Der Angstindex VIX sieht derzeit Rekordwetten auf eine Marktkorrektur. Zwei Drittel der Börsenhändler erwarten ein Ende der Ruhe an den Börsen.
Händler kaufen derzeit ein Rekord-Volumen an Optionen, die sich auszahlen, falls die Ruhe an den Aktienmärkten ein Ende findet. Vergangene Woche gab es 7,82 Mio. ausstehende Calls auf den Chicago Board Options Exchange Volatility Index (VIX) - das ist nicht nur mehr als das Doppelte des Juni-Niveaus, sondern auch ein Rekord, zeigen Bloomberg-Daten. Das Verhältnis von Kaufoptionen (Calls) zu Verkaufsoptionen (Puts) betrug drei zu eins, damit sind die Calls so übergewichtet wie in zehn Monaten schon nicht mehr.
Der VIX-Index bewegt sich in etwa 80 Prozent der Zeit entgegengesetzt zum Aktien-Leitbarometer Standard & Poor’s 500. Investoren sichern sich mit Call-Wetten auf seine Entwicklung gegen Einbrüche am Aktienmarkt ab. Der VIX wird daher auch als Angst-Index bezeichnet.
Prognosen zu Korrektur nehmen zu
Investoren positionieren sich mit ihren Wetten auf eine Volatilität am Aktienmarkt, während rund 200 Unternehmen aus dem Standard & Poor’s 500 diese und nächste Woche ihre Zahlen zum vierten Quartal veröffentlichen. Zwar ist der VIX im bisherigen Jahresverlauf eingebrochen und US-Aktienkurse erreichten ein neues Allzeithoch. Allerdings nehmen die Prognosen hinsichtlich einer Aktien-Korrektur zu, weil der S&P-500 inzwischen seit 27 Monaten keinen Rückgang von 10 Prozent oder mehr verzeichnen musste.
“Investoren sagen sich: Es mag sein, dass im Moment alles so glatt läuft. Doch das wird wahrscheinlich nicht im ganzen Jahr anhalten”, erklärte Phil Orlando, Chef-Aktien- Marktstratege bei Federated Investors Inc, gegenüber Bloomberg News. Die Gesellschaft verwaltet rund 367 Mrd. Dollar. “Irgendetwas wird schief gehen, etwas in Washington, etwas in den Schwellenländern, oder etwas im Nahen Osten.”
Credi-Suisse-Experten warnen
Warnende Worte kommen auch von Derivate-Strategen bei der Schweizer Großbank Credit Suisse Group Inc.. Ihrer Meinung nach könnten ein Anstieg bei den Zinsen, Unruhe in Schwellenländern und ein Einbruch in Chinas inoffizieller Bankenbranche zu einem Anstieg der Volatilität 2014 führen.
“Es bleibt eine gewisse Anzahl von Makro-Katalysatoren, die die implizite Volatilität 30 Prozent klettern lassen könnten”, schrieben die Strategen um Mandy Xu von Credit Suisse in einer Studie vom 14. Januar. “Bei den Schwellenländern könnte die Krise dieses Jahr größer ausfallen als die im vergangenen Jahr”, die von der nahenden Rückführung der Stützungsmaßnahmen der Fed ausgelöst worden sei.
Der VIX war zwischen dem 21. Mai und dem 20. Juni 2013 um rund 53 Prozent nach oben geschnellt, nachdem Fed-Chef Ben Bernanke erklärt hatte, die Notenbank könne über die nächsten Sitzungen ihren Aufkauf von Anleihen drosseln. Jedoch vertagten die US-Währungshüter den Schritt bis Dezember. Damals gaben sie bekannt, dass ab Januar die monatlichen Aufkäufe von 85 Mrd. Dollar auf 75 Mrd. Dollar reduziert werden. Die bislang extrem lockere Fed-Geldpolitik gilt unter Beobachtern als Treiber der jüngsten Rally am Aktienmarkt.
Zwei Drittel rechnet mit höherem VIX
Angesichts der zunehmenden Erwartungen hinsichtlich einer größeren Volatilität sind Investoren weniger bereit, risikoreichere Wetten einzugehen, wie auch eine Umfrage von Northern Trust Corp. zeigt. Von rund 100 teilnehmenden Managern rechnen 64 Prozent mit Blick auf die kommenden sechs Monate mit einem anziehenden VIX. Etwa 34 Prozent erklärten, ihre Risikoabneigung habe im vierten Quartal zugenommen - verglichen mit 20 Prozent drei Monate zuvor.
Mark Caffray, der sich bei PTR Inc. in Chicago um VIX- Kontrakte für Kunden kümmert, hat einen klaren Trend ausgemacht. “Wir sahen in den vergangenen Wochen unterm Strich Netto-Käufer von VIX-Calls”, erklärte er. “Weil die Aktienmärkte auf Allzeithochs sind, macht es Sinn, dass das Interesse an VIX- Calls alle Rekorde bricht.”
“Eine Menge institutioneller Investoren suchen nach billiger Aufwärts-Absicherung - so, dass sie nicht in Panik verfallen müssen, falls der Markt zu fallen beginnt”, meinte auch Aktien-Derivate-Stratege Alec Levine von Newedge Group SA in New York in einem Interview mit Bloomberg News.
(Bloomberg)