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Akademikerball: Kampf rund um die Hofburg  

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Bei den Protesten gegen den von der FPÖ veranstalteten Ball kam es zu Ausschreitungen. Es gab 15 Festnahmen, 22 Menschen wurden verletzt.

Wien. Die Strategie der Wiener Polizei, Demonstranten gegen den FPÖ-Akademikerball in der Hofburg am Freitagabend durch eine ausgedehnte Sperrzone vom Veranstaltungsort fernzuhalten, ist gescheitert. Es kam zu Ausschreitungen mit mehreren Verletzten. Ballgäste wurden auf dem Weg zur Hofburg von Demonstranten beschimpft, ein Polizeiauto wurde durch Schläge mit ausgerissenen Verkehrsschildern zerstört, ganze Geschäftsstraßen wurden von Vermummten verwüstet.

Die Polizei berichtete in der Nacht von 15 Festnahmen. 17 Aktivisten und fünf Exekutivbeamte seien verletzt worden. Die Gesamtschadenssumme in der Innenstadt gehe in die hunderttausende Euro.

Verhältnismäßig ruhig hatten die Proteste mit zwei Demonstrationszügen gegen 17 Uhr vor der Universität Wien und der Landstraßer Hauptstraße (3. Bezirk) begonnen. Die Polizei zählte rund 6000 Demonstranten, die sich auf zwei verschiedenen Routen Richtung Stephansdom bewegten. Es gab Sambamusik und Trommeln, Pfeifen und Rufe. Doch die anfangs ruhigen Proteste sollten nicht lange halten.

Gegen 18.30 Uhr gab es bereits die ersten Ausschreitungen. Eine Gruppe Demonstranten durchbrach die Sperre am Lobkowitzplatz bei der Albertina. Ballgäste, die in die Hofburg wollten, wurden angepöbelt, einer Frau die Stola gewaltsam entrissen, sie wurde als „Nazihure" beschimpft. Danach versuchte die Polizei, mit Kleinbussen im Schrittempo Demonstranten abzudrängen, was die Stimmung zusätzlich anheizte.

Zerbrochene Fensterscheiben

Am Stephansplatz kam es ebenso zu einem schweren Zwischenfall. Der „Schwarze Block", eine Gruppe vermummter Radikaler, warf Böller und Farbbeutel und schlug auf ein Auto des ORF ein. Die Szenen glichen einem wilden Straßenkampf. Und nicht nur hier gab es Ärger. In der gesamten Innenstadt wurden Scheiben von Demonstranten zerschmettert. Im ersten Bezirk waren etwa das Geschäft Louis Vuitton, der Juwelier Wagner, aber auch ein Café und das Restaurant „Zum Schwarzen Kameel" sowie eine Bank betroffen.

Einige Straßen entfernt,  „Am Hof", kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Ein Polizeiauto wurde schwer beschädigt, Demonstranten sollen dort mit Brettern und Steinen auf die dortige Polizeiwache losgegangen sein.Schon davor hatten sich Demonstranten relativ rasch an verschiedenen Stellen verteilt. Sie ließen rund um die großzügig angelegte Sperrzone (die auch Teile des Rings umfassten) immer wieder Krisenherde aufflammen.

Auf Twitter, wo sich die Demonstranten organisierten, gingen im Sekundentakt Meldungen über neue Blockaden, Spontandemos und  Polizeisperren, aber auch Verletzte Kundgebungsteilnehmer ein. Friedliche Demonstranten distanzierten sich aber auch klar gegen die gewaltsamen Proteste.

Bei der Löwelstraße sammelte sich gegen 20 Uhr eine größere Menge in einer Sitzblockade an. Die Polizei setzte angeblich Pfeffersprays ein, um vorstoßende Demonstranten abzuschrecken. Bei einer Eskalation beim nahen Burgtheater sollen die Polizisten wild auf Protestierende eingeprügelt haben. Während all dem gingen auf der gegenüberliegende Seite des Rings Eltern mit ihren Kindern vor dem Rathausplatz zum Eislaufen. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache schaffte es indes ohne Störungen in den von seiner Partei veranstalten Ball, wo der Ball gegen 21 Uhr eröffnet wurde.

Polizeiaktion vor Akademie der bildenden Künste

Doch selbst nach der Eröffnung entspannte sich die Situation nicht. Die Polizei - die mit rund 2000 Beamten im Einsatz war und an strategischen Stellen Wasserwerfer positioniert hatte - errichtete bis spät am Abend immer wieder Blockaden und versuchte protestierende Gruppen aufzulösen. Gegen 22 Uhr kam es vor der Akademie der bildenden Künste zu einer Polizeiaktion. Laut Hochschülerschaft wurde das Gebäude für mehrere Stunden "eingekesselt" und "mehr als 100 Gäste festgehalten". Von allen Anwesenden bei dem "Tag der Offenen Tür" seien die Personalien aufgenommen, etliche seien verletzt worden. Die Polizei teilte mit, man habe vermutet, dass sich Demonstranten, die zuvor strafbare Handlungen begangen haben könnten, in das Gebäude geflüchtet seien. Man habe deren Identität festgestellt, Verhaftungen seien keine erfolgt.

Im Vergleich zu seiner bisherigen Geschichte, führten die Demonstrationen heuer zu den heftigsten in der Geschichte des Balls.