskalieren. Vizepräsident Joe Biden habe Janukowitsch in einem Telefonat dazu gedrängt, die politische Krise auf friedlichem Weg zu lösen, teilte das Präsidialamt in Washington am Donnerstag mit.

Sollte es dagegen zu einem weiteren Blutvergießen in Kiew kommen, werde dies Konsequenzen in den Beziehungen mit den USA haben. Ein Sprecher des US-Präsidialamts fügte hinzu, damit seien auch Sanktionen gemeint.

(APA/dpa/Reuters/Red.)